Dschungelvegetation vor den Toren von Buenos Aires

Was tun die Bewohner der argentinischen Hauptstadt, wenn es ihnen im Sommer in der City zu heiß wird? Sie flüchten ins Tigre-Delta, das nur wenige Kilometer außerhalb der Millionenmetropole liegt und, fernab vom Massentourismus, eine Welt für sich ist.

„Am Wochenende nach Tigre zu fahren, ist keine gute Idee“, rät uns der Concierge, als wir ihn nach einer Zugverbindung fragen. „Halb Buenos Aires strömt an den Sommerwochenenden dorthin, die Züge sind zum Bersten voll. Fahrt lieber unter der Woche!“

Stelzenhaus im Delta
Stelzenhaus im Delta

Tigre, das knapp 30 Kilometer nordöstlich von Buenos Aires liegt, ist das Naherholungsgebiet der Hauptstädter. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war die 100.000 Einwohner zählende Stadt ein beliebter Badeort der High Society. Davon zeugen noch heute die eleganten Villen im neo-kolonialen Stil, die entlang der von hohen Bäumen gesäumten Kopfsteinstraßen stehen. Ein Wahrzeichen ist der überdachte Markt Puerto de Frutos im Hafen, auf dem ab 10 Uhr täglich nicht nur Obst und Gemüse, sondern vor allem Kunsthandwerksartikel und Möbel verkauft werden.

Haus im Delta

Wir halten uns jedoch nicht lange in der Stadt und auf dem Markt auf, denn unser Ziel ist eine Flussfahrt ins Tigre-Delta, das Teil des riesigen Paraná-Deltas ist, einem knapp 15.000 Kilometer langen Labyrinth aus Flussarmen, Kanälen und unzähligen kleinen Inseln. Vom Bahnhof aus ist es nur ein kurzer Fußweg über die Brücke des Rio Luján zur Estacion Fluvial, der Anlegestelle der Ausflugsboote und Katamarane, die Touristen durch das Delta schippern. Warten müssen wir nicht lange, denn die Boote legen stündlich ab. Mit einer Gruppe Brasilianer, die am Vortag mit der LAN aus Sao Paulo gekommen sind und ein paar Italienern begeben wir uns an Bord und sichern uns einen Platz am Bug. Vorbei an zahlreichen Ruder- und kleinen Motorbooten steuert der Kapitän ins Delta.

Troyka

Wenige Minuten später sind wir in einer Welt aus Wasser und Dschungel-Vegetation. „Bienvenidos“ begrüßt uns der Kapitän durch einen Lautsprecher und erklärt die Route. Das Wasser des Rio Paraná, der seinen Ursprung im benachbarten Brasilien hat, ist durch seine enormen Anteile an Schlamm und Lehm braun. Rechts und links des Ufers befinden sich auf kleinen Inseln die Sommerresidenzen wohlhabender Hauptstädter, Country Clubs, Gärten, Parks und Tennisplätze.

Deutsche Architektur im Tigre-Delta
Deutsche Architektur im Tigre-Delta

Über mir höre ich Motorengeräusche. Es ist ein Doppeldecker, der seine Runden über dem Delta dreht. Ich schaue ihm hinterher – welch atemberaubende Aussicht er über das Delta haben muss! Etwas glitzert am gegenüberliegenden Ufer in der Sonne. Ein riesiger Kristall? Es ist die Replika des Sommerhäuschens von Domingo Faustino Sarmiento, wie der Kapitän nun durch den Lautsprecher verkündet. Sarmiento war von 1868 bis 1874 Präsident von Argentinien. Mitte des 19. Jahrhunderts, damals noch Journalist und Verwaltungsbeamter, war er einer der Ersten der sich, auf der Suche nach einem ruhigen Ort zum Schreiben, im Delta niederließ – und setzte damit einen Trend – 500 Porteños folgten ihm. Das Haus, das heute ein Museum und eine Bibliothek beherbergt, steht zum Schutz vor der feuchten Witterung in einem Glaskäfig, der wie ein Kristall in der Sonne glitzert. Der Rio Sarmiento, einer der vielen Flüsse im Delta, wurde nach dem Präsidenten benannt. Häuser, die nahe am Ufer stehen, sind aufgrund des jährlichen Hochwassers auf Holzpfählen erbaut. Vor jedem Haus befindet sich ein Anleger, denn ohne Boot kommen die Bewohner nicht von den Inseln weg.

