März 26

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Emmentaler Mords- und Spukgeschichtenweg

Wandern mit Krimi- und Gruselgeschichten am Ohr

Mit seiner mystischen Landschaft aus Hügeln, dunklen Tannenwäldern, schattigen Schluchten, windgepeitschten Höhen und abgelegenen Höfen liefert das Emmental Kriminalautoren aus der Region immer wieder neuen Stoff. Ganz besonders an grauen trüben Tagen, bei Nebel, Nieselwetter und Rabengeschrei oder an Stellen, an denen die Emme einem rauschenden Wildbach ähnelt, ist die Kulisse für Mord- und Spukgeschichten perfekt. Dank eines Themenweges kann man die Kurzkrimis und Gruselgeschichten seit Juni 2012 nun auch am Schauplatz des Grauens per Smartphone zum Festnetztarif auditiv erleben.

Auf ausgeschilderten Wanderwegen zwischen Escholzmatt und Burgdorf sowie Eggiwil und Wasen wurden an verschiedenen Aussichtspunkten insgesamt zwanzig Ruhebänke zu Hörbänken umfunktioniert oder neu aufgestellt. Auf jeder Bank befindet sich eine Hinweistafel mit dem Titel der Geschichte und ihrem Code, einer Telefonnummer, sowie einer Anleitung. Die skurrilen, schauderhaften und kriminellen Geschichten, die aus dem Buch „Mordsgeschichten aus dem Emmental“ stammen sind zwischen 15 und 65 Minuten lang.

Jeder Standort hat seinen eigenen spannenden Kurzkrimi wie zum Beispiel über einen Pfarrer und einen Dorfarzt, die mehr Dreck am Stecken haben, als manch einer glaubt, einen ruhelosen Frauenmörder, eine verhängnisvolle Internet-Affäre oder einen Kommissar mit untrüglichem Bauchgefühl. Es geht in den Erzählungen aber nicht nur um Verbrechen, Mord und Totschlag, sondern auch um Spuk und ruhelose Geister.DSC_6884

Ich stehe vor einer Bank am Ortseingang Lützelflüh. Dort, wo eine Holzbrücke die Emme überquert. Der Tag ist trüb und grau, über den Bergen hängt Nebel. Düster liegt die Brücke vor mir und außer dem Rauschen der Emme ist nichts zu hören. „Das richtige Szenario für einen Krimi“, denke ich. Ich wähle die Telefonnummer, gebe den Code der Geschichte „Im Netz gefangen“ ein und höre gleich darauf zwei schrille markerschütternde Schreie, gefolgt von dem Satz „Grüessech. Viel Vergnüege off’m Ämmitaler Mords- und Spukg’schichte’wäg“. Während ich der Erzählung folge, laufe ich auf die Brücke und schaue in den reißenden Strom der Emme, die aufgrund der Regenfälle der vergangenen paar Tage Hochwasser hat. Die Geschichte ist ungemein spannend und für diese Umgebung perfekt ausgewählt. Wäre es nicht so kalt und ungemütlich, würde ich zur nächsten Bank weiter wandern und mir noch eine Geschichte anhören. So aber marschiere ich im Nieselregen zum Bahnhof und setze mich in den warmen Zug zurück nach Bern.DSC_6879INFO

Der Mords- und Spukgeschichtenweg kann das ganze Jahr über begangen werden. Je nach Witterung kann es jedoch passieren, dass einzelne Abschnitte wegen Schnee oder Hochwasser der Emme vorübergehend geschlossen werden.

Adresse Wo man den Mords- und Spukgeschichtenweg betreten möchte, entscheidet man selbst. Alle Etappen lassen sich zu Fuß bewältigen. Auf www.emmental.ch/mord gibt es eine Detailkarte mit allen Hörbänken, die sich alle in der Nähe von Bus- oder Bahnhaltestellen befinden.