Die Liebe zum Sport in Mexiko

Wer in Mexiko Urlaub macht stellt schnell fest, dass Sport einen sehr hohen kulturellen Stellenwert einnimmt. Vor allem trifft dies auf den Fußball zu, der in Mexiko Volkssport Nummer 1 ist. Abgesehen davon sind auch Wrestling und Boxen sehr populär. Warum es vor allem der Fußball ist, verrät der folgende Text.

 Fußball hat es in Mexiko zur populärsten Sportart geschafft

Fußball ist nicht nur in Deutschland die Sportart Nummer 1, sondern auch in Mexiko. Ähnlich wie hierzulande mögen die Mexikaner die Atmosphäre im Stadion, und viele junge Mexikaner träumen von einer eigenen Karriere in diesem Sport. „Eine besondere Tradition beim Fußball ist das Wetten unter Freunden oder das Einlösen eines Wettgutscheins“, so ein Experte von wett-gutschein.com. Das verschafft Fans dieses Sports noch einmal einen separaten Nervenkitzel, wenn sie ihrer Mannschaft in der Primera Division, der mexikanischen Fußballliga, die Daumen drücken. Doch warum hat es der Fußball überhaupt zu so viel Beliebtheit in Mexiko geschafft? Folgende Gründe erklären es:

  • Ähnlich wie in Deutschland wird auch in Mexiko sehr viel Geld in den Fußball investiert
  • Als Fußballer verdient man in Mexiko demzufolge auch sehr viel Geld
  • Die Berichterstattung über Fußballspiele ist in Mexiko ähnlich umfangreich wie in Deutschland

In der Saison 2018 gab es 18 verschiedene Mannschaften

Die Berichterstattung in Sachen Fußball wird in Mexiko vor allem vom TV Azteca übernommen. Hier wird regelmäßig über die Spiele in der Primera Division berichtet, in der in der letzten Saison insgesamt 18 verschiedene Mannschaften um den Titel kämpften. Anbei eine kleine Übersicht der erfolgreichsten mexikanischen Clubs:

  1. Club America
  2. Santos Laguna
  3. UANL Tigres

Anhand der stetig wechselnden Meister innerhalb der einzelnen Saisons kann man erkennen, dass die Titel in der Liga MX, wie die mexikanische Primera Division ebenfalls genannt wird, stets sehr umkämpft sind. Das sorgt nicht nur für jede Menge Unterhaltung, sondern auch für viel Spannung unter den Fans.

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Mexikanische Profi-Fußballer verdienen ihr Geld heutzutage nicht selten auch im Ausland. Bildquelle: damonify / pixabay.com

Viele mexikanische Fußballer verdienen ihr Geld im Ausland

Abgesehen davon, dass viele mexikanische Nachwuchsspieler auch später in einem ihrer heimischen Clubs unter Vertrag genommen werden, wählen einige besonders große Talente auch den Gang auf die große Bühne. Sie machen dann Karriere im Ausland, so wie das beispielsweise Hugo Sanchez auf beeindruckende Art und Weise vorgemacht hat:

  • Hugo Sanches ist der erfolgreichste mexikanische Fußballspieler, den es jemals gegeben hat
  • Er spielte unter anderem für Real Madrid in der Spanischen Liga

Neben Hugo Sanchez haben es auch Supertalente wie Javier Hernandez und Andres Guardado ins Ausland geschafft. Eine besondere Ehre für alle mexikanischen Fußballer ist natürlich die Einberufung in die mexikanische Nationalmannschaft, bei der ab sofort laut sport1.de Gerardo Martino das Ruder übernimmt. Diese Ehre wird jedoch nur den besten Spielern des Landes zuteil. In den letzten Jahren war die mexikanische Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften allerdings auch nicht so erfolgreich, wie es sich die Vertreter des Verbandes gewünscht hätten. Immerhin wird im Jahr 2026 unter anderem auch in Mexiko die übernächste WM ausgetragen.

