Genf – die Welt in einer Nuss

Hört man Genf, denkt man automatisch an Finanzen und Politik: UNO, WHO, WTO und zahlreiche andere internationale Organisationen, die sich hier niedergelassen haben. Dabei hat die größte Stadt der französischen Schweiz weitaus mehr zu bieten. Sie ist bunt, multikulturell und unglaublich vielseitig. Sie ist die Welt in einer Nuss, wie ein altes Sprichwort sagt.

Mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern die Stunde schießt die berühmte Fontäne „Jet d’Eau“ 500 Liter Seewasser pro Sekunde in den strahlend blauen Himmel über dem Genfer See. Der gigantische Wasserstrahl erreicht dabei eine Höhe von über 140 Metern. Die schneebedeckten Gipfel des Mont Blanc, die im Hintergrund emporragen, wirken gegen die nahe Fontäne fast winzig.

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Dieses Bild war wohl das letzte, das die österreichische Kaiserin Sisi sah, bevor sie am 10. September 1898 an der Seepromenade Quai du Mont-Blanc einem Attentat zum Opfer fiel. Mit der sehr schlanken Sisi-Statue an der Promenade wurde der Kaiserin zu ihrem 100. Todestag ein Denkmal gesetzt.

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Wer das Postkartenmotiv mit der Fontäne und den Berggipfeln ausführlich genießen möchte, lässt sich auf der Terrasse des legendären Hotels Beau-Rivage auf einen Tee oder Kaffee nieder, der dort übrigens nicht mehr kostet als in jedem anderen Genfer Café. Sisi, die mit 42 Koffern in der Suite 119/120 logierte, verbrachte den letzten Nachmittag ihres Lebens auf der Terrasse und trank Tee, heißt es. In einer Vitrine im ersten Stock sind ihr Hut und Accessoires ausgestellt, die sie am Tag des Attentats trug.

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Der Tomatensaft im Beau Rivage schmeckt einzigartig gut

Ein paar junge Chinesen fotografieren die Statute von allen Seiten. Ob sie wissen, wer Sisi war? Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht das Monument Brunswick. Es ist das monumentale Mausoleum Herzog Karls II. von Braunschweig. „Der zu Lebzeiten als Exzentriker bekannte Welfe wurde wegen Prunksucht und Regierungsunfähigkeit 1830 aus Braunschweig verjagt und starb 1873 im Genfer Exil. Sein Vermögen vermachte er der Stadt unter der Bedingung, dass man ihm ein Mausoleum mit Reiterstandbild errichtet“, erklärt ein Tourguide einer Gruppe Touristen. Das Grabmal, das Teil eines Palastes sein könnte, besteht aus einem dreistöckigen Baldachin aus Marmor, dessen Eingang von zwei Löwen bewacht wird. Der Sarkophag des Herzogs liegt im dritten Stock des Mausoleums. Das Reiterstandbild auf der Spitze des Baldachins musste wenige Jahre nach dem Bau entfernt werden, da es zu schwer war und herunterzufallen drohte. Heute befindet es sich am nördlichen Ende der Plattform vor dem Beau Rivage.

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Vom Quai du Mont-Blanc dringt babylonisches Sprachengewirr herüber. Menschen aus 190 Nationen leben und arbeiten in Genf in einer der über hundert internationalen Organisationen, was der Stadt mit ihren knapp 200.000 Einwohnern eine kosmopolitische Atmosphäre verleiht. In den Straßen sieht man die bunten Landestrachten Afrikas und der arabischen Staaten, ganz besonders wenn UNO-Delegationen in der Stadt sind – jährlich finden fast 8000 Konferenzen statt.

An der „Mouette“-Station herrscht Hochbetrieb. Die kleinen gelben Boote der Genfer Verkehrsbetriebe fahren vom Quai du Mont-Blanc hinüber zum anderen Seeufer, dem Rive Gauche. Von der Mouette-Station sind es nur wenige Meter zur Place de la Fusterie am Fuße der Altstadt.