Müllabfuhr im Tigre-Delta
Müllabfuhr im Tigre-Delta

Im Delta herrscht ein fast so reges Treiben wie auf der Avenida de Mayo, der belebtesten Straße in Buenos Aires. Ruder- und Paddelboote, kleine Speed-Boote und Jugendliche auf Jet-Skiern tummeln sich auf dem Wasser. Es ist Montag – die Vorräte vom Wochenende sind verbraucht. Schwimmende Tante Emma Läden sind unterwegs, um die Bewohner mit frischem Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln zu versorgen. Polizei- und Sanitätsboote überholen unseren Katamaran. Das Boot der Müllabfuhr fährt voll beladen mit Plastiksäcken Richtung Tigre. Ein Linienboot macht links vor uns an einem Anlegesteg fest. Mit Rucksäcken und Surfbrettern bepackte Jugendliche springen an Land.

Kameramann
Kameramann eines argentinischen Fernsehsenders.

Neben mir steht der Kameramann eines argentinischen Fernsehsenders, der den Trubel auf dem Fluss filmt. „Hola! Qué tal?“ (Hallo, wie geht’s?) schreit er einer Gruppe auf einem Katamaran zu, der uns überholt. „Das sind meine Kollegen, wir machen eine Dokumentation über das Delta“, erklärt er einem Brasilianer, der sich über das Boot voller Kameramänner wundert.

Alter Kahn

Wir fahren an einem verfallenen Anlegesteg vorbei, vor dem ein verrosteter Kahn im Wasser schaukelt. Dem Rost nach liegt er dort wahrscheinlich schon sehr lange. Mehrere Vierer-Ruderboote zischen an uns vorbei. „Das Delta ist der Geburtsort des argentinischen Rudersports. Den ersten Verein gab es bereits 1888“, erklärt der Kapitän durch sein Mikrofon.

Im Delta wimmelt es von Ruderbooten.
Im Delta wimmelt es von Ruderbooten.

„La Venezia d’Argentina!“ ruft ein Italiener seinen Freunden zu, die vorne am Bug stehen. Wäre nicht ringsum die üppige und exotische Vegetation, könnte man tatsächlich meinen, man befände sich in der norditalienischen Lagunenstadt, wo unter der Woche auf den Kanälen die gleiche Hektik herrscht. Von einem Steg vor einem Haus springen Kinder laut kreischend ins Wasser, nicht weit davon tummeln sich Familien an einem Sandstrand. „Man kann ohne Bedenken im Fluss schwimmen, es sind nur Schlamm und Lehm, die das Wasser braun machen, keine Fäkalien oder Giftstoffe“, erklärt der Kameramann dem Italiener, der nicht versteht, wie jemand in dem braunen Wasser baden kann.

Sandstrand

Die Fahrt auf dem Katamaran beschränkt sich auf die „Primera Sección“ des Deltas. Das wahre Delta, die „Segunda Sección“ mit Sumpfhirschen, Moskitos und Wasserschlangen, ist zwei Bootsstunden weiter entfernt. Dort leben und arbeiten Isleños (Inselbewohner) im Handwerksbereich. Rund 90 Prozent der Korbweidenproduktion für das argentinische Kunsthandwerk kommt von den Bewohnern der Segunda Sección. Es soll der spätere Präsident Sarmiento gewesen sein, der die erste Korbweide mit eigenen Händen 1855 im Tigre Delta eingepflanzt hat. Von der Segunda Sección erfahren wir allerdings erst, als wir auf den Zug zurück nach Buenos Aires warten. Jemand, der ganztägige Touren zu den Isleños organisiert, drückt mir vor dem Bahnhof einen Flyer mit den Tourangeboten in die Hand.

KATAMARAN

INFORMATIONEN

Anreise: Mit LAN ab Deutschland bis Buenos Aires.

Ab Buenos Aires gibt zwei verschiedene Zugverbindungen nach Tigre. Mit dem recht abenteuerlichen Vorortzug der TBA ab dem Hauptbahnhof Estación Retiro (gegenüber der Plaza San Martin), der alle 20 Minuten fährt, dauert die Fahrt eine Stunde bis zur Endstation Tigre.

Mit dem Tren de la Costa dauert es nur eine halbe Stunde. Dieser straßenbahnähnliche Zug fährt aber nicht vom Hauptbahnhof ab, sondern vom Shopping-Center in Alto Palermo. Die Aussicht ist zwar schöner, weil man durch die Villenvororten Olivos und San Isidro fährt, aber Endstation in Tigre ist nicht der Bahnhof, sondern der Eingang des Paraná de la Costa. Von dort aus sind es 15 Minuten Fußweg zur Estacion Fluvial.

Vegetarisch essen in der Hauptstadt der Steaks

„Buenos Aires? Na, da wirst du aber ganz schön Hunger leiden! Vegetarische Restaurants gibt es im Land der Steaks garantiert nicht!“ Sätze wie diese bekam ich schon Monate vor Abflug nach Buenos Aires von allen Seiten zu hören. Von wegen! Vegetarische und vegane Gerichte stehen in fast allen Restaurants der argentinischen Hauptstadt der Speisekarte!

