Genf – die Welt in einer Nuss

Hört man Genf, denkt man automatisch an Finanzen und Politik: UNO, WHO, WTO und zahlreiche andere internationale Organisationen, die sich hier niedergelassen haben. Dabei hat die größte Stadt der französischen Schweiz weitaus mehr zu bieten. Sie ist bunt, multikulturell und unglaublich vielseitig. Sie ist die Welt in einer Nuss, wie ein altes Sprichwort sagt.

Mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern die Stunde schießt die berühmte Fontäne „Jet d’Eau“ 500 Liter Seewasser pro Sekunde in den strahlend blauen Himmel über dem Genfer See. Der gigantische Wasserstrahl erreicht dabei eine Höhe von über 140 Metern. Die schneebedeckten Gipfel des Mont Blanc, die im Hintergrund emporragen, wirken gegen die nahe Fontäne fast winzig.

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Dieses Bild war wohl das letzte, das die österreichische Kaiserin Sisi sah, bevor sie am 10. September 1898 an der Seepromenade Quai du Mont-Blanc einem Attentat zum Opfer fiel. Mit der sehr schlanken Sisi-Statue an der Promenade wurde der Kaiserin zu ihrem 100. Todestag ein Denkmal gesetzt.

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Wer das Postkartenmotiv mit der Fontäne und den Berggipfeln ausführlich genießen möchte, lässt sich auf der Terrasse des legendären Hotels Beau-Rivage auf einen Tee oder Kaffee nieder, der dort übrigens nicht mehr kostet als in jedem anderen Genfer Café. Sisi, die mit 42 Koffern in der Suite 119/120 logierte, verbrachte den letzten Nachmittag ihres Lebens auf der Terrasse und trank Tee, heißt es. In einer Vitrine im ersten Stock sind ihr Hut und Accessoires ausgestellt, die sie am Tag des Attentats trug.

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Der Tomatensaft im Beau Rivage schmeckt einzigartig gut

Ein paar junge Chinesen fotografieren die Statute von allen Seiten. Ob sie wissen, wer Sisi war? Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht das Monument Brunswick. Es ist das monumentale Mausoleum Herzog Karls II. von Braunschweig. „Der zu Lebzeiten als Exzentriker bekannte Welfe wurde wegen Prunksucht und Regierungsunfähigkeit 1830 aus Braunschweig verjagt und starb 1873 im Genfer Exil. Sein Vermögen vermachte er der Stadt unter der Bedingung, dass man ihm ein Mausoleum mit Reiterstandbild errichtet“, erklärt ein Tourguide einer Gruppe Touristen. Das Grabmal, das Teil eines Palastes sein könnte, besteht aus einem dreistöckigen Baldachin aus Marmor, dessen Eingang von zwei Löwen bewacht wird. Der Sarkophag des Herzogs liegt im dritten Stock des Mausoleums. Das Reiterstandbild auf der Spitze des Baldachins musste wenige Jahre nach dem Bau entfernt werden, da es zu schwer war und herunterzufallen drohte. Heute befindet es sich am nördlichen Ende der Plattform vor dem Beau Rivage.

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Vom Quai du Mont-Blanc dringt babylonisches Sprachengewirr herüber. Menschen aus 190 Nationen leben und arbeiten in Genf in einer der über hundert internationalen Organisationen, was der Stadt mit ihren knapp 200.000 Einwohnern eine kosmopolitische Atmosphäre verleiht. In den Straßen sieht man die bunten Landestrachten Afrikas und der arabischen Staaten, ganz besonders wenn UNO-Delegationen in der Stadt sind – jährlich finden fast 8000 Konferenzen statt.

An der „Mouette“-Station herrscht Hochbetrieb. Die kleinen gelben Boote der Genfer Verkehrsbetriebe fahren vom Quai du Mont-Blanc hinüber zum anderen Seeufer, dem Rive Gauche. Von der Mouette-Station sind es nur wenige Meter zur Place de la Fusterie am Fuße der Altstadt.

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Dominiert wird der Platz an der belebten Rue de la Confédération vom Temple de la Fusterie, im 17. Jahrhundert Zufluchtsort protestantischer Flüchtlinge aus Frankreich. Zu den verwinkelten Gassen der Altstadt gibt es diverse Zugänge. Einer davon ist der Weg, der links vom Confédération Centre hinauf führt.

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An der Rue Bémont führen Treppen zur Rue de la Tour-de-Boël, die wiederum direkt in die Grand-Rue mündet, der quirligen Hauptachse der Altstadt voller Antiquitätenläden, Boutiquen, Buchhandlungen, Cafés, Kunstgalerien und Standort der Parfümerie Théodora, wo die einzigartigen Düfte, Kreationen der berühmtesten Nasen Frankreichs und Italiens, darunter Jean-Claude Ellena, ein Fest für den Geruchssinn bieten. Man darf nach Herzenslust schnuppern – „Kaufzwang besteht nicht“, so Inhaberin Sophie Bianchi, die sich 1995 mit der Eröffnung der Parfümerie einen lange gehegten Traum erfüllt hat.

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Hausnummer 40 ist das Geburtshaus des Philosophen Jean-Jacques Rousseau – nein, er war kein Franzose, er war tatsächlich Schweizer! In der Parallelstraße Rue Jean-Calvin befand sich im 16. Jahrhundert das Pfarrhaus des Reformators Calvin, das 1706 durch ein repräsentativeres Gebäude ersetzt wurde. Eine Tafel weist darauf hin, dass hier einst das Originalhaus stand. Die Straßen und Gassen der Altstadt versprühen eine Melange aus französischem Laissez faire und eidgenössischer Beschaulichkeit. Fast fühlt man sich in den steingepflasterten, verschachtelten Gassen in vergangene Tage zurück versetzt . Man spürt, dass Genf einst zu Frankreich gehörte und heute unmittelbar an dessen Grenze liegt.