Bildquelle Titelfoto: derJani / pixabay.com

In Mexiko

„In Mexiko – Reise in ein magisches Land“ beschreibt den achtmonatigen Aufenthalt des Autors und Übersetzers Jürgen Neubauer und seiner Frau in dem kleinen Städtchen Malinalco im Hochland Zentralmexikos. Auf humorvolle Weise lässt der Autor den Leser an seinem alles andere als langweiligen Alltag teilhaben und liefert so ein Porträt von Land und Leuten, bei dem auch die Geschichte des Landes nicht zu kurz kommt.

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Malinalco liegt von Bergen umgeben eingebettet in einem Tal. Copyright: Jürgen Neubauer

Nach viereinhalb Jahren Mexiko-Stadt haben sie die Nase voll, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem Atemwegserkrankungen zum Dauerzustand geworden sind, verlassen Neubauer und seine mexikanische Frau Lulú die von Luftverschmutzung geplagte Hauptstadt in südwestliche Richtung und lassen sich im zwei Autostunden entfernten Malinalco nieder. In dem Städtchen, über dem eine alte Kultstätte der Azteken mit einem aus dem Fels gehauenen Tempel thront, finden die beiden ein unbekanntes und zugleich faszinierendes Mexiko. Smog und Autogehupe wie in der Millionenmetropole gibt es hier nicht. Den Soundtrack bestimmen am frühen Morgen die Kampfhähne des Nachbarn, und während des Tages wird die Idylle höchstens von muhenden Kühen, wiehernden Pferden und knatternden Motoren unterbrochen.

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Malinalco. Copyright: Jürgen Neubauer

Innerhalb ihrer vier Wände treffen Jürgen und Lulú auf Skorpione, außerhalb auf Heiler, Schamanen, Künstler, Kleinkriminelle, Wahlbetrüger, Drogenhändler, geizige Großgrundbesitzer und wohlhabende Hauptstädter, die in Malinalco ihr Wochenenddomizil haben. Während Jürgen seiner freiberuflichen Tätigkeit als Literaturübersetzer nachgeht, versucht Lulú, als Anwältin Fuß zu fassen, aber bis auf ein paar „beinahe-Fälle“, gelingt es ihr nicht, Klienten an Land zu ziehen. Die einen haben kein Geld oder sind mit einem Rat für 50 Pesos (ca. 2 €) zufrieden, andere trauen sich letztendlich doch nicht, einen Großgrundbesitzer zu verklagen. Nach 260 Tagen Auszeit von Mexiko-Stadt verlassen sie Malinalco – allerdings nicht Richtung Hauptstadt.

Juergen Neubauer

In Mexiko. Verlag: TWENTYSIX, 336 Seiten, ISBN-13: 978-3740735227

Weiterer Lesetipp:

Mexiko – Ein Länderporträt (Jürgen Neubauer). Das Buch wurde mit dem ITB-Book Award 2014 ausgezeichnet. Unterhaltsam und informativ ist auch Jürgens Blog Aus Mexiko.

Oaxaca in Bildern

Oaxaca, das Land der Zapoteken und Mixteken, ist nach seiner Hauptstadt Oaxaca de Juárez benannt. In der kunterbunten Altstadt, seit 1987 UNESCO-Weltkulturerbe, treffen koloniale Vergangenheit, indianische Lebenswelten und Moderne aufeinander.

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Mit einem Stammdurchmesser von  14.05 Metern ist der 2000 Jahre alte und 42 Meter hohe Arbol del Tule in Santa María del Tule der dickste Baum der Welt.

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Mitla (Ort der Toten) ist berühmt für seine präkolumbischen Bauten. Die Palastanlage (ca. 200 n. Chr.) zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Monte Albán (der weiße Berg), UNESCO Weltkulturerbe), war die Hauptstadt der Zapoteken. Seine Blütezeit lag zwischen 300 und 900 n. Chr. Um 950 wurde der Ort aufgegeben und diente bis ca. 1250 als Begräbnisstätte. Danach lebten die Mixteken auf dem Berg, bis 1521 spanische Eroberer Oaxaca einnahmen.