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Dominiert wird der Platz an der belebten Rue de la Confédération vom Temple de la Fusterie, im 17. Jahrhundert Zufluchtsort protestantischer Flüchtlinge aus Frankreich. Zu den verwinkelten Gassen der Altstadt gibt es diverse Zugänge. Einer davon ist der Weg, der links vom Confédération Centre hinauf führt.

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An der Rue Bémont führen Treppen zur Rue de la Tour-de-Boël, die wiederum direkt in die Grand-Rue mündet, der quirligen Hauptachse der Altstadt voller Antiquitätenläden, Boutiquen, Buchhandlungen, Cafés, Kunstgalerien und Standort der Parfümerie Théodora, wo die einzigartigen Düfte, Kreationen der berühmtesten Nasen Frankreichs und Italiens, darunter Jean-Claude Ellena, ein Fest für den Geruchssinn bieten. Man darf nach Herzenslust schnuppern – „Kaufzwang besteht nicht“, so Inhaberin Sophie Bianchi, die sich 1995 mit der Eröffnung der Parfümerie einen lange gehegten Traum erfüllt hat.

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Hausnummer 40 ist das Geburtshaus des Philosophen Jean-Jacques Rousseau – nein, er war kein Franzose, er war tatsächlich Schweizer! In der Parallelstraße Rue Jean-Calvin befand sich im 16. Jahrhundert das Pfarrhaus des Reformators Calvin, das 1706 durch ein repräsentativeres Gebäude ersetzt wurde. Eine Tafel weist darauf hin, dass hier einst das Originalhaus stand. Die Straßen und Gassen der Altstadt versprühen eine Melange aus französischem Laissez faire und eidgenössischer Beschaulichkeit. Fast fühlt man sich in den steingepflasterten, verschachtelten Gassen in vergangene Tage zurück versetzt . Man spürt, dass Genf einst zu Frankreich gehörte und heute unmittelbar an dessen Grenze liegt.

Die Stadt ist reich an Sakralbauten. Der berühmteste steht am höchsten Punkt der Altstadt: die Cathédrale Saint-Pierre aus dem 12. Jahrhundert, Wirkungsstätte Calvins. Steigt man die 157 Stufen zur Turmspitze hinauf, wird man mit einem herrlichen Blick über die Stadt und den See belohnt.

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Nur wenige Minuten Fußweg sind es zum Reformationsdenkmal im Parc des Bastions am Fuße der Altstadt. Entlang einer gigantischen Wand, die auf 100 Metern Länge die 450 Jahre lange Geschichte des Protestantismus erzählt, stehen zahlreiche Skulpturen, darunter die der Reformatoren Calvin, Farel, Bèze und Knox sowie die des Vaters des amerikanischen Baptismus, Roger Williams und des Politikers Oliver Cromwell.

Von einer komplett anderen Perspektive erlebt man Genf vom Wasser aus, wo sich die volle Schönheit der Stadt entfaltet. Eingerahmt von den Höhenzügen des Schweizer Jura und den Gipfeln der Savoyer Alpen, ist ihre malerische Lage kaum zu überbieten. Am Mont-Blanc Pier legen mehrmals täglich Schiffe zu Rundfahrten ab.

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Die Raddampfer fahren nahe an der gewaltigen Wasserfontäne vorbei, passieren zahlreiche Segler und schlossähnliche Villen, Monumente und den Ariana-Park, in dem sich das „Palais des Nations“ der UNO befindet. An einem der Hänge über dem See lugt zwischen zwischen Bäumen die Villa Diodati hervor, in welcher der englische Dichter Lord Byron eine zeitlang lebte, wo seine Freundin Mary Shelley 1816 den Entwurf ihres Romans „Frankenstein“ verfasste und der Poet selbst sein dramatisches Manfred-Gedicht, das Tschaikowsky später zu einer Sinfonie verarbeitete. Das schönste Gebäude, an dem das Schiff vorbeifährt, ist die Villa Bartholoni im Park La Perle du Lac, die 1830 als Sommerresidenz für zwei Pariser Bankiers errichtet wurde und heute das Museum der Geschichte der Wissenschaften beherbergt. Sitzt man auf dem Oberdeck, kann man sich an so viel Schönheit und Idylle gar nicht statt sehen.