Die Stadt ist reich an Sakralbauten. Der berühmteste steht am höchsten Punkt der Altstadt: die Cathédrale Saint-Pierre aus dem 12. Jahrhundert, Wirkungsstätte Calvins. Steigt man die 157 Stufen zur Turmspitze hinauf, wird man mit einem herrlichen Blick über die Stadt und den See belohnt.

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Nur wenige Minuten Fußweg sind es zum Reformationsdenkmal im Parc des Bastions am Fuße der Altstadt. Entlang einer gigantischen Wand, die auf 100 Metern Länge die 450 Jahre lange Geschichte des Protestantismus erzählt, stehen zahlreiche Skulpturen, darunter die der Reformatoren Calvin, Farel, Bèze und Knox sowie die des Vaters des amerikanischen Baptismus, Roger Williams und des Politikers Oliver Cromwell.

Von einer komplett anderen Perspektive erlebt man Genf vom Wasser aus, wo sich die volle Schönheit der Stadt entfaltet. Eingerahmt von den Höhenzügen des Schweizer Jura und den Gipfeln der Savoyer Alpen, ist ihre malerische Lage kaum zu überbieten. Am Mont-Blanc Pier legen mehrmals täglich Schiffe zu Rundfahrten ab.

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Die Raddampfer fahren nahe an der gewaltigen Wasserfontäne vorbei, passieren zahlreiche Segler und schlossähnliche Villen, Monumente und den Ariana-Park, in dem sich das „Palais des Nations“ der UNO befindet. An einem der Hänge über dem See lugt zwischen zwischen Bäumen die Villa Diodati hervor, in welcher der englische Dichter Lord Byron eine zeitlang lebte, wo seine Freundin Mary Shelley 1816 den Entwurf ihres Romans „Frankenstein“ verfasste und der Poet selbst sein dramatisches Manfred-Gedicht, das Tschaikowsky später zu einer Sinfonie verarbeitete. Das schönste Gebäude, an dem das Schiff vorbeifährt, ist die Villa Bartholoni im Park La Perle du Lac, die 1830 als Sommerresidenz für zwei Pariser Bankiers errichtet wurde und heute das Museum der Geschichte der Wissenschaften beherbergt. Sitzt man auf dem Oberdeck, kann man sich an so viel Schönheit und Idylle gar nicht statt sehen.

INFO

Beim Einchecken gibt es in allen Hotels gratis die Geneva Transport Card, mit der man kostenlos alle öffentlichen Verkehrsmittel in Genf inkl. Mouette benutzen kann.

Interessant für ein Mädels-Wochenende in Genf: Geneva Tourism hat mit dem kostenlosen Geneva Girls’ Guide einen 120-seitigen Reiseführer mit Insidertipps speziell für Frauen zusammengestellt, der sich in acht Rubriken unterteilt: Shopping, Beauty/Wellness, Aktivitäten, Restaurants, Ausgehen, Brunch, Tee & Kaffee, Leckereien sowie das perfekte Wochenende.

Weitere Informationen: www.geneva-tourism.ch

Auf ein Guinness mit Henry Joy McCracken

In Kelly’s Cellars in Belfast plante die revolutionäre Society of United Irishmen den Aufstand gegen die Engländer.

„Hier hat er sich vor den britischen Soldaten versteckt“, sagt die Wirtin und klopft mit der Hand auf den langen Tresen aus dunklem Holz. „Nie im Leben hätten die ihn zusammengekauert hinter dem Schanktisch vermutet. Dieser McCracken, das war ein ganz Tollkühner!“

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Der Tresen, hinter dem sich Henry Joy McCracken versteckte

Der 1720 eröffnete Pub in der Bank Street ist ein verstecktes Juwel abseits der Einkaufsstraßen und Fußgängerzonen. Das beste Guinness der Stadt soll es hier geben. Nur ein einziger Gast sitzt mit seinem Pint und einer Zeitung in der Ecke. Eingerahmte Bilder, Dokumente und Grafiken an den weiß gekalkten Wänden der urigen Kneipe dokumentieren die Geschichte der „Irischen Rebellion“ 1798, die Jahre zuvor in Kelly’s Cellars ihren Anfang nahm. Ab 1791 trafen sich Henry Joy McCracken und seine revolutionäre Society of United Irishmen in der Kneipe und planten den Aufstand. Die Kopie eines Gemäldes zeigt das markante Profil des jungen Revolutionärs. Ein Druck demonstriert ein Treffen der Gruppe.

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McCracken wurde in eine der im 18. Jahrhundert bekanntesten protestantischen Industriellenfamilien Belfasts hineingeboren. Die Ursache des späteren Konflikts, den die Engländer „The Troubles“ nannten, hatte 160 Jahre vor der Geburt McCrackens begonnen. Als der irische Adel 1607 fluchtartig die Insel verließ, verteilte die britische Regierung deren Land an englische Protestanten, siedelte diese systematisch in der Provinz Ulster an und nahm den Iren die Bürgerrechte. Zahlreiche britischstämmige Iren waren ebenso wie die katholische Urbevölkerung gegen die britische Fremdherrschaft und für die Wahrung der traditionellen irischen Kultur. Wie der Reedersohn Henry Joy McCracken. Zusammen mit Wolf Tone und anderen Protestanten gründete er 1791 in Belfast die Society of United Irishmen, deren Ziel die Schaffung einer irischen Republik war.

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„Wir haben keine nationale Regierung. Wir werden von Engländern und den Dienern von Engländern regiert, deren Ziel das Interesse eines anderen Landes, deren Mittel die Korruption und deren Stärke die Schwäche Irlands ist“, steht auf einer der Tafeln in dem Nebenraum, in dem die revolutionäre Gruppe ihre geheimen Treffen abhielt. Der Mann, der mit seinem Guinness versteckt hinter einer Zeitung an einem Ecktisch sitzt, schaut auf, als er das Klicken der Kamera hört und hebt eine Augenbraue. „Warum fotografiert diese Verrückte die Geschichte von der Wand ab“, scheint er zu denken.

