April 06

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Die Nachtgänge von Friedrich Dürrenmatt

Seine ersten 14. Lebensjahre verbrachte Friedrich Dürenmatt in Konolfingen, am Tor zum Emmental. Rund um seinen Geburtsort führt ein Literaturweg zu den Orten seiner Kindheit.

„Ich hätte den bösen Wald nie betreten dürfen“, steht auf Tafel 7 am Emmentaler Literaturweg. Es ist ein Satz aus der Ballade von Midas. Als Kind ging der Schriftsteller oft durch diesen Wald. Immer dann, wenn er seinen Vater, den Pfarrer, zu seinen Predigten in Nachbardörfer oder zu Sterbenden in einsam gelegenen Bauernhäusern begleitete. Auf dem Nachhauseweg, als es im Wald stockdunkel war, erzählte ihm sein Vater oft von den griechischen Sagen, ihren Helden und Ungeheuern. Nachtgänge mit Vater, nannte Dürrenmatt diese Wanderungen.

Geburts- und Elternhaus von Dürenmatt in Konolfingen.

Geburts- und Elternhaus von Dürenmatt in Konolfingen.

Tafel 7 ist Teil des im April 2008 eingeweihten Emmentaler Literaturwegs, der dem berühmten Sohn Konolfingens gewidmet ist. Der Weg führt hin zu Orten, an die sich Dürrenmatt in seinem späteren Prosawerk erinnert. 15 am Weg aufgestellte Tafeln geben anhand von Zitaten Einblicke in das Werk des Schriftstellers. Er beginnt am Kreuzplatz im Zentrum des kleinen Städtchens mit Tafel 1, auf der Dürrenmatts spezieller Dorfplan von Konolfingen verewigt ist. Vorbei an seinem Elternhaus, dem Pfarrhaus am Kirchweg, dem Friedhof, dem Schulhaus und der Ebene mit dem sauren Klee geht es hinauf in den Wald zum Predigweg und zum Aussichtspunkt Rütteli, der einen herrlichen Blick auf die Alpen und das Aaretal freigibt. Hier befindet sich Tafel 10 mit Dürenmatts Schweizerpsalm. Auf dem Rückweg Richtung Stalden befindet sich die letzte Tafel (15) mit Dürenmatts Federzeichnung „Die beiden Tiere“.Aussicht Häutligen

Die meisten Texte auf den Tafeln stammen aus dem Spätwerk „Labyrinth, Stoffe I–III“. 1935 zog die Familie Dürrenmatt nach Bern: „Mit vierzehn Jahren musste ich das Dorf verlassen, mein Vater nahm eine Stelle in der Stadt an. Aus dem Übersichtlichen, aus den vertrauten Schleichwegen in den Kornfeldern, Tennen und Wäldern, verirrte ich mich ins Unübersichtliche, aus dem es keinen Weg nach außen mehr gab. Das Labyrinth wurde Wirklichkeit“, ist auf Tafel 5 zu lesen.Frühling_2

INFO

Adresse Kreuzplatz, CH-3510 Konolfingen. Anreise: Ab Bern Bahnhof S2 bis Bahnhof Konolfingen (Fahrtzeit ca. 20 Minuten). Die Wanderzeit beträgt etwa 2,5 Stunden, der Weg ist von A bis Z ausgeschildert.

Tipp Sonntagsbrunch (10-14 Uhr) auf Schloss Hünigen in Konolfingen.

Schloss Hünigen

Schloss Hünigen