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TIPP: Geführte Tour in und um Oaxaca: Gabriel Sánchez García.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teppichweber in Teotitlán

Es sind Wolkenformationen am Himmel, die Farben des Sonnenuntergangs, der Regen, die Berge, die Landschaft oder Tiere die Nelson Pérez Ideen für die Muster und Farben seiner Teppichkreationen liefern. Der Designer und Weber leitet die Weberei „Tapetes Nelson Pérez“ in Teotitlán del Valle, die seit über 120 Jahren im Familienbesitz ist. Der überwiegende Teil der Bevölkerung des kleinen Ortes 30 Kilometer südlich von Oaxaca lebt seit Jahrhunderten von der Teppichweberei – seit der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert, die Schafe und mechanische Webstühle ins Land brachten.

Nelson Pérez zeigt, wie die Wolle gekämmt wird.

Nelson nutzt zu 60 Prozent Merino-Wolle aus Australien, die weicher ist als die Wolle vom mexikanischen Schaf. Die Wolle wird zunächst mit Amole, einer schäumenden Wurzel, gewaschen und bleibt dann einen Tag im amolehaltigen Wasser. Danach wird sie getrocknet, mit einer Karde gekämmt und mit Hilfe eines Spinnrads zu Garn gesponnen.

700 Meter Wolle werden in Nelsons Weberei am Tag gesponnen. Anschließend erfolgt das Einfärben. Dazu verwendet Nelson Farben aus Pflanzen und Blüten, u.a. Ringelblume, Kamille, Steinmoos, Indigo, Pekanblätter und die Kaktuslaus Cochinilla, aus der sich 40 Rottöne gewinnen lassen. Der Färbeprozess dauert drei Stunden. Sobald das Garn getrocknet und auf Bambusröhrchen gewickelt wurde, ist es für den Webstuhl bereit.

 

Bis ein Teppich mit 5 m Länge fertig ist, dauert es drei Monate. Nur ein Weber arbeitet jeweils an einem Teppich – hier ein Cousin von Nelson.

In Nelsons Galerie ist ein Teppich schöner als der andere

Als wir uns die Teppiche in der Galerie anschauen, ist mir klar, dass ich einen mit nach Hause nehmen möchte. Der, der mir gefällt, ist vier Meter lang drei Meter breit – nie und nimmer würde der als Handgepäck durchgehen. Also entscheide ich mich für einen zwei Meter langen, der zusammengefaltet gut in eine Tasche passt.

Nelson beim Zusammenrollen des blauen Teppichs, den wir uns gekauft haben
Showroom bei Tapetes Pérez

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Central del Norte

Schon vor Sonnenaufgang herrscht reges Treiben auf Mexikos größtem Busterminal, dem Central de Autobuses del Norte. Vor den Fahrkartenschaltern stehen Frühaufsteher schweigend in Schlangen, die von Minute zu Minute länger werden. Einige gähnen, andere scheinen im Stehen zu schlafen. Unterbrochen wird das Schweigen von ein paar kreischenden Kindern, die sich um ein Spielzeugauto zanken.

Central del Norte

Ob es uns gelingt, bei ETN einen frühen Bus nach Guanajuato zu erwischen? Vergeblich hatte ich am Tag zuvor im Hotel versucht, die Tickets auf den Webseiten diverser Busunternehmen zu buchen. Es scheiterte jedes Mal an der Kreditkarte. „Für den Online-Kauf werden aus Sicherheitsgründen ausschließlich mexikanische Kreditkarten akzeptiert“, erfuhr ich später vom Concierge. Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich an der Reihe sind, gibt es nur noch Tickets für die Verbindungen ab dem Nachmittag. Wir versuchen es am Schalter von Primera Plus, haben nach kurzer Wartezeit Glück und bekommen Tickets für den Bus um 9.30 Uhr. Jetzt ist es kurz vor 7.