Christian Thiele hat in seiner sehr amüsanten „Gebrauchsanweisung für Argentinien“ unrecht wenn er behauptet, dass wer sich in Argentinien als Vegetarier bekennt, in aller Regel verständnisloses Kopfschütteln erntet. Auch als fast Veganerin (keine Eier, nichts, was Eier enthält, keine Milch und nur ab und zu etwas Käse, aber möglichst ohne tierisches Lab) habe ich nicht ein einziges Mal ein verständnisloses Kopfschütteln geerntet. Auch nicht meine ständige Frage danach, ob die Pasta, die Salatsoße, das Gebäck usw. garantiert „sin huevos“ (ohne Eier) seien.

Restaurants in Buenos Aires, die vegetarische und vegane Gerichte anbieten

Raw food is good food
Copyright: John Hritz (piqs.de).

Quimbombo

Frisch gepresste Säfte, leckere Salate und Gemüse, Pasta, Falafel, Veggie-Sandwiches, gut gewürzte Soja-Steaks, Variationen aus der indischen Küche und natürlich argentinische Weine. Das Essen ist hauptsächlich vegetarisch, aber auf Anfrage bereitet der Koch auch rein vegane Speisen zu. Das Restaurant liegt etwas versteckt im ersten und zweiten Stock eines Yoga Centers mit herrlichem Blick über Palermo. Das Ambiente ist indisch angehaucht, mit viel Bambus, Windlichtern auf der Terrasse und vielen Kerzen in den Räumen. Das Quimbombo gilt seit seiner Eröffnung 2008 als das beste vegetarische Restaurant der Stadt, obwohl es streng genommen eigentlich gar nicht vegetarisch ist, denn es werden auch Fleischspeisen angeboten.

Das Quimbombo ist immer gut besucht, deshalb sollte vorab telefonisch oder auf der Website des Restaurant online reserviert werden. Spanischkenntnisse sind von Vorteil, denn das Personal spricht nur sehr schlecht Englisch.

Adresse: Costa Rica 4562 im Stadtteil Palermo. Täglich ab 8 Uhr morgens geöffnet.

Buenos Aires Verde

Das vegetarisch-vegane Restaurant wurde im letzten Jahr in der New York Times empfohlen. Die Einrichtung ist nüchtern in Hellgrün und Pastellorange, die Stühle sind nicht besonders bequem, aber die Speisekarte ist umfangreich. Ich habe hier die beste Kürbiscremesuppe meines Lebens gegessen. Leider muss man sehr lange auf das Essen warten. Als ich dort war vergingen zwischen Suppe und Hauptspeise 45 Minuten, obwohl zur Mittagszeit kaum Gäste da waren. Das Warten lohnt sich jedoch, denn das Essen und die frisch gepressten Säfte sind ausgezeichnet. Im hinteren Teil des Restaurants werden vegetarische und vegane Lebensmittel und Kuchen verkauft.

Adresse: Gorriti 5657 im Stadtteil Palermo. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 9-0.30 Uhr.

La Nueva Embajada

Großes Café und Restaurant mit italienischer und argentinischer Küche, das auch vegetarische Gerichte auf der Karte hat und veganes Essen auf Anfrage zubereitet. Das Restaurant ist ab 10 Uhr morgens geöffnet. Die besten und begehrtesten Tische befinden sich auf der Straße, unter den ahornblättrigen Platanen, von wo aus man das Treiben auf der Avenida de Mayo beobachten kann.

Adresse: Avenida de Mayo 625, nur fünf Minuten Fußweg von der Plaza de Mayo entfernt.

Filo

Eines der besten und beliebtesten italienischen Restaurants der Stadt, das sämtliche italienische Klassiker in reichlicher Auswahl und eine Reihe vegetarischer Gerichte auf der Karte hat. Vegan auf Wunsch. Sehr buntes Ambiente mit teilweise schrägen Kunstwerken. Das Filo ist bereits um 13 Uhr überfüllt, wenn die Anwälte und Banker der Umgebung Mittagspause machen, gegen 12 bekommt man jedoch problemlos einen Tisch. Abends empfiehlt sich eine Reservierung.

Adresse: San Martin 975 (Seitenstraße der Calle Florida). Sonntags geschlossen.

Bella Italia – Gourmetrestaurant

Kleines, aber einzigartig schönes Restaurant in einer sehr ruhigen und grünen Gegend. Italienische und argentinisch Küche, auf Wunsch bereitet der Koch auch vegane Gerichte zu. Beste Steinofenpizzas in Buenos Aires von Mittag bis Mitternacht!