INFO

Beim Einchecken gibt es in allen Hotels gratis die Geneva Transport Card, mit der man kostenlos alle öffentlichen Verkehrsmittel in Genf inkl. Mouette benutzen kann.

Interessant für ein Mädels-Wochenende in Genf: Geneva Tourism hat mit dem kostenlosen Geneva Girls’ Guide einen 120-seitigen Reiseführer mit Insidertipps speziell für Frauen zusammengestellt, der sich in acht Rubriken unterteilt: Shopping, Beauty/Wellness, Aktivitäten, Restaurants, Ausgehen, Brunch, Tee & Kaffee, Leckereien sowie das perfekte Wochenende.

Weitere Informationen: www.geneva-tourism.ch

Mit dem Girls’ Guide in Genf

Genf ist zwar nicht der Klassiker unter den Shopping-Trips am Wochenende, er kann mit Mailand, London und Paris aber durchaus Schritt halten. Zumal mit dem praktischen Geneva Girls’ Guide gar nichts schiefgehen kann.

Zugegeben, in Genf ist Shopping mit Luxus verbunden. Es gibt jedoch nicht nur exklusive Designer- und Juwelierläden, sondern jede Menge trendige Boutiquen, Parfümerien und Concept Stores. Geneva Tourism hat mit dem praktischen Geneva Girls’ Guide einen 120-seitigen Reiseführer mit Insidertipps speziell für Frauen zusammengestellt, der sich in acht Rubriken unterteilt: Shopping, Beauty/Wellness, Aktivitäten, Restaurants, Ausgehen, Brunch, Tee & Kaffee, Leckereien sowie das perfekte Wochenende.

Das erste Ziel an diesem sonnigen Morgen steht zwar nicht im Girls’ Guide, ist aber für alle Parfümliebhaberinnen ein absolutes Muss: die Parfümerie Théodora in der Grand-Rue 38. Die einzigartigen Düfte, Kreationen der berühmtesten Nasen Frankreichs und Italiens, sind ein Fest für den Geruchssinn.

Theodora Genf

 

Für Inhaberin Sophie Bianchi, die aus der Mode-Branche stammt, hat sich 1995 mit der Eröffnung der Parfümerie ein Traum erfüllt, denn schon als sehr junge Frau experimentierte sie gern mit Düften. Die Duftprobe beginnt mit Parfüms von Frédéric Malle, die von der Hermès-Nase Jean-Claude Ellena kreiert wurden. Mein Favorit ist Bigarade, eine Komposition aus Bitterorange, Kardamom, Rose, Heu und Zedernholz. Nach jedem dritten Duft lässt mich Sophie an einem Schälchen mit Kaffeebohnen schnuppern, damit sich mein Geruchssinn neutralisiert.

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Weiter geht es mit Düften von Jean Patou, Ann Gérard, Indult, Perris, Isabey, der berühmten Klosterapotheke Santa Maria Novella in Florenz sowie mit gefühlten hundert weiteren Düften aus edlen Flacons. Am Ende habe ich Qual der Wahl, entscheide mich letztendlich für meinen anfänglichen Favoriten.

Von der Grand-Rue ist es nicht weit zur Rue du Perron 10, wo sich der vom Girls’ Guide empfohlene Laden Septième Étage befindet. Das Abrakadabra der Mode nennt die Journalistin und Inhaberin Katherina Sand ihren Laden. Ob Denim, Outerwear, Strickwaren, Abendrobe, Kleider und Hosen von der Stange und von Designern, es macht Spaß, sich im Laden umzuschauen und die außergewöhnliche Kollektionen von eher unbekannten Designern anzuprobieren, auch wenn man keine Kaufabsichten hat.