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In einem der Wartebereiche setzen wir uns an den letzten freien Tisch. Die Stühle sind kalt und unbequem. Vier gelbe Metallstühle, die an einem orangefarbenen Tisch befestigt sind und die man deshalb nicht nach hinten ziehen kann. Keine Bewegungsfreiheit für die Beine. Der Sitz der Stühle besteht aus zehn Metallstäben, zwischen denen gut 3 cm Abstand ist, was es so richtig ungemütlich macht, darauf zu verweilen. An den übrigen Tischen sitzen mexikanische Familien, die über die Weihnachtsfeiertage bei Verwandten in der Hauptstadt waren und nun in ihre Provinzen zurückfahren. Oder Hauptstädter, die Verwandte in anderen Teilen des Landes besuchen. Oder ans Meer fahren. Rund um die Tische stapeln sich monströse Gepäcklawinen aus altersschwachen Koffern, die von Schnüren zusammengehalten werden, Pappkartons in allen Größen, vollgestopfte Plastiktüten und weiße Plastikeimer mit Deckel, die weiß Gott was enthalten. Großfamilien besetzen gleich mehrere Tische. Rings herum wird laut diskutiert, gefrühstückt, Karten gespielt, gelacht, gelesen, gestritten, Männer bohren gelangweilt in der Nase, Teenager ziehen Gesichter und Kinder hüpfen laut krakeelend über die Gepäckstücke.

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Direkt vor mir habe ich einen Blick auf den Kiosk der „Loteria Nacional“, der so früh am Morgen schon gut besucht ist. „Le da la suerte“ (er bringt dir das Glück) ist das Logo des Lotteriehäuschens, an dessen Tür ein Riesenposter von Jesus prangt. Daneben reihen sich gleich drei Geldautomaten aneinander. Cash für den Lottoschein?

Aufgrund ihrer hohen Lage von 2310 Metern ist es morgens fast eisig in Mexiko-Stadt. Die Menschen sitzen eingehüllt in dicken Mänteln, Schals und Wollmützen an den Tischen. Nach 20 Minuten halte ich es auf dem unbeweglichen und unbequemen Stuhl nicht mehr aus und stehe auf, um die gigantische Halle zu erkunden, die ganze 100508 m2 misst und über acht Gates mit insgesamt 117 Bussteigen verfügt. Das im Dezember 1973 eingeweihte Terminal Central de Autobuses del Norte ist eines der vier Busterminals in Mexiko-Stadt und das einzige, von dem aus Busse in fast alle Städte und Regionen des Landes fahren – auch in zahlreiche Städte der USA, darunter Austin, Dallas, Houston San Antonio, Chicago und Atlanta.

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Menschenschlangen stehen vor den Schaltern der 35 großen Busunternehmen. Am längsten sind Schlangen vor den Verkaufsstellen der Fahrkarten nach Acapulco. Nur weg aus der winterlichen Kälte der Hauptstadt, wo die Durchschnittstemperatur im Dezember und Januar bei 23 Grad liegt. Für unsereins warm, für die Einheimischen kalt. An den Gates reihen sich die Busse nebeneinander. Fahrer stehen an die Fahrzeuge gelehnt und rauchen. Sobald ein Bus wegfährt, rollt auch schon der nächste heran. Ein Kommen und Gehen von über 2000 Bussen rund um die Uhr. Zwischen der Schalterhalle und den Gates liegt der Bereich mit Läden, Zeitungskiosken, Taco-Ständen, kleinen Supermärkten, Restaurants, Apothekenkiosk und Schuhputzer. An den Wänden sind blinkende Internetzellen angebracht. Alle Plätze davor sind Plätze belegt.

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Pausenlos öffnen sich die hohen Glastüren, bringen neue Passagiere und die kalte Morgenluft herein. Ich gehe zum Tisch und meinem unbequemen Stuhl zurück. Bald ist es Zeit, zum Gate zu gehen. Wie am Flughafen müssen wir durch eine Sicherheitskontrolle. Pats Koffer ist zu groß und passt nicht durch die Öffnung des Röntgengerätes. Macht nichts, er wird samt Koffer durch gewunken. Es muss zack, zack gehen, damit der Bus pünktlich abfahren kann. Nach der Sicherheitskontrolle werden wir am Bussteig abgetastet und das Handgepäck wird nochmals kontrolliert. Erst dann dürfen wir einsteigen.