Adresse: Das Bella Italia befindet sich in einer Seitenstraße der Avenida del Libertador – siehe „view map“ auf der Website des Restaurants.

TIPP: Weitere vegetarische und vegane Restaurants findet man auf Happy Cow.

Die Hüterin des mystischen Berges

Vom Cerro Uritorco in der argentinischen Provinz Córdoba gehen magische Kräfte aus, schwören die Einwohner von Capilla del Monte, dem kleinen Ort am Fuß des Berges. Der Uritorco ist nicht nur spirituelle und esoterische Pilgerstätte, sondern seit fast 40 Jahren auch beliebter Treffpunkt von Ufo-Gläubigen, Utopisten und Phantasten.

„Ich habe bisher noch kein Ufo gesehen, seltsame Lichterscheinungen jedoch schon häufiger“, sagt Sonia Beatriz Anchorena, seit 1992 Besitzerin des 1950 Meter hohen Berges. Rafael, ihr Verwalter, schwört jedoch, schon flache Scheiben über dem Berg gesehen zu haben.

Sonia Beatriz Anchorena
Sonia Beatriz Anchorena

Sonia Beatriz Anchorena, die aus einer der reichsten Familien Argentiniens stammt, hat das riesige Stück Land mit dem Berg zusammen mit ihrer Schwester Teresa gekauft. Nicht, weil dem Berg besondere Kräfte zugesprochen werden, sondern weil ihnen die Umgebung auf den ersten Blick gefiel. „Damals wussten wir nichts von irgendwelchen Zauberkräften des Berges“, sagt sie.

Cerro Uritorco
Cerro Uritorco

Als sie von Buenos Aires nach Capilla del Monte zogen, war Doña Sonias Mann sehr krank und konnte kaum noch gehen. Innerhalb weniger Monate verbesserte sich seine Gesundheit zunehmend. „Er hatte plötzlich so viel Energie, dass er auf den Berg hinauf wanderte und dort stundenlang spazieren ging“, erinnert sie sich und fügt hinzu: „sein Arzt meinte, er würde die Energie des Berges in sich aufsaugen.“ Sie lacht: „Sehen sie mich an. Ich bin schon sehr alt und war seitdem ich hier lebe nicht ein einziges Mal krank. Man muss nicht auf den Berg hinauf, um Energie zu tanken. Die Reichweite der Energiestrahlen reicht bis in unser Dorf“. Weil der Berg ihr und ihrer Familie so viel Gesundheit bescherte, hat sie ihn der Jungfrau Maria gewidmet. „Sie ist die eigentliche Besitzerin des Berges“, betont Doña Sonia.

El Cerro es Sagrado - Der Berg ist heilig.
El Cerro es Sagrado – Der Berg ist heilig.

Bereits die Comechingones, die Urbevölkerung der Gegend, verehrten den Cerro Uritorco als heilig. Der Uritorco ist der höchste Berg der Sierra Chica, und je höher ein Berg ist, desto mehr Kraft enthält er und desto stärker repräsentiert er Gott, so der Glaube der Comechingones. Der Legende nach rettete der Berg während der Kolonialzeit auf wundersame Weise einige von ihnen vor der Versklavung durch die Spanier.

Am 9. Januar 1986 wurde auf dem Uritorco eine seltsame Ruß- und Brandspur entdeckt, die einen Durchmesser von fast 100 Metern hatte. Da auf dem Berg weder ein Flugzeug abgestürzt war, noch jemand ein gigantisches Lagerfeuer veranstaltet hatte und auch sonst keine plausible Erklärung für die Brandspur gefunden wurde, kam das Gerücht auf, der Uritorco sei ein Landeplatz für Ufos. Von da an wollen immer mehr Menschen Ufos auf dem Berg gesichtet haben. Manche behaupten, die Außerirdischen würden ihre Raumschiffe auf dem Berg mit Energie auftanken. Ufo-Gläubige sind der Meinung, dass Außerirdische unter dem Berg eine Stadt errichtet haben, die sie als Basisstation für ihre Operationen auf der Erde nutzen. Erks soll sie heißen. Genährt wird dieser Glaube durch immer wieder auftretende ungewöhnliche Lichterscheinungen an den Berghängen und über dem Gipfel. „Das quarzhaltige Gestein des Berges begünstigt unter bestimmten meteorologischen Bedingungen elektrische Funkentladungen“, sagen Geologen. Eine mögliche Erklärung, von der die Ufo-Gläubigen allerdings nicht viel halten.

Der Zugang zum Cerro Uritorco.
Der Zugang zum Cerro Uritorco.