Schuhe Genf

„Das perfekte Paar Schuhe zu finden, kann eine mühsame Aktion sein“ findet der Girls’ Guide und empfiehlt Zazazou an der Place du Molard 3. Wer high heels und ausgefallene Ballerinas mag, ist hier genau richtig.

Genf

Als einzigartig wird der Concept Store „Le Bal des Créateurs“ beschrieben. Gegründet wurde er 2011 von Haarstylist und Make-up Artist Christophe Durand, der seit 30 Jahren Filmstars und berühmte Models stylt. Von außen in der Rue de L’Arquebuse 25 leicht zu übersehen, ist er innen um so größer: Friseur, Schönheitssalon, Massageecke und Kleiderladen in einem, dazu eine umfangreiche Bibliothek mit Modeliteratur und eine Bar, an der es frisch gepresste Säfte gibt. Weder muss mein Make-up aufgefrischt werden, noch brauche ich einen Haarschnitt, ich lasse mich aber zum Auffrischen meiner Frisur überreden. Einer der vielen Haarstylisten, die hektisch und immerzu lächelnd zwischen ihren Kundinnen umher springen, hantiert mit Zauberhand mit zig verschiedenen Bürsten, einem Fön und einem Glätteisen an meinen Haaren und ich sehe hinterher tatsächlich aus, als hätte ich eine völlig neue Frisur.

Carouge

Zum späten Mittagessen fahre ich mit der Straßenbahn nach Carouge, das nur wenige Minuten von Genf entfernt liegt und befinde mich plötzlich mitten in Italien. Das kleine, schachbrettartig angelegte Städtchen wurde im 18. Jahrhundert im Auftrag der sardischen Monarchie von einem italienischen Architekten entworfen und hat seitdem nichts von seinem südländischen Charme eingebüßt. Der Girls’ Guide empfiehlt das Restaurant Via Roma an der Place du Marché 20. In dem wunderschönen Ambiente des Restaurants fühle ich mich tatsächlich fast wie in Rom. Antipasti und Pasta sind köstlich – ganz wie in Italien.

Laden Genf

Nach dem Essen fahre ich nach Genf zurück und mache mich auf den Weg zu ein paar weiteren Läden aus dem Girls’ Guide. Flair 3 in der Rue John-Grasset 3 ist eine kleine Boutique mit Einzelstücken und Wohnzimmeratmosphäre, bei Julia’s Dressing, einem Second Hand Laden in der Rue Jean-Violette 18 hängen Designerstücke von Chanel, YSL und Valentino aus den letzten fünf Jahrzehnten, bei L’Arsenal in der Rue Prévost-Martin 31 fühlt man sich wie in einem Laden mit urban fashion in New York City, und im Concept Store Les Enfants Terribles ein paar Häuser weiter in der Rue Prévost-Martin 24 gibt es Designer Möbel, dekorative Accessoires, Geschirr, Textilien, Wein, Kaffee und allerlei Leckereien.

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Genf

Die Liste der Läden im Girls’ Guide ist lang und mir tun die Füße nach so viel Lauferei weh. Deshalb tue ich nun, was der Guide empfiehlt, fahre zum Bains des Pâquis am See und springe ins erfrischende Wasser. Den Badeanzug hatte ich glücklicherweise in der Tasche.

Cornelia Lohs

Parfümstadt Bern

Mit der Eröffnung ihres Parfümateliers Art of Scent im September 2015 hat sich Brigitte Witschi einen lange gehegten Traum erfüllt. Die ausgebildete Psychomotorik-Therapeutin und Pädagogin beschäftigte sich bereits in ihrer Arbeit mit der Aromatherapie und setzte vor allem in ihrer Arbeit mit Blinden immer wieder gezielt Düfte ein. Die Idee, ein eigenes Parfüm zu kreieren wuchs und führte Brigitte Witschi schließlich an die École de Parfumerie in Grasse, wo sie sich zur Parfümeurin weiterbildete. Als sich vor einigen Monaten die Gelegenheit für geeignete Räumlichkeiten bot, überlegte sie nicht zweimal.