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Mexiko-Stadt – Über 2000 Jahre Geschichte an einem Tag

Schon am Morgen herrscht geschäftiges Treiben auf der Plaza de la Constitución, dem zweitgrößten Platz der Welt, den die Einheimischen Zócalo nennen. Straßenhändler breiten ihre kunterbunten Waren vor sich auf dem Boden aus, Tortillabäckerinnen brutzeln an kleinen Ständen leckere Maisfladen, Studenten bereiten eine Kundgebung vor, die wenig später stattfinden soll, und zwei Straßenmusiker trällern fröhlich „Ay yai yai yai, canta y no llores.“ Ich kenne das Lied und singe in Gedanken mit. ZocaloAuf dem Platz sollte 1840 eigentlich ein Denkmal zum Gedenken an die Unabhängigkeit gegen Spanien errichtet werden. Weiter als bis zum Sockel schritten die Arbeiten jedoch nicht voran und so kam der Platz zu seinem Spitznamen. Um den Zócalo reihen sich Regierungsgebäude, darunter der Nationalpalast, seit Jahrhunderten Sitz der Regierung, der Stadtpalast und die Kathedrale. Im 15. Jahrhundert, als Mexiko-Stadt noch Tenochtitlán hieß und Hauptstadt der Azteken war, stand hier der monumentale Aztekenpalast „Templo Mayor“. Templo MayorIch wandere zur Nordostecke des Zócalo zu den Ruinen des Tempels, den die Spanier nach der Eroberung 1521 dem Erdboden gleichmachten. Vor mir breitet sich eine gigantische Ausgrabungsstätte aus mit labyrinthartigen Wegen zwischen freigelegten Treppen, Mauern und Überbauungen. Einen Spaziergang durch das Labyrinth verschiebe ich auf einen anderen Tag, denn heute will ich unbedingt zum Frida-Kahlo-Haus im Künstlerviertel Coyoacán. Taxi Mexiko StadtIch winke mir auf der Straße ein Taxi heran. Taxifahren ist in Mexiko spottbillig. Für die Fahrt, die 15 Minuten dauert, zahle ich umgerechnet gerade mal 1,50 Euro. Das blaue Haus inmitten einer grünen Gartenoase, in dem Frida und Diego Rivera lebten, war zu ihren Lebzeiten beliebter Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen.Kahlo Haus 4 Seit ihrem Tod 1954 hat sich in den Räumen kaum etwas verändert. An den Wänden hängen ihre Gemälde, in Regalen und Schränken stehen bunte Kunstwerke aus Keramik. Im Atelier der Malerin befindet sich ihr Rollstuhl vor einer Staffel mit einem unvollendeten Bild.Atelier KaloIm Schlafzimmer steht ein Himmelbett, auf dem Kissen liegt in ein grünes Tuch eingehüllt Fridas Totenmaske. Am Bettende steht ein altmexikanischer Steintopf mit ihrer Asche. Totenmaske Frida KahloVon mexikanische Freunden habe ich erfahren, dass sich im Gebäude des Erziehungsministeriums (Secretaría de Educación Pública) in der Calle Republica de Argentina rund um den Innenhof auf drei Stockwerken Wandmalereien von Diego Rivera befinden. Der Zugang ist öffentlich und kostenlos.Erziehungsministerium Vor dem Gebäude stehen vier bewaffnete Polizisten und ich frage sicherheitshalber, ob ich eintreten darf. Sie nicken mir freundlich zu, und lassen mich durch das Tor. Was ich an den Wänden des Innenhofes sehe, ist gigantisch. So viel Diego auf einmal und gleich auf mehreren Stockwerken – ich kann mich an den monumentalen Gemälden kaum satt sehen. Der Innenhof war einer der Schauplätze des Films „Frida“ – hier trifft die junge Malerin zum ersten Mal auf Rivera. Rivera Erziehungsministerium

Nächstes Ziel ist die Ruinenstadt Teotihuacán. Es ist halb eins, mein Magen knurrt. Ich kaufe an einem Stand ein paar Tortillas, die ich unterwegs auf dem Weg zur Metro-Station am Zócalo esse. DSC_2771