Ende 2012 geriet der Uritorco weltweit in die Schlagzeilen. Am 20. Dezember, dem Vorabend des angeblich von den Maya vorausgesagten Weltuntergangs, reisten 15.000 Esoteriker an, um die Wintersonnenwende auf dem Berg zu feiern. Nachdem jedoch eine Gruppe von 150 Apokalyptikern auf Facebook zu einem Massenselbstmord auf dem Gipfel des Berges aufgerufen hatte, wurde der Zugang zum Uritorco am Abend des 20. Dezembers bis um Mitternacht des folgenden Tages präventiv gesperrt, um eine eventuelle Katastrophe zu vermeiden.

Die Energie des Uritorco stärkt die Chagrin.
Die Energie des Uritorco stärkt die Chagrin.

„Das war ärgerlich“, sagt Isabella, die am Fuß des Berges selbst gebastelte Armbänder und Steine vom Uritorco verkauft. „Ich hatte mich damals so auf die Feierlichkeiten auf dem Berg gefreut und plötzlich wurde er wegen ein paar Spinnern gesperrt. „Ich glaube übrigens nicht an Ufos, dass vom Berg jedoch energetische Kräfte ausgehen, das weiß ich mit Sicherheit, denn seit ich hier meinen Stand habe, fühle ich mich voller Energie und war seitdem auch nie wieder krank“, betont sie. Die Steine, die sie verkauft sind lila, glitzern an manchen Stellen und fühlen sich gut in der Hand an. Ich kaufe einen Stein, der wie ein kleiner Felsbrocken aussieht. Ob wohl ein Funken Energie vom Uritorco drin steckt?

Esoteriker verkaufen am Fuß des Uritorco Steine, Schmuck und allerlei Buntes.
Esoteriker verkaufen am Fuß des Uritorco Steine, Schmuck und allerlei Buntes.

INFO

Anreise: Ab Buenos Aires mit dem Flugzeug nach Córdoba (Dauer: 1 Stunde 15 Minuten). Mit dem Mietwagen nach Capilla del Monte (Dauer: ca. 2 Stunden 30 Minuten).

Eintritt zum Cerro Uritorco umgerechnet etwa 2 Euro.

Besucher müssen spätestens um 17 Uhr wieder unten sein. Ein Aufstieg nach 13 Uhr lohnt sich deshalb nicht.

Über den fast ausgetrockneten Bach gelangt man über eine wackelige Hängebrücke zum Uritorco.
Über den fast ausgetrockneten Bach gelangt man über eine wackelige Hängebrücke zum Uritorco.

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Im Reich von König Vinko

Auf dem Weingut Finca Adalgisa in Chacras de Coria in der argentinischen Provinz Mendoza diktiert Vinko, ein Berner Sennenhund, die Regeln. 

„Autsch“, entfährt es mir, als ich plötzlich gefühlte 50 Kilo Gewicht auf meinen Füßen spüre. Es ist Vinko, der Boss der Finca. Wir sind gerade angekommen und er muss die Neuankömmlinge erst beschnuppern, ehe er sie zur Rezeption vor lässt. Er drückt seine breite Nase in meine Hand, schaut mich an und nickt mit dem Kopf. Das heißt soviel wie „okay, du bist in Ordnung“.

Vinko
Vinko

„Vinko kam eines Tages auf die Finca und blieb einfach“, erzählt Gabriela, die Besitzerin. Der Berner Sennenhund wohnte in Chacras de Soria in einem Haus mit großem Garten, Swimmingpool und einem Besitzer, der ihm täglich die edelsten Leckereien vorsetzte. „Cuisine française!“ sagt Gabriela lachend und fügt hinzu: „Ich wette, dass Vinko sich eines Tages fragte, ’ist das alles, was ich vom Leben erwarten kann?’ Er beschloss, es herauszufinden, sprang über die Mauer seines Zuhauses, schaute sich in der Nachbarschaft um, fand schließlich unsere Finca und meine beiden Schäferhündinnen“.

Schaeferhund

Vinko überlegte nicht lange und sprang über die Mauer der Finca Adalgisa. Wie er es über die hohe Mauer geschafft hat, ist Gabriela  bis heute ein Rätsel. Er freundete sich mit den beiden Schäferhunddamen an und kam von nun an jeden Tag zu Besuch. Nach einiger Zeit fand sein Besitzer heraus, wo Vinko seine Tage verbrachte. Als er geschäftlich für ein paar Tage nach Buenos Aires reisen musste, ließ er Vinko bei Gabriela. Der Berner entschied: „Ich werde dieses Paradies nie wieder verlassen!“ und blieb. Sein Besitzer war nicht gerade begeistert, aber das Glück des Hundes war ihm wichtiger. „Vinko ist einer der wenigen Hunde, die sich frei entschieden haben wo und mit wem sie leben wollen“, sagt Gabriela.