Der junge Henry trat in die Textilfabrik seiner Familie ein. Getarnt als Geschäftsmann reiste er quer durch das Land, um in anderen Städten Gruppen der Society of United Irishmen aufzubauen. Kaum gegründet, wurde die Society als subversiv eingestuft und von den Briten verboten. Kein Wunder, hatte die Obrigkeit Henry nun im Visier. Nicht immer gelang es ihm mit einem Sprung hinter den Tresen, den britischen Soldaten zu entkommen. Im Oktober 1796 wurde er verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe im berüchtigten Kilmainham Gaol in Dublin verurteilt, wo bereits zahlreiche Gesinnungsgenossen einsaßen. Da er schwer erkrankte, wurde er 14 Monate später auf Kaution freigelassen. In Freiheit, widmete er sich unverzüglich wieder der geplanten Rebellion gegen die Engländer, die am 23. Mai 1798 in Dublin begann und auf weitere Countys übergriff. Der britischen Armee gelang es zwar, die Aufstände zum Teil schnell niederzuschlagen, die Wut der Rebellen richtete sich nun aber gegen wohlhabende Protestanten, was bürgerkriegsähnliche Zustände entfachte. Der Aufstand scheiterte im September. Kämpften Protestanten und Katholiken zunächst noch gemeinsam für ein unabhängiges Irland, führte die Rebellion zu einer Spaltung der Bevölkerung, die ihren Höhepunkt in den „Troubles“ (1969-98) fand.

Kellys Cellars

Henry Joy McCracken wurde nur wenige Wochen nach Beginn der Rebellion verhaftet und am 17. Juli 1798 im Alter von 30 Jahren zum Tod am Galgen verurteilt – am Corn Market, keine 300 Meter von Kelly’s Cellars entfernt. Hätte er seine Kameraden verraten, wäre er lebend davongekommen. Der Tresen, hinter dem sich der Revoluzzer einst versteckte und an dem die Wirtin gerade Flaschen sortiert, ist noch derselbe.

„Ihr müsst unbedingt heute Abend um Neun zur Seisún kommen“, rät sie und erklärt, dass es sich dabei um eine Pub Session handelt, bei der Amateurmusiker traditionellen Irish Folk spielen. Ob sich wohl auch die Ballade von Henry Joy McCracken im Repertoire befindet? „An Ulster man I am proud to be ….“ Am Ende des Tages werde ich es wissen!

Kellys Live Music

Adresse: 30-32 Bank Street, Öffnungszeiten: täglich 11:30-1 Uhr, sonntags 13-24 Uhr. Live Musik (Seisúns) Di, Do, Fr, Sa.

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Kurztrip nach Kopenhagen

Mit ihrer halben Million Einwohnern ist die Hauptstadt des ältesten Königreichs der Welt die Kleine unter den großen Metropolen. Überschaubar, zu klein, um sich zu verlaufen und geprägt von dänischer „Hygge“, südlichem Flair, altem Fachwerk und moderner Architektur, viel Grün und zahlreichen Radfahrern. – immerhin durchzieht ein Netz von 300 Kilometern Radwegen die Stadt.

Wohin zuerst? Auf den Rathausturm!

Fast 300 Stufen sind es bis zur Aussichtsplattform des 106 Meter hohen Turmes. Keuchend komme ich oben an, aber der Blick über Kopenhagen ist die Strapaze des Aufstiegs wert. Der imposante Backsteinbau aus dem späten 19. Jahrhundert steht auf einem der lebhaftesten Orte der Stadt, dem knapp 30.000 Quadratmeter großen Rådhuspladsen.

(Rådhuspladsen, nahe Hauptbahnhof, Turmbesteigung: Mo-Fr 8-17 Uhr, Sa 10-13 Uhr)

Ny Carlsberg Glyptotek

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Bierbrauer Carl Jacobsen (Carlsberg Bier) ließ das Gebäude mit dem schmucken Glasdom in den Jahren 1892-1897 für seine umfangreiche Skulpturensammlung bauen. Ich laufe durch Räume mit römischen, griechischen und ägyptischen Skulpturen (3000 v. Chr. bis 500 n. Chr.), stoße auf zahlreiche Arbeiten von Auguste Rodin sowie zu meiner Freude in der Gemäldeabteilung auf Werke von Cézanne, Gauguin, Manet, Monet und Courbet sowie eine der größten Sammlungen dänischer Kunstwerke. Unter der Kuppel des Glasdoms, wo sich ein kleiner Garten mit subtropischen Pflanzen und einem plätschernden Brunnen befindet, lasse ich mich auf einer der Bänke nieder und fühle mich in dieser Idylle plötzlich wie in einer anderen Welt.

Ny Carlsberg

(Dantes Plads 7, Di-So 11-18 Uhr, Do bis 22 Uhr, Eintritt: 95 DKK, unter 27 J. 50 DKK. Tipp: Dienstags ist der Eintritt in die Dauerausstellung frei!)

Christiansborg

Das gewaltige Schloss ist die dritte Version des ursprünglich 1736 von König Christian V. erbauten Königsschlosses. Christiansborg I brannte 1794 ab, ebenso Christiansborg II 90 Jahre später, woraufhin die Königsfamilie nach Amalienborg zog. Christiansborg III, das in den Jahren 1907-28 entstand, ist heute Sitz des dänischen Parlaments. Kommen Staatsoberhäupter nach Kopenhagen, werden diese von Königin Margrethe in den Repräsentationsräumen des Schlosses empfangen, die man bei Schlossführungen besichtigen kann. Die nächste Führung beginnt erst um 13 Uhr, deshalb schaue ich mir das Gebäude nur von außen an.

(Prins Jørgens Gård 1, zu Fuß ca. 10 Min. von der Ny Carlsberg Glyptotek, Führungen finden täglich zwischen 10 und 17 Uhr statt, Eintritt: 150 DKK)

Nyhavn – Sehen und gesehen werden

 

Der Hafen, der im 17. Jahrhundert im Zuge der Stadterweiterung ausgehoben wurde, ist mit seinen bunten Giebelhäusern touristisches Aushängeschild, Kneipen- und Restaurantmeile und neben der kleinen Meerjungfrau das beliebteste Fotomotiv Kopenhagens. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, aber es ist eiskalt. Trotzdem sind sämtliche Außentische der Kneipen und Restaurants bis auf den letzten Platz besetzt. Nach ein paar Minuten des Suchens finde ich ein italienisches Restaurant, wo noch ein einziger Tisch frei ist. Ich lasse mich nieder, höre einem Straßenmusiker zu, der einen Tango spielt und beobachte die vorbeiziehenden Menschen aus aller Welt.