Ich bin noch nie mit der U-Bahn in Mexiko-Stadt gefahren und wundere mich über die niedrigen Ticketpreise – ich zahle umgerechnet nicht einmal 10 Cents. Mit der Linea 2 fahre ich bis Hidalgo, von dort mit der 3 bis nach La Raza und weiter mit der 5 zum Busbahnhof Central del Norte. Von hier fahren Busse in alle Richtungen des Landes. Auf dem riesigen Bahnhof herrscht Hektik. An den Schaltern stehen lange Schlangen, Kinder quengeln, Mütter schimpfen, Reisende drängen sich zwischen den Schlangen auf der Suche nach dem richtigen Schalter durch, und ich werde mehrmals angerempelt. Am Ende der Halle finde ich den Schalter der „Autobuses Teotihuacán“. Busse fahren im 30-Minuten-Takt. Zum Glück ist die Schlange kurz – ich muss nicht lange warten und sitze schon 20 Minuten später im Bus auf bequemen Polstersitzen. Die Fahrt in die 50 Kilometer entfernte Ruinenstadt dauert eine Stunde. SonnenpyramideDie Pyramiden aus dem 4. Jh. liegen wie aus einem Hochglanzreisemagazin vor mir. Besiedelt wurde der Ort 1500 v. Chr. Als die Azteken im 14. Jahrhundert auf die Ruinenstadt stießen, hielten sie diese für einen mystischen Ort und nannten sie Teotihuacán – „wo der Mensch zu Gott wird.“ Mittelpunkt ist die Sonnenpyramide, die drittgrößte Pyramide der Welt. Bis hinauf bis zur Spitze sind es 250 steile Stufen. Bei über 40 Grad Hitze und in falschen Schuhen kommt es mir nach 50 Stufen vor, als lägen noch 500 vor mir. Hätte ich anstelle meiner Ballerinas doch nur Sportschuhe angezogen! Immer wieder komme ich ins Rutschen und muss mich an den Stufen festhalten. Wie die Azteken damals wohl in ihren selbst gemachten Sandalen hinauf kamen? Sonnenpyramide 2Als ich oben ankomme, bin ich einem Hitzschlag nahe. Wie bin ich nur auf die Idee gekommen, am Nachmittag, nach Teotihuacán zu fahren? Ich hätte es auf den nächsten Morgen verschieben sollen! Blick auf die MondpyramideDer Blick über die Mondpyramide und die weite Landschaft ist aber so spektakulär, dass ich die Strapazen des Aufstiegs sofort vergesse. Hinunter gehe ich seitwärts, um nicht auszurutschen. Der Bus nach Mexiko-Stadt ist gerade abgefahren. Unschlüssig stehe ich herum – in der Hitze warten oder ein Taxi nehmen? Die Bequemlichkeit siegt und ich marschiere zum Taxistand hinüber.

Mexikaner essen sehr spät zu Abend. Gegen 21 Uhr bin ich mit Freunden in der legendären „La Opera Bar“ verabredet, wo der Freiheitskämpfer Pancho Villa 1910 während der Mexikanischen Revolution mit seinem Gewehr ein Loch in die Decke schoss. Das Loch, das nie gestopft und verputzt wurde, ist die Sensation im Restaurant, auf die der Kellner mich freudig hinweist.Marichi

Während wir essen kommen Mariachi-Sänger mit Gitarre, Geige und Trompete ins Restaurant und spielen „Ay yai yai yai, canta y no llores“ – der Tag endet mit dem Lied, mit dem er begonnen hat.

TIPP: Günstige Flüge nach Mexiko und Unterkünfte findet ihr auf Urlaubsguru.de.

Teotihuacán – wo der Mensch zum Gott wird

Wer diese monumentale Stadt mit Pyramiden, Tempeln und Palästen erbaut hat und wer ihre Einwohner waren ist bis heute nicht bekannt. Als die Azteken die verlassene Ruinenstadt im 14. Jahrhundert vorfanden, sahen sie in ihr einen mythischen Ort und nannten sie Teotihuacán, was übersetzt „dort, wo der Mensch zu Gott wird“ bedeutet. Die Azteken glaubten, dass hier die Welt erschaffen und Götter geboren wurden. Hauptattraktion der UNESCO Welterbestätte ist die Sonnenpyramide, die Lebensenergie verspricht.