Brigitte Witschi
Parfümeurin Brigitte Witsch.

Neben zahlreichen Atelierdüften, die man einzeln kaufen oder auch mischen kann, bietet die Berner Parfümeurin die Bergdüfte Blauer Enzian, Edelweiß und  Silberdistel an, drei Alpsegen-Düfte sowie das Aarewasser, das mit seinem frischen, aquatischen Duft an die Aare erinnert. Die Kreation des Aarewassers ist eine Hommage an die Stadt Bern.

Bergduft

Die ätherischen Öle, die Brigitte Witschi für ihre Duftkreationen verwendet, stammen vielfach aus biologischem Anbau, die natürlichen Substanzen kommen aus allen Teilen der Welt: Die Bergamotte aus Italien, der Lavendel aus Frankreich, der Jasmin aus China und die Rose aus Bulgarien.

Brigitte Witschi in ihrem Duftatelier.
Brigitte Witschi in ihrem Duftatelier.

„Meine Düfte entstehen hier in Bern, werden hier gemischt und hier vertrieben: Bern ist so genommen eigentlich auch eine Parfümstadt“, sagt Brigitte Witschi, die nicht nur Düfte kreiert, sondern ihr Wissen auch in Workshops weitergibt. In zwei Stunden lernen Teilnehmer unter fachkundiger Anleitung der Berner Parfümeurin, ihren eigenen Duft zu kreieren.

In Brigitte Witschis Workshops lernen Teilnehmer, ihren eigenen Duft zu kreieren.
In Brigitte Witschis Workshops kreieren Teilnehmer ihren eigenen Duft.

Auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Geschenk? Im Duftatelier gibt es nicht nur Parfums, sondern auch Duftkerzen und einzigartige Steinbehälter für Flakons bzw. Zerstäuber, die ein Künstler im Berner Oberland für Brigitte Witschi herstellt.

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Die perfekte Hülle für den Lieblingsduft.

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Tipp: Bern Tourismus bietet in Zusammenarbeit mit Art of Scent den geführten Rundgang „Bern der Nase nach“ an. Teilnehmer gehen hier im wahrsten Sinne des Wortes der Nase nach und erfahren einiges über die Gerüche der Stadt – von Sandstein über Kakaoduft bis hin zur Lakritze. Im Anschluss an die Tour verarbeiten die Teilnehmer die Gerüche im Duftatelier von Brigitte Witschi und kreieren so ihren eigenen Bern-Duft.

Duftatelier Art of ScentAdresse: Art of Scent, Rathausgasse 49, 3011 Bern.

Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 13:30-18:30 Uhr, Samstag 10-16 Uhr sowie nach telefonischer Voranmeldung (+41-31 761 22 18).

Workshop: Gruppen ab 4 Personen 95 CHF pro Person.
Weitere Informationen: Website Art of Scent

Termine zu „Bern der Nase nach“ gibt es hier.

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Geist der Verzückung – Bellevue Bar in Bern

Das erste, was ins Auge fällt, ist die silberne Art-Nouveau-Skulptur auf der Bar. Es ist die vergrößerte Version der berühmtesten Kühlerfigur der Welt, der Spirit of Ecstasy, die seit 1911 die Motorhaube des Rolls Royce ziert. Modell für den „Geist der Verzückung“ stand Eleanor Thornton, Sekretärin des britischen Barons Montagu of Beaulieu. Urs Bührer, Direktor des Bellevue Palace, erwarb die Skulptur vor ein paar Jahren in einer Galerie in Ascona. Ihr Alter ist nicht bekannt, man nimmt jedoch an, dass sie aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammt. Somit wäre sie jünger als die Bar auf der sie steht, denn diese stammt aus dem Jahr 1913, als der Bellevue Palace eröffnet wurde.