Schaeferhund

Die Familie von Gabriela Furlotti, die im 19. Jahrhundert aus Italien eingewandert ist, lebt seit drei Generationen auf dem 2 Hektar großen Weingut. Im Jahr 2002 wandelte sie einen Teil der Finca in ein Hotel mit 11 Zimmern um. Die Finca, die aus mehreren Gebäuden besteht, liegt idyllisch hinter Mauern in einem Park voll blühender Gewächse, Obstbäume und Weinreben.

Weinreben auf der Finch Adalgisa.
Weinreben auf der Finca Adalgisa.

Park der Finca Adalgisa.Die Zimmer und Bäder sind geräumig und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Die Bibliothek der Familie und das Wohnzimmer dürfen von den Gästen benutzt werden. Die Wände hängen voller Familienfotos aus mehreren Jahrzehnten. In den Regalen stehen Bücher in mehreren Sprachen, denn viele Gäste lassen ihre Urlaubslektüre zurück.

Bibliothek Es ist gemütlich in der Bibliothek. Das finden auch die beiden Schäferhunddamen, die sich unter dem antiken Schreibtisch zusammengerollt haben und schlafen. Vinko steht unschlüssig an der Tür. „Besser, ich störe die beiden nicht“ scheint er zu denken, trottet davon und sucht sich in der Nähe des Pools ein schattiges Plätzchen.

Pool

Die Bibliothek und die angrenzende Halle vor den Gästezimmern ist das Reich der beiden Schäferhunddamen, wie ich während unseres dreitägigen Aufenthaltes feststelle. Vinko herrscht über Park und Garten, wo er Gäste bei der Ankunft begrüsst und sie bei ihrem Rundgang begleitet. Sobald er aber Gabriela sieht, springt er auf sie zu und lässt sie nicht mehr aus den Augen.  Als wir uns von Gabriela verabschieden kommt Vinko auf mich zu und drückt mir seine große Pfote in die Hand. „Er ist eben ein wohlerzogener Gentleman“, sagt sie.

Hof vor der Rezeption der Finca Adalgisa.
Hof vor der Rezeption der Finca Adalgisa.
Wine Lounge der Finca Adalgisa. Ab 18 Uhr gibt es hier Tapas und Malbec aus dem hauseigenen Weinberg.
Wine Lounge der Finca Adalgisa. Ab 18 Uhr gibt es hier Tapas und Malbec aus dem hauseigenen Weinberg.

Finca Adalgisa

INFO

Anreise: Flug Buenos Aires – Mendoza, Flugzeit 1 Stunde 15 Minuten.

Adresse Finca Adalgisa Boutique Hotel: Pueyrredón, Chacras de Coria, Provinz Mendoza. Der Ort liegt 30 Autominuten von der Provinzhauptstadt Mendoza entfernt.

Website der Finca: https://fincaadalgisa.com.ar

Mehrmals wöchentlich finden in der Finca Adalgisa Kochkurse statt.
Mehrmals wöchentlich finden in der Finca Adalgisa Kochkurse statt.
Fahrräder stehen für Gäste kostenlos bereit.
Fahrräder stehen für Gäste kostenlos bereit.

Stadt des Tangos und der Nationalhelden

Kein Stadtteil gleicht dem anderen. Einzelne Straßenzüge und Viertel der Stadt am Rio de la Plata erinnern an Paris und Rom. Die Herkunft der Porteños, wie sich die Hauptstädter nennen, spiegelt sich nicht nur im kulturellen Leben der Stadt, sondern vor allem in der Architektur und den Prachtboulevards. Lediglich der Tango ist durch und durch argentinisch.

Tango Argentino

„Meint der etwa mich? fragt die junge Italienerin am Nachbartisch als sie bemerkt, dass ihr ein älterer Herr zunickt. „Jetzt bloß einen Augenaufschlag vermeiden und so schnell wie möglich in die andere Richtung gucken“, rät ihr die Freundin. Sie kennt die Regeln der Milonga, der traditionellen Tango-Tanzveranstaltung. Der Mann lässt seinen Blick über potentielle Tanzpartnerinnen schweifen und nickt der Auserwählten zu. Reagiert diese mit einem Augenaufschlag oder einem Nicken, treffen sich beide auf der Tanzfläche.