Kopenhagen

Vom Nyhavn ist es nur ein kurzer Spaziergang zum Amalienborger Schlossplatz, wo sich die vier fast identischen Paläste Schack, Moltke, Brockdorff und Levetzauum den Platz gruppieren. Die Königsfamilie residiert im südöstlich gelegenen Palais Schack. Frederik, der Thronfolger und seine Familie, haben im Palais Brockdorff ihre offizielle Referenz. Margrethe II nutzt ihr Palais nur als Winterresidenz, ansonsten wohnt sie auf Schloss Fredensburg, außerhalb der Stadt, und im Sommer auf Schloss Gravenstein bei Sønderburg. Die Flagge ist nicht gehisst – Margrethe II und Henrik weilen derzeit wohl auf Schloss Fredensborg. Ist die Königin da, findet täglich um 12 Uhr eine Wachablösung statt. Dazu verlässt die königliche Leibgarde um 11.30 Uhr die Kaserne am weiter westlich gelegenen Schloss Rosenborg, um nach Amalienborg zu marschieren, wo die Ablösung stattfindet.

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Mit dem Rad kommt man in Kopenhagen überall schnell hin

Kleine Meerjungfrau

Klein ist sie, im wahrsten Sinne des Wortes. Fast übersehe ich die nur 1,25 Meter große Statue, die auf einem Findling an der Uferpromenade Langelinie thront. Der Bildhauer Edvard Eriksen schuf die Bronzeskulptur 1913 im Auftrag des Kunstmäzens Carl Jacobsen (der auch die Ny Carlsberg Glyptotek erbauen ließ). In der Meerjungfrau wurden gleich drei Frauen verewigt: „Jeanne d’Arc“, wie sie der französische Bildhauer Henri Michel Chapu schuf (die Skulptur steht in der Ny Carlsberg Glyptotek), Primaballerina Ellen Price, nach deren Vorbild der Kopf gestaltet wurde und Eline Eriksen, die Frau des Künstlers, die als Aktmodell diente.

(Von Amalienborg ist es über die Amaliegade nicht weit zur Langelinie. Ansonsten fährt Bus Br. 26 ab Kongens Nytorv zum Søndre Frihavn, von wo aus es noch 200 m Fußmarsch sind)

Nationalgalerie (Statens Museum for Kunst)

 

Gerade war der Himmel noch blau, jetzt ist er grau und es regnet in Strömen. Ich habe keinen Schirm dabei und flüchte rennend zu einem Taxi auf der gegenüberliegenden Straßenseite, das mich zur Nationalgalerie fährt.

Nationalgalerie Kopenhagen

Dänemarks größtes Kunstmuseum bietet auf zwei Etagen einen Überblick über 700 Jahre Kunst – von der frühen Renaissance bis zur Gegenwart. Zu den Exponaten zählen Werke von Tizian, Rembrandt, Rubens, Nolde, Munch, Matisse, Picasso, Modigliani und sogar ein Gemälde von Diego Rivera ist dabei. Mich zieht es, wie immer in Kunstmuseen, zu den Impressionisten und Expressionisten. Hier könnte ich Stunden verweilen! Als ich das Museum nach fast zwei Stunden verlasse, ist der Himmel wieder strahlend blau.

(Sølvgade 48-50, Di-So 11-17 Uhr, Mi bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei, lediglich für Sonderausstellungen muss bezahlt werden)

Strøget – die längste Fußgängerzone Europas

Die fast zwei Kilometer lange Fußgängerzone sucht man auf dem Stadtplan vergeblich, denn Strøget steht lediglich für Einkaufsmeile. Sie besteht aus mehreren aufeinanderfolgenden Straßen und schlängelt sich vom Rådhuspladsen über die Frederigsberggade, Nygade Vimmelskaftet, den Amager Torv und die Østergade bis zum Kongens Nytorv. Bei ihrer Eröffnung 1962 war Strøget die erste Fußgängerzone Europas – bis heute soll sie die längste sein. Im ersten Teil der Strøget dominieren Souvenirläden und Fastfoodketten, aber je weiter ich mich vom Rådhuspladsen entferne, finde ich Läden mit dänischem Design, internationalen Designern, Galerien, Juweliere und dazwischen jede Menge Cafés. In der Østergade 52 befindet sich das Edelkaufhaus Illum, das 1891 eröffnet wurde und gerne als „Harrod’s“ des Nordens bezeichnet wird. Auch wenn ich nichts kaufe, schlendere ich immer wieder gerne durch die vier Etagen und gönne mir auf der Dachterrasse einen Espesso.

Dinner im Quartier Latin

Urten

Auf Reisen bin ich immer auf der Suche nach guten veganen und vegetarischen Restaurants. In Kopenhagen wurde mir das kleine Restaurant „Urten“ im Univiertel Quartier Latin empfohlen. Auf der Karte stehen leckere Drei-Gänge-Menüs mit italienischen, französischen und nordischen Einflüssen. Ich kann mich nicht entscheiden und bitte die Kellnerin, mir einfach das zu bringen, was ihrer Meinung nach am besten schmeckt. Wir scheinen den gleichen Geschmack zu haben, denn was sie bringt, ist super lecker. Einschließlich dem hausgemachten Brot, veganen Wein und Dessert.

(Larsbjörnsstræde 18/im Gebäude der Atlas-Bar, Mo-Sa 12-22 Uhr)

Nightcap in schwindelerregender Höhe

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Copyright: Marriott/AC Hotels

Das Panorama der gigantischen Sky Bar im 23. Stock des Bella Sky Hotels auf das Lichtermeer Kopenhagens ist spektakulär. Egal, wo man sitzt, die Aussicht ist garantiert. Ich entscheide mich gegen einen Platz an der verglasten Wand, denn ich bin alles andere als schwindelfrei.