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Ihren legendären Ruhm erlangte die Bellevue Bar während des Zweiten Weltkrieges als sie Hotspot von Diplomaten, Botschafter, Militärattachés, Geheimdienstleute, Spione, Doppelagenten und Journalisten war. In Bern befand sich das Hauptquartier des US-Militärgeheimdienstes gegen Nazideutschland, und der legendäre „Meisterspion von Bern“ und spätere CIA-Direktor Allen Dulles war seit 1942 hier stationiert. Ihm und anderen einheimischen und ausländischen Agenten diente die Bar als wichtige Informationsquelle. „Im Dunstkreis von Verschwörungen, Verrat und Verführung verflochten sich die einzigartige Atmosphäre und die Geschichte der Hotelbar zwischen Wahrheit und Erfindung zum Mythos“, schreibt Martin Fröhlich in seinem Buch „Das Hotel Bellevue Palace in Bern“.

Bellevuebar

Geheimagenten gehören zwar längst nicht mehr zu den Stammgästen der Bar, die fast immer noch so aussieht wie damals, aber noch immer ist sie beliebter Treffpunkt für Politiker, Diplomaten und Journalisten. Der letzte Spion, den man dort sah, war vermutlich George Smiley alias Alec Guiness im Jahr 1981 als Szenen aus John le Carrés Spionagethriller „Smileys People“ im Bellevue Palace gedreht wurden.

Adresse Bellevue Palace, Kochergasse 3-5, 3005 Bern, Tel. +41 (0)31/3204545, www.bellevue-palace.ch. Öffnungszeiten: Mo-So 10-24 Uhr. ÖPNV Bus 12 bis Haltestelle Zytglogge.

Tipp: Kaffeetischen oder Aperitif auf der Terrasse im Bellevue Palace mit grandioser Sicht auf die Aare und das Alpenmassiv mit  Eiger, Mönch und Jungfrau (April bis Oktober 12-22 Uhr).

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Der Text stammt aus meinem Buch „111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss„.

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Dr. Strangelove – Die heilende Kraft filmischer Lebensweisheiten

Eigentlich wollte Stefan Theiler seine Videothek „Die Entdeckung der Langsamkeit“ nennen. Dann entschied er sich jedoch für Dr. Strangelove aus Stanley Kubricks satirischem Film „Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb“. Inspiration für seine Videothek war der Film „Smoke“, wo in einen kleinem Tabakladen in Brooklyn die Kunden bei einer Zigarette über das Leben philosophieren. Die Idee dazu, wie der Laden werden sollte, lieferte Erich Kästners lyrische Hausapotheke, in der es für jedes Problem ein Gedicht gibt. Stefan Theiler ist der Meinung, dass gute Filme ebenso wie Kästners Gedichtsammlung Lebensweisheiten vermitteln, die aus der Misere heraus führen können.

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In Bezug auf den Laden könnte man den Filmtitel „Dr. Strangelove“ etwas abändern in „How I Learned to Stop Worrying and Love the Film“, denn wer in die Welt der schlauchförmigen Videothek eintritt, befindet sich ganz plötzlich in einer anderen Welt und vergisst seine Sorgen im Nu. Rund 4000 Filme stehen thematisch geordnet in den über 200 DVD-Regalen. Blockbuster wie Avatar sucht man allerdings vergebens, denn das Spezialgebiet des Filmapothekers sind Filmklassiker, Kinder- und Musikfilme, Autorenkino und Dokus.