Im holzgetäfelten, mit Marmorsäulen und Spiegeln gespickten Tanzsaal der Confiteria Ideal finden täglich ab 15 Uhr Milongas statt. Im Schummerlicht bewegen sich meist ältere Paare zu den melancholischen Klängen übers Parkett. Die meisten sind Stammgäste und kommen schon seit vielen Jahren mehrmals die Woche, erzählt der knapp siebzigjährige Kellner im schwarzen Frack. Das berühmte Kaffeehaus aus der Belle Époque ist immer wieder Drehort für Filme. Mehrere Tanzszenen aus Carlos Sauras Film „Tango“ wurden hier gedreht. Dieser Film zeigt, was Tango ist: getanzte Melancholie, die Trauer um eine verflossene Liebe, aus der nichts geworden ist, weil das Leben andere Pläne hatte. Der Tango ist ein unverzichtbarer Teil der Lebenskultur der Metropole am Rio de la Plata und begleitet einen in vielen Vierteln auf Schritt und Tritt. 

Bandoneon-Spieler„Willkommen im Geburtsort des Tangos!“ ruft der Bandoneon-Spieler im Hafenviertel „La Boca“ und stimmt den berühmten Gardel-Tango „Por una cabeza“ an. Der Stadtteil, der Ende des 19. Jahrhunderts als Viertel italienischer Einwanderer entstand, gilt als Geburtsstätte des Tangos.„Allerdings zeitgleich mit Montevideo!“, erklärt uns ein Freund aus dem benachbarten Uruguay.

Tango in La BocaBekannt ist La Boca für seine kunterbunten Häuser, die aus dem Blech abgewrackter Schiffe gebaut und mit Schiffslack bunt bemalt wurden. Wahrzeichen des Viertels ist El Caminito, die 100 Meter lange Fußgängerzone mit zahlreichen Restaurants, gemütlichen Kneipen und Cafés. Hier bieten Künstler ihre Werke an und Tangotänzer ziehen auf Kleinbühnen vor den Restaurants für Touristen ihre Show ab. Begleitet werden sie dabei von Tangosängern und –musikern. El Caminito wurde 1926 in dem Tango „Caminito“ verewigt. Tangobegeistert wie wir sind, zieht es uns in den folgenden Tagen immer wieder nach La Boca.

Tango-Sänger

Von Balkonen und Fenstern des bunten Hafenviertels winken uns Figuren aus Pappmaché zu. Es sind die Nationalhelden Argentiniens Maradona, Evita und der Tangokönig Carlos Gardel, der 1935 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam. Es gibt in Buenos Aires kaum ein Café, das nicht mit seinen Bildern gepflastert ist. Gardel hatte die beste Zeit als Sänger allerdings erst nach seinem Tod. „Wird er nicht von Tag zu Tag besser?“ fragt ein älterer Straßenverkäufer, aus dessen CD-Player Gardels Liebeserklärung an die Stadt, „Mi Buenos Aires Querido“, in voller Lautstärke tönt.

Tangomusiker

„Was heißt hier drei Nationalhelden? Wir haben vier!“ erklärt ein Fotokünstler in La Boca und zeigt auf Che Guavara Fotos, die er gerahmt verkauft. Es stimmt, es gibt in Buenos Aires weitaus mehr Postkarten, Poster, T-Shirts, Streichholzschachteln, Badehosen, Gläser, Tassen, und Graffiti mit dem berühmten Konterfei des Revolutionärs als von Gardel, Evita und Maradona zusammen. Die Fußball-Ikone selbst hat sich das Gesicht seines berühmten Landsmanns auf die rechte Schulter tätowieren lassen.

Tango 6

Auch im benachbarten San Telmo, einem der ältesten Viertel der Stadt und bekannt für seine Kolonialstilhäuser und Antiquitätenläden, gibt Tango den Ton an. Mehrmals täglich finden auf der Plaza Dorrego Tangovorführungen statt. „Hier im Viertel findet man die schönsten Kneipen der Stadt!“ sagt der Taxifahrer, als er an der Plaza anhält. „Viele Argentinier und nur wenige Touristen“, lacht er. Die meisten Taxifahrer in Buenos Aires sind sehr gesprächig, in Geschichte und Politik bewandert und erklären uns nicht nur die Sehenswürdigkeiten der Stadt, sondern auch deren geschichtlichen Hintergrund. Wer Spanisch spricht, kann sich so eine Stadtrundfahrt sparen – zumal Taxifahren in Buenos Aires relativ billig ist.

Tortoni-Kellner

Das eigentliche Wohnzimmer der Hauptstädter ist das Café. Hier wird diskutiert, gestritten, über Politik, Wirtschaft und die Verwandtschaft gemeckert, hier werden Pläne geschmiedet und Verträge unterschrieben. Rund 8000 Cafés soll es in Buenos Aires geben – viele erinnern an die alten Kaffeehäuser in Wien und Prag. Wie das Tortoni, das 1858 eröffnet wurde und seine Innenausstattung seit dem frühen 20. Jahrhundert nicht verändert hat.