(Center Boulevard 5, Mo-Mi 12-24 Uhr, Do-Sa 12-1 Uhr, So/Feiertage 12-23 Uhr. So kommt man hin: Metro M1 ab Kongens Nytorv bis Station Bella Center, Fahrzeit 8 Minuten)

Tipp: Rungstedlund – Karen Blixen Museet

Wer viel Zeit mitbringt und sich für Literatur begeistert, sollte sich unbedingt das Eltern- und Wohnhaus von Karen Blixen in Rungsted Kyst anschauen. Seit ihre Autobiografie „Jenseits von Afrika“ mit Meryl Streep und Robert Redford verfilmt wurde, pilgern Fans aus aller Welt zu dem alten Herrenhaus Rungstedlund am Øresund, das seit 1991 ein Museum ist. Die Ausstellung widmet sich dem Leben der Schriftstellerin in Dänemark und Afrika und zeigt ihre Wohnräume, die seit Blixens Tod 1962 unverändert sind. Karen Blixen ist in ihrem Park hinter dem Haus unter einer großen Buche begraben. Rungstedlund ist für mich ein Muss bei jedem Kopenhagen-Besuch, denn jedes Mal erlebe ich den Ort anders.

Blixen Museum

Rungsted Strandvej 111, Rungsted Kyst, Mai-Sept Di-So 10-17 Uhr, Okt-April 13-16 Uhr, Sa/So 11-16 Uhr, Eintritt 75 DKK. So kommt man hin: Zug ab Kopenhagen Hauptbahnhof bis Station Rungsted Kyst, Fahrzeit 30 Min., dann ca. 700 m Fußweg. Tipp: Die Tickets für öffentliche Verkehrsmittel in Dänemark sind nicht gerade billig, deshalb lohnt sich ein 24 Stunden Ticket für 7 Zonen zu 130 DKK, das auch für die Fahrt nach Rungsted Kyst gilt.

Hoteltipp: AC Hotel Bella Sky

Die Türme des futuristischen Gebäudes neigen sich in entgegengesetzte Richtungen, und es scheint, als würde es nur vom Sky Walk, der die beiden silbrig weiß glitzernden Türme im 23. Stock miteinander verbindet, zusammengehalten. Das mit über 800 Zimmern größte Designhotel Nordeuropas, in dessen Foyer an einer Wand 5000 Pflanzen wachsen, liegt zwischen Flughafen und Stadtzentrum im Stadtteil Ørestad. Die Metrostation ist in Sichtweite und nur vier Minuten zu Fuß entfernt – bis ins Stadtzentrum am Kongen Nytorv sind es acht Minuten Fahrt. Die Zimmer in modernem skandinavischen Design verfügen über eine verglaste Wand, die vor allem in den oberen Stockwerken einen atemberaubenden Blick auf die Skyline Kopenhagens freigeben. Der gesamte 17. Stock ist übrigens für allein reisende Frauen reserviert.

(Center Boulevard 5, zwischen Flughafen und Hotel verkehrt ein Shuttle-Bus)

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Copyright: Marriott/AC Hotels

Irland

Wer einmal durch Irland gereist ist, den lässt die atemberaubende Landschaft der kleinen Atlantikinsel am westlichen Rand Europas nicht mehr los. Tosende Atlantikwellen, steil abfallende Klippen, schroffe Berge, endlos grüne Ebenen durchzogen von sanften Hügelketten, einsame Seen, beeindruckende Sandstrände und kleine Buchten, Wiesen, Weiden und Wälder soweit das Auge reicht, kleine Inseln, quirlige Städte, prachtvolle Schlösser, geheimnisvolle Ruinen, dank des milden Klimas des Golfstroms prächtige Landschaftsgärten und nicht zuletzt die einzigartige Herzlichkeit der Insulaner.

Irland

Mein ADAC Reiseführer Irland ist seit letzter Woche im Buchhandel erhältlich. Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten in Irland und Nordirland liegt ein Schwerpunkt auf reisepraktischen Informationen, auf Ratgeber-, Service- und Mobilitätsthemen. Wie alle ADAC-Reiseführer wurde auch dieser einem umfassenden Relaunch unterzogen und 2017 von mir komplett neu geschrieben.

 

In Mexiko

„In Mexiko – Reise in ein magisches Land“ beschreibt den achtmonatigen Aufenthalt des Autors und Übersetzers Jürgen Neubauer und seiner Frau in dem kleinen Städtchen Malinalco im Hochland Zentralmexikos. Auf humorvolle Weise lässt der Autor den Leser an seinem alles andere als langweiligen Alltag teilhaben und liefert so ein Porträt von Land und Leuten, bei dem auch die Geschichte des Landes nicht zu kurz kommt.

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Malinalco liegt von Bergen umgeben eingebettet in einem Tal. Copyright: Jürgen Neubauer

Nach viereinhalb Jahren Mexiko-Stadt haben sie die Nase voll, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem Atemwegserkrankungen zum Dauerzustand geworden sind, verlassen Neubauer und seine mexikanische Frau Lulú die von Luftverschmutzung geplagte Hauptstadt in südwestliche Richtung und lassen sich im zwei Autostunden entfernten Malinalco nieder. In dem Städtchen, über dem eine alte Kultstätte der Azteken mit einem aus dem Fels gehauenen Tempel thront, finden die beiden ein unbekanntes und zugleich faszinierendes Mexiko. Smog und Autogehupe wie in der Millionenmetropole gibt es hier nicht. Den Soundtrack bestimmen am frühen Morgen die Kampfhähne des Nachbarn, und während des Tages wird die Idylle höchstens von muhenden Kühen, wiehernden Pferden und knatternden Motoren unterbrochen.