Die rot gestrichenen Wände sind übersät mit Filmplakaten, Fotografien, Zeitungsausschnitten und Notizen. Leute aller Altersklassen kommen seit der Eröffnung 2009 nicht nur um sich einen Film auszuleihen, sondern hauptsächlich weil Dr. Strangelove immer ein offenes Ohr für ihre ihre Sorgen und Nöte hat. Wie ein Psychiater stellt er nach gründlichem Zuhören eine Diagnose und verordnet zur Linderung die passenden kinematografischen Antidepressiva, Glückspillen und Aufputschmittel. Eingenommen werden diese dann später zuhause akustisch und visuell. Besonders gern verordnet er Woody Allen und Vittorio de Sica. Das Rezept ist günstig – es kostet 5 Franken pro Woche und Medizin.

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Dr. Strangelove freut sich, dass er einer der 111 Orte ist.

Der Text stammt aus meinem Buch 111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss.

Adresse Rathausgasse 38, CH-3011 Bern. Tel. +41 (0)31-3110293. Öffnungszeiten So-Fr 14-22 Uhr, Sa 11-22 Uhr. ÖV Bus Nr. 12, Haltestelle Zytglogge.

Grandhotel Giessbach – eine Welt für sich

Mit seinen Spitztürmchen, verzierten Giebeln und Lukarnen thront das alte Grandhotel wie ein Märchenschloss auf einer Felsterrasse hoch über dem Brienzersee. Nur wenige Meter vom Hotel entfernt stürzen sich die mächtigen Giessbachfälle in 14 Felsstufen in den See hinab. Sie sind das einzige Geräusch, das man nachts hört.

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Das Hotel schaut auf eine lange Geschichte zurück. Alles fing mit dem Bau eines einfachen Schutzhauses im Jahre 1822 an, aus dem sich 1840 das Gasthaus Giessbach entwickelte und 1855 der Bau eines Pensionshauses mit 60 Betten. Als die bekannte Hotelierfamilie Hauser den Besitz 1870 erwarb und den damals produktivsten und gefragtesten Hotelarchitekten des Berner Oberlandes, Horace Edouard Davinet, mit der Planung eines fünfstöckigen Palasthotels beauftragte, entstand 1875 die erste Version des Grandhotels. Ein Großfeuer zerstörte 1883 die oberen Stockwerke. Unter Leitung von Davinet wurde es innerhalb eines Jahres wieder aufgebaut und statt Turmkuppeln erhielt das Hotel nun eine Dachgestaltung im Schweizer-Stil.

Grandhotel Giessbach

Bis 1914 war das Giessbach Treffpunkt des europäischen und russischen Adels, von Finanzmagnaten und Industriellen. Die beiden Weltkriege leiteten den Niedergang ein, die internationalen Gäste blieben aus. Als der letzte Besitzer 1979 beschloss, das Hotel abzureißen, schritt der Umweltschützer Franz Weber ein. Er gründete die Stiftung „Giessbach dem Schweizervolk“, die durch eine gesamtschweizerische Sammelaktion und Zuwendungen des Kantons Bern und der Gemeinde Brienz den erforderlichen Kaufpreis für das Hotel zusammenbrachte. Durch die Gründung der „Parkhotel Giessbach AG“ und den Verkauf von Aktien kam das Geld für die aufwendige Renovierung zustande.

Lobby im Hotel Giessbach.
Eingangshalle im Hotel Giessbach.

Das Grandhotel wurde im ursprünglichen Davinet-Stil vollständig wieder hergestellt und im Juni 1984 mit einem großen Ball eröffnet. Betritt man die prachtvolle Eingangshalle fühlt man sich unwillkürlich in die Zeit der Belle-Epoque zurückversetzt.

Blick vom Bellevue-Zimmer auf den See.
Blick vom Bellevue-Zimmer auf den See.

Dasselbe gilt für die 70 Zimmer und Suiten, die zum Teil mit restaurierten Möbeln aus der Zeit der Jahrhundertwende eingerichtet sind. Ob die Zimmer zum See, zu den Wasserfällen oder zur Waldseite hin ausgerichtet sind, beim Blick vom Balkon hat man das Gefühl, auf ein Landschaftsgemälde aus längst vergangener Zeit zu blicken.