Tortoni Fassade

Hier gingen Künstler, Intellektuelle und Politiker ein und aus. Bevor er erblindete verfasste der in Buenos Aires geborene Schriftsteller Jorge Luis Borges an einem Tisch in der Ecke des Cafés seine Kurzgeschichten. Dort sitzt er noch immer in Pappmaché verewigt zusammen mit Carlos Gardel. Im wahren Leben sind sich die beiden jedoch nie begegnet.

Borges im Tortoni

Es ist gar nicht so einfach, im Tortoni einen Tisch zu ergattern, denn die Schlangen vor dem Eingang sind fast zu jeder Tageszeit endlos lang. Nach dem dritten Anlauf, um neun Uhr morgens, klappt es endlich. Nur die Hälfte aller Tische ist besetzt. Am Nachbartisch diskutiert eine Gruppe Studenten über Politik. Sie schreien, um sich Gehör zu verschaffen, denn die Tangomusik ist sehr laut. Ab 10 gibt es keinen freien Tisch mehr, vor der Tür bildet sich die erste Schlange des Tages und drinnen übertönen hitzige Diskussionen und Gelächter die Musik.

Cafe Tortoni

Das Tortoni liegt in der mit Platanen und Palästen im Art Nouveau Stil gesäumten Avenida de Mayo im Microcentro, dem „Zentrum des Zentrums“. Beherrscht wird das Microcentro von der Plaza de Mayo, dem symbolischen Herzen der Hauptstadt, wo sich der Präsidentenpalast Casa Rosada und rings um den Platz die Nationalbank, die Kathedrale und weitere Regierungsgebäude befinden. Hier wurde Buenos Aires 1580 gegründet. Der Obelisk „Pirámide de Mayo“ in der Mitte des Platzes wurde in Erinnerung an die Mai-Revolution errichtet. Bis heute ist die Plaza de Mayo der wichtigste Schauplatz für politische Kundgebungen und Demonstrationen.

Madres de Plaza de Mayo

International bekannt wurde der Platz durch die Madres de Plaza de Mayo (Mütter der Plaza de Mayo), die seit 1977 jeden Donnerstag um 15 Uhr eine halbe Stunde lang den Platz umrunden. Sie klagen die damalige Militärdiktatur an, die ihnen Töchter und Söhne geraubt hat. Bis heute haben sie keine Auskunft darüber erhalten, was mit den Verschwundenen passiert ist. In den sieben Jahren der Militärdiktatur (1976-1983) wurden 30.000 Menschen gefoltert und ermordet. Viele wurden in Massengräbern verscharrt oder aus Flugzeugen in den Rio de la Plata geworfen. Carlos Saura stellt in seinem Film „Tango“ in der Tanzszene „Mandagaran“ Folter und Verhör während der argentinischen Militärdiktatur dar.

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Um 15 Uhr haben sich auf dem Platz Demonstranten aller politischen Couleur versammelt, um gegen Beschlüsse der Regierung zu protestieren. Als die Madres in ihren weißen Kopftüchern den Platz betreten, bricht heftiger Jubel aus. Während der ersten Demonstrationen vor über 35 Jahren trugen die Mütter Babywindeln als Kopftücher, auf denen der Name des von der Militärjunta verschleppten Kindes stand. Heute steht Madres de Plaza de Mayo auf den Tüchern.

Plaza de Mayo Demonstration

„Sie sind unsere eigentlichen Nationalhelden“, sagt einer der Demonstranten zu uns. Die Madres setzen sich in Bewegung und umrunden schweigend den Platz. Wie oft habe ich die Madres in Fernsehdokumentationen den Platz umrunden sehen. Und nun bin ich unter ihnen, marschiere schweigend mit ihnen und den anderen Demonstranten um die Plaza de Mayo. Es gibt keinen Tango, der den Schmerz über den Verlust eines Kindes ausdrücken könnte. Der spanische Komponist und Texter Carlos Cano hat es in seinem „Tango de las Madres Locas“ (Tango der verrückten Mütter) dennoch versucht.

Plaza de Mayo

INFOS

Allgemeine Informationen zu Argentinien: VisitArgentina.

Beste Reisezeit: Dezember bis März, wenn auf der Südhalbkugel Sommer ist.

Hotel: Malabia House (Design-Hotel), ehemaliges Konvent im grünen Stadtteil Palermo.

Anreise: Direktflug mit Lufthansa Frankfurt-Buenos Aires im Dezember ab 1100 Euro.