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Malinalco. Copyright: Jürgen Neubauer

Innerhalb ihrer vier Wände treffen Jürgen und Lulú auf Skorpione, außerhalb auf Heiler, Schamanen, Künstler, Kleinkriminelle, Wahlbetrüger, Drogenhändler, geizige Großgrundbesitzer und wohlhabende Hauptstädter, die in Malinalco ihr Wochenenddomizil haben. Während Jürgen seiner freiberuflichen Tätigkeit als Literaturübersetzer nachgeht, versucht Lulú, als Anwältin Fuß zu fassen, aber bis auf ein paar „beinahe-Fälle“, gelingt es ihr nicht, Klienten an Land zu ziehen. Die einen haben kein Geld oder sind mit einem Rat für 50 Pesos (ca. 2 €) zufrieden, andere trauen sich letztendlich doch nicht, einen Großgrundbesitzer zu verklagen. Nach 260 Tagen Auszeit von Mexiko-Stadt verlassen sie Malinalco – allerdings nicht Richtung Hauptstadt.

Juergen Neubauer

In Mexiko. Verlag: TWENTYSIX, 336 Seiten, ISBN-13: 978-3740735227

Weiterer Lesetipp:

Mexiko – Ein Länderporträt (Jürgen Neubauer). Das Buch wurde mit dem ITB-Book Award 2014 ausgezeichnet. Unterhaltsam und informativ ist auch Jürgens Blog Aus Mexiko.

Oaxaca in Bildern

Oaxaca, das Land der Zapoteken und Mixteken, ist nach seiner Hauptstadt Oaxaca de Juárez benannt. In der kunterbunten Altstadt, seit 1987 UNESCO-Weltkulturerbe, treffen koloniale Vergangenheit, indianische Lebenswelten und Moderne aufeinander.

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Mit einem Stammdurchmesser von  14.05 Metern ist der 2000 Jahre alte und 42 Meter hohe Arbol del Tule in Santa María del Tule der dickste Baum der Welt.

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Mitla (Ort der Toten) ist berühmt für seine präkolumbischen Bauten. Die Palastanlage (ca. 200 n. Chr.) zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Monte Albán (der weiße Berg), UNESCO Weltkulturerbe), war die Hauptstadt der Zapoteken. Seine Blütezeit lag zwischen 300 und 900 n. Chr. Um 950 wurde der Ort aufgegeben und diente bis ca. 1250 als Begräbnisstätte. Danach lebten die Mixteken auf dem Berg, bis 1521 spanische Eroberer Oaxaca einnahmen.

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TIPP: Geführte Tour in und um Oaxaca: Gabriel Sánchez García.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teppichweber in Teotitlán

Es sind Wolkenformationen am Himmel, die Farben des Sonnenuntergangs, der Regen, die Berge, die Landschaft oder Tiere die Nelson Pérez Ideen für die Muster und Farben seiner Teppichkreationen liefern. Der Designer und Weber leitet die Weberei „Tapetes Nelson Pérez“ in Teotitlán del Valle, die seit über 120 Jahren im Familienbesitz ist. Der überwiegende Teil der Bevölkerung des kleinen Ortes 30 Kilometer südlich von Oaxaca lebt seit Jahrhunderten von der Teppichweberei – seit der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert, die Schafe und mechanische Webstühle ins Land brachten.

Nelson Pérez zeigt, wie die Wolle gekämmt wird.

Nelson nutzt zu 60 Prozent Merino-Wolle aus Australien, die weicher ist als die Wolle vom mexikanischen Schaf. Die Wolle wird zunächst mit Amole, einer schäumenden Wurzel, gewaschen und bleibt dann einen Tag im amolehaltigen Wasser. Danach wird sie getrocknet, mit einer Karde gekämmt und mit Hilfe eines Spinnrads zu Garn gesponnen.

700 Meter Wolle werden in Nelsons Weberei am Tag gesponnen. Anschließend erfolgt das Einfärben. Dazu verwendet Nelson Farben aus Pflanzen und Blüten, u.a. Ringelblume, Kamille, Steinmoos, Indigo, Pekanblätter und die Kaktuslaus Cochinilla, aus der sich 40 Rottöne gewinnen lassen. Der Färbeprozess dauert drei Stunden. Sobald das Garn getrocknet und auf Bambusröhrchen gewickelt wurde, ist es für den Webstuhl bereit.

 

Bis ein Teppich mit 5 m Länge fertig ist, dauert es drei Monate. Nur ein Weber arbeitet jeweils an einem Teppich – hier ein Cousin von Nelson.

In Nelsons Galerie ist ein Teppich schöner als der andere

Als wir uns die Teppiche in der Galerie anschauen, ist mir klar, dass ich einen mit nach Hause nehmen möchte. Der, der mir gefällt, ist vier Meter lang drei Meter breit – nie und nimmer würde der als Handgepäck durchgehen. Also entscheide ich mich für einen zwei Meter langen, der zusammengefaltet gut in eine Tasche passt.

Nelson beim Zusammenrollen des blauen Teppichs, den wir uns gekauft haben
Showroom bei Tapetes Pérez

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Central del Norte

Schon vor Sonnenaufgang herrscht reges Treiben auf Mexikos größtem Busterminal, dem Central de Autobuses del Norte. Vor den Fahrkartenschaltern stehen Frühaufsteher schweigend in Schlangen, die von Minute zu Minute länger werden. Einige gähnen, andere scheinen im Stehen zu schlafen. Unterbrochen wird das Schweigen von ein paar kreischenden Kindern, die sich um ein Spielzeugauto zanken.

Central del Norte

Ob es uns gelingt, bei ETN einen frühen Bus nach Guanajuato zu erwischen? Vergeblich hatte ich am Tag zuvor im Hotel versucht, die Tickets auf den Webseiten diverser Busunternehmen zu buchen. Es scheiterte jedes Mal an der Kreditkarte. „Für den Online-Kauf werden aus Sicherheitsgründen ausschließlich mexikanische Kreditkarten akzeptiert“, erfuhr ich später vom Concierge. Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich an der Reihe sind, gibt es nur noch Tickets für die Verbindungen ab dem Nachmittag. Wir versuchen es am Schalter von Primera Plus, haben nach kurzer Wartezeit Glück und bekommen Tickets für den Bus um 9.30 Uhr. Jetzt ist es kurz vor 7.