Der Belle Epoque Dampfer kurz vor der Station Giessbach.
Der Belle Epoque Dampfer kurz vor der Station Giessbach.

Bereits die Anreise lässt sich wie anno dazumal gestalten, wenn man ab Interlaken Ost den nostalgischen Belle-Epoque Salondampfer „Lötschberg“ und die historische Standseilbahn aus dem Jahr 1879 nimmt.

Standseilbahn Giessbach

Das Hotel diente mehrmals als Filmkulisse. Unter anderem wurden hier mehrere Szenen des John le Carré Klassikers „Smiley’s People“ gedreht sowie Folge 10 (Kriegsende) der amerikanischen Serie „Band of Brothers“.

Restaurant Les Cascades im Hotel Giessbach. Schlemmen mit Blick auf den Wasserfall.
Restaurant Les Cascades im Hotel Giessbach. Schlemmen mit Blick auf den Wasserfall.

Adresse Grandhotel Giessbach, CH-3855 Brienz. Tel +41 (0)33-9522525, http://www.giessbach.ch.

In der Hotelbar fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt.
In der Hotelbar fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt.
Unter dem Wasserfall kann man spazieren gehen - es spritzt allerdings ganz schön!
Unter dem Wasserfall kann man spazieren gehen – es spritzt allerdings ganz schön!

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Blick auf den Brienzersee.
Blick auf den Brienzersee.

 

La Cultina – kulinarischer Blick über die Grenzen

Im ehemaligen Selbstbedienungsrestaurant der Migros am Eigerplatz stehen Flüchtlinge aus den Krisengebieten dieser Welt am Herd und zaubern den Geschmack ihrer afrikanischen und asiatischen Heimatländer auf die Teller. Die Menüplanung obliegt zwar allein dem Küchenchef, die multikulturellen Küchenhilfen haben jedoch die Möglichkeit, ihre eigenen Rezeptideen einzubringen. Gelingt das Probekochen, werden die Gerichte in die Menüplanung und ins Rezeptbuch von La Cultina aufgenommen. Dass dies gelingt, davon zeugen die über 2.000 verschiedenen Gerichte, die hier im Jahr gekocht werden.

La Cultina
La Cultina

Ins Leben gerufen wurde das Schulrestaurant im Januar 1999 als Integrationsprojekt mit dem Ziel, jungen Asylbewerbern eine Erstausbildung im Bereich der Gastronomie zu ermöglichen, um sie in den Schweizer Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Restaurant finanziert sich zu drei Vierteln über die Erträge der Mittagsmenüs sowie Catering-Services. Die Kosten für den Ausbildungsteil übernimmt die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF). In einer sechsmonatigen Ausbildung erlernen die jungen Menschen aus Afghanistan, Äthiopien, Bangladesh, dem Irak, Tibet, Togo und vielen anderen Krisengebieten im Fachunterricht und in der Küche die Grundkenntnisse der Gastronomie. Damit in der Küche kein babylonisches Sprachengewirr herrscht, steht für die Projektteilnehmer auch Deutschunterricht auf dem Programm, den sie in der Küche gleich praktisch anwenden können. Learning by doing. Ziel des Unterrichts, der zweimal wöchentlich stattfindet, ist zudem, den Asylsuchenden die Werte zu vermitteln, die in der Schweiz gelten. Bisher war es vielen ehemaligen Teilnehmern nach Beendigung des Kurses möglich, eine reguläre Anstellung in regionalen Betrieben zu finden.

Gab es anfangs noch Berührungsängste, hat das Schulrestaurant mittlerweile eine treue Stammkundschaft.

Adresse Seftigenstrasse 1 (Eingang Migros, 1. Stock), 3007 Bern, Tel. +41(0)31/3761370, http://www.lacultina.ch | ÖV Tram 3 und Bus 10 Richtung Schliern bis Haltestelle Eigerplatz | Öffnungszeiten Mo – Fr 7.30 – 17 Uhr.

Der Text stammt aus meinem aktuellen Buch 111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss.

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