Central del Norte 2

In einem der Wartebereiche setzen wir uns an den letzten freien Tisch. Die Stühle sind kalt und unbequem. Vier gelbe Metallstühle, die an einem orangefarbenen Tisch befestigt sind und die man deshalb nicht nach hinten ziehen kann. Keine Bewegungsfreiheit für die Beine. Der Sitz der Stühle besteht aus zehn Metallstäben, zwischen denen gut 3 cm Abstand ist, was es so richtig ungemütlich macht, darauf zu verweilen. An den übrigen Tischen sitzen mexikanische Familien, die über die Weihnachtsfeiertage bei Verwandten in der Hauptstadt waren und nun in ihre Provinzen zurückfahren. Oder Hauptstädter, die Verwandte in anderen Teilen des Landes besuchen. Oder ans Meer fahren. Rund um die Tische stapeln sich monströse Gepäcklawinen aus altersschwachen Koffern, die von Schnüren zusammengehalten werden, Pappkartons in allen Größen, vollgestopfte Plastiktüten und weiße Plastikeimer mit Deckel, die weiß Gott was enthalten. Großfamilien besetzen gleich mehrere Tische. Rings herum wird laut diskutiert, gefrühstückt, Karten gespielt, gelacht, gelesen, gestritten, Männer bohren gelangweilt in der Nase, Teenager ziehen Gesichter und Kinder hüpfen laut krakeelend über die Gepäckstücke.

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Direkt vor mir habe ich einen Blick auf den Kiosk der „Loteria Nacional“, der so früh am Morgen schon gut besucht ist. „Le da la suerte“ (er bringt dir das Glück) ist das Logo des Lotteriehäuschens, an dessen Tür ein Riesenposter von Jesus prangt. Daneben reihen sich gleich drei Geldautomaten aneinander. Cash für den Lottoschein?

Aufgrund ihrer hohen Lage von 2310 Metern ist es morgens fast eisig in Mexiko-Stadt. Die Menschen sitzen eingehüllt in dicken Mänteln, Schals und Wollmützen an den Tischen. Nach 20 Minuten halte ich es auf dem unbeweglichen und unbequemen Stuhl nicht mehr aus und stehe auf, um die gigantische Halle zu erkunden, die ganze 100508 m2 misst und über acht Gates mit insgesamt 117 Bussteigen verfügt. Das im Dezember 1973 eingeweihte Terminal Central de Autobuses del Norte ist eines der vier Busterminals in Mexiko-Stadt und das einzige, von dem aus Busse in fast alle Städte und Regionen des Landes fahren – auch in zahlreiche Städte der USA, darunter Austin, Dallas, Houston San Antonio, Chicago und Atlanta.

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Menschenschlangen stehen vor den Schaltern der 35 großen Busunternehmen. Am längsten sind Schlangen vor den Verkaufsstellen der Fahrkarten nach Acapulco. Nur weg aus der winterlichen Kälte der Hauptstadt, wo die Durchschnittstemperatur im Dezember und Januar bei 23 Grad liegt. Für unsereins warm, für die Einheimischen kalt. An den Gates reihen sich die Busse nebeneinander. Fahrer stehen an die Fahrzeuge gelehnt und rauchen. Sobald ein Bus wegfährt, rollt auch schon der nächste heran. Ein Kommen und Gehen von über 2000 Bussen rund um die Uhr. Zwischen der Schalterhalle und den Gates liegt der Bereich mit Läden, Zeitungskiosken, Taco-Ständen, kleinen Supermärkten, Restaurants, Apothekenkiosk und Schuhputzer. An den Wänden sind blinkende Internetzellen angebracht. Alle Plätze davor sind Plätze belegt.

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Pausenlos öffnen sich die hohen Glastüren, bringen neue Passagiere und die kalte Morgenluft herein. Ich gehe zum Tisch und meinem unbequemen Stuhl zurück. Bald ist es Zeit, zum Gate zu gehen. Wie am Flughafen müssen wir durch eine Sicherheitskontrolle. Pats Koffer ist zu groß und passt nicht durch die Öffnung des Röntgengerätes. Macht nichts, er wird samt Koffer durch gewunken. Es muss zack, zack gehen, damit der Bus pünktlich abfahren kann. Nach der Sicherheitskontrolle werden wir am Bussteig abgetastet und das Handgepäck wird nochmals kontrolliert. Erst dann dürfen wir einsteigen.

Central del Norte 6

Buch zu gewinnen: 111 Orte in Bern

Ein Wochenende in Bern entschleunigt, denn hier geht alles einen Tick langsamer. Das ist wissenschaftlich bestätigt. Zumindest stellt das der britische Psychologie-Professor Richard Wiseman in seinem Buch „Quirkology – Die wissenschaftliche Erforschung unseres Alltags“ fest. Ein Kurztrip nach Bern lohnt sich allein deshalb, aber auch, weil es dort 111 einzigartige Orte zu entdecken gibt.

Ich verlose ein Exemplar meines Buches „111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss“ (3. Auflage 2017). Um zu gewinnen, beantwortet bitte folgende Frage im Kommentarfeld:

Woher rührt der legendäre Ruhm der Bellevue-Bar im Bellevue Palace in Bern? 

 

Tipps für 24 Stunden in Cork

Für die Einheimischen ist Cork die wahre Hauptstadt der Republik Irland. Im 17. Jh. Hochburg der Engländer, nennt sich die Stadt im Süden The Rebel City, da sie im irischen Unabhängigkeitskampf als Rebellenhochburg eine entscheidende Rolle spielte.

Cork 2

Mit zahlreichen Theatern, Galerien, einem Opernhaus, literarischen Zentren, der Cork School of Musik, dem Cork Film Festival und einem Jazz Festival gilt die Stadt als Irlands Kulturmetropole. Das architektonisch sehenswerte Stadtzentrum mit Häusern aus dem 18. und 19. Jh. wird von zwei Armen des River Lee umrundet und wirkt dadurch wie eine Insel. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander und sind gut zu Fuß erreichbar.

Cork Oper

The Cork Opera House

Endlich haben wir es einmal geschafft, zwei Tage hier zu verbringen – bisher war Cork immer nur eine Durchgangsstation. Leider macht uns der Orkan Ophelia einen Strich durch die Rechnung – einen Tag lang sind sämtliche öffentlichen Gebäude und Geschäfte geschlossen und wir sind zum Herumsitzen im Hotel verdammt. Wir wohnen im River Lee Hotel, wo wir durch Fenster, die vom Boden zur Decke reichen, das Wüten von Ophelia beobachten. Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei und wir können unsere Sightseeing-Tour starten.

Elizabeth Fort – einzigartiger Blick über Cork

Nur wenige Minuten Fußmarsch sind es vom River Lee Hotel zum Elizabeth Fort. 1601 ursprünglich als Festung gebaut, beherbergte das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte ab 1817 ein Frauengefängnis, im späten 19. Jh. die Kaserne der Cork City Artillery, und von 1920-2013 eine Polizeistation. Allein die Sicht, die wir von der Bastion des Forts über die Stadt haben, ist einen Besuch wert.

Barrack Street, Cork, http://www.elizabethfort.ie, Di-Sa 10-17, So 12-17 Uhr, Eintritt frei.

Elizabeth Fort

Auf dem Elizabeth Fort

The English Market

Irische Delikatessen, Obst und Gemüse, Meeresfrüchte und Fisch, Backwaren, Käse, Kaffeespezialitäten aus aller Welt, Wein, Gewürze und allerlei Leckereien und Exotisches. Ein Bummel durch die Korridore einer der ältesten Markthallen der Welt (1788) ist ein Fest für Gaumen und Nase. Wir waren bei unserem letzten Cork-Besuch so begeistert von der Markthalle, dass wir es uns nicht nehmen lassen, auch dieses Mal wieder durch die Gänge zu schlendern.

Princess Street, Cork, http://www.englishmarket.ie, Mo-Sa 8-18 Uhr

English Market

The Butter Museum

Wer hätte das gedacht: Cork war einmal Weltbutterhauptstadt. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. befand sich in Cork der größte Buttermarkt der Welt. Das Milchprodukt wurde in das gesamte Britische Empire exportiert. Das Cork Butter Museum im ehemaligen Gebäude des Cork Butter Market aus dem Jahr 1849 erzählt die Geschichte der Butter und die Wiederbelebung des Buttergeschäftes in Irland in den 1960er Jahren durch die Marke Kerrygold.

Butter Cork

In einem Film erfahren wir, dass jährlich über 170 Millionen Päckchen der streichzarten „Kerrygold Original Irische Butter“ in Deutschland verkauft werden.

Irische Kuh

Dass die Butter fast golden ist liegt daran, dass die Kühe aufgrund des milden irischen Klimas bis zu 300 Tage im Jahr fast 24 Stunden täglich auf der Weide stehen und frisches Gras fressen. Dieses enthält reichlich Carotin, das die Butter gelb färbt. Die Milchkühe in Deutschland stehen dagegen im Stall und werden mit Mais und Getreide gefüttert.

O’Connell Square, Cork, Tel. 021/4300600, http://www.corkbutter.museum, März-Okt. tägl. 10-17 (Juli/Aug. bis 18), Nov.-Feb. Sa./So. 11-15 Uhr

Shandon Bells & Tower

Schräg gegenüber vom Butter Museum steht der Glockenturm der St. Annes’s Church, der acht Glocken, die Shandon Bells (1750) sowie ein zwei Tonnen schweres Uhrwerk aus dem 19. Jh. beherbergt. Der Gang hinauf zur winzigen Aussichtsplattform ist eng und steil und führt vorbei an Glockenseilen, an denen man selbst ein Lied läuten darf. Mein Lied höre ich nur sehr leise, als ich es an den Seilen „komponiere“, aber wer gerade oben steht, hört es um so lauter. Mit eingezogenem Kopf klettere ich durch die Öffnung zum letzten Teil der Treppe, die mir hier noch enger erscheint. Pat wagt es nicht, weiter hinaufzusteigen und bleibt unterhalb der Glocke stehen. Oben angekommen, bietet sich mir ein herrlicher 360° Blick über Cork.

Church Street, Nov-Feb. Mo-So 11-15, März-Okt. Mo-Sa 10-16, So 11.30-16, Juni-Sept. Mo-Sa 10-17, So 11.30-16.30 Uhr

Shandon

Shandon Bells & Tower

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Blick vom Glockenturm auf Cork

Cork City Gaol

Das Gebäude aus dem Jahr 1818 ähnelt eher einem Schloss als einem Gefängnis. Die in Szene gesetzten Insassen in den original ausgestatteten Zellen sind aus Wachs und sehen täuschend echt aus. Ein Audioguide führt durch die Strafanstalt und erzählt spannende Geschichten über den damaligen Strafvollzug und die Sträflinge. Nach der Schließung des Gefängnisses 1924 zog drei Jahre später Irlands erster Rundfunksender, Radio Eireann (heute RTE), ins Obergeschoss und blieb dort bis in die 1950er Jahre. Heute befindet sich dort das National Radio Museum mit einer Sammlung alter Rundfunkgeräte.

Convent Avenue, Sunday’s Well, Tel. 021/4305022, http://www.corkcitygaol.com, Apr.-Sept. tägl. 9.30-17, Okt.-März 10-16 Uhr

The Weir Rooms & Terrace

Da uns das Restaurant mit Blick auf den River Lee schon am Vortag überzeugt hat und wir sowieso im Hotel wohnen, essen wir heute wieder hier. Die angebotenen Menüs (auch vegetarisch/vegan) sind lecker und der Blick auf den Fluss und die gegenüberliegenden Gebäude fantastisch.

River Lee Hotel

River Lee Hotel