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La Pirámide del Sol – Sonnenpyramide

Der Chac-Mool hat es gut. Er muss die 248 Stufen bis zur Spitze der Pyramide nicht hinaufsteigen. César trägt ihn. Mit angewinkelten Beinen, den Kopf zur Seite geneigt, sitzt er in Césars Händen. Der Chac-Mool ist eine kleine Skulptur, César unser mexikanischer Tourguide. „Wenn ich den Chac-Mool auf das Auge der Pyramide lege und die Götter um Segen bitte, wird er mit göttlicher Energie geladen“, hatte der abergläubische César uns erklärt, als er die kurz zuvor gekaufte Skulptur aus dem Kofferraum riss und mit ihr Richtung Sonnenpyramide davon stürmte.

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Chac-Mool

Als wir endlich die Hälfte der Stufen geschafft haben, steht César schon auf der Spitze. Wie hat es der alte Mann nur geschafft, in so kurzer Zeit oben zu sein, ohne auch nur ein einziges Mal stehen zu bleiben? Die Stufen sind eng und steil. Die Hitze drückt erbarmungslos, die Sonne blendet. Wir schaffen jeweils nur eine der fünf Terrassen ohne Pause. Immer wieder bleiben wir stehen, um die Aussicht zu bewundern. Vor uns liegt das mächtige Cerro-Gordo-Massiv, unter uns die Straße der Toten, links von uns die Mondpyramide.

Dafür hat César kein Verständnis. Ungeduldig winkt er mit dem Chac-Mool zu uns herunter. Wenn er das gute Stück bloß nicht fallen lässt! Als wir oben ankommen, verliert er keine Zeit. Er geht in die Hocke und legt den Chac-Mool auf das Auge der Pyramide. Während er eine Hand unter die Skulptur schiebt, sodass ein Finger das weiß glänzende Pyramidenauge berührt, streckt er den linken Arm mehrmals in den Himmel und beschwört den Sonnengott, die Skulptur mit Energie zu laden. Zuletzt bittet er um Energie für sich selbst. Die scheint er zu bekommen, denn in weniger als fünf Minuten ist der alte Kettenraucher samt meines Chak-Mools schon wieder am Fuß der Pyramide.

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César bei seinem Ritual auf dem Auge der Pyramide.

Die heutige Ruinenstätte Teotihuacán war zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert mit 200.000 Einwohnern die größte Stadt Amerikas und eine der größten Städte der Welt. Der Name des Volkes, das das Tal um 100 vor Chr. besiedelte, ist nicht bekannt. Auch ist nicht bekannt, warum sie das Tal um 750 n. Chr. wieder verließen.

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Mondpyramide

„Dieses Volk entstand aus dem Nichts, beherrschte zwischen 350 und 650 den gesamten Kontinent und verschwand wieder ins Nichts. Ich bin mir sicher, sie verließen das Tal, weil es kein Wasser mehr gab“, sagt César. Archäologen nehmen an, dass die Bewohner die wichtigsten Gebäude im Zentrum in einem rituellen Akt niederbrannten, bevor sie verschwanden.

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Die Sonnenpyramide, die um 100 nach Chr. errichtet wurde, liegt im Zentrum des Tals. Archäologen haben berechnet, dass 2000 Männer etwa 20 Jahre lang an der Pyramide gearbeitet haben. Mit einer Seitenlänge von 225 Metern, 65 Metern Höhe und einem Volumen von einer Million Kubikmetern ist sie das zweitgrößte Bauwerk im vorspanischen Mittelamerika und die drittgrößte Pyramide der Welt. César widerspricht. „Zumindest von der Größe her ist sie die größte Pyramide der Welt!“ Zur Zeit der Azteken thronte auf der obersten Terrasse der Pyramide ein Tempel, der dem Sonnengott geweiht war. „Am 21. März kommen wir zu Tausenden auf die Pyramide, um den Frühlingsanfang zu begrüßen“, erzählt César. „Ein herrliches Spektakel, das ihr einmal erleben solltet“, fügt er hinzu.

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Zwei Mal im Jahr steht die Sonne am Mittag genau über dem höchsten Punkt der Pyramide, am 19. Mai und am 25. Juli. „Wer da seine Hand auf das Auge der Pyramide drückt, wird mit enormer Lebensenergie aufgeladen, die das ganze Jahr über anhält“, sagt César. Ob der alte Mann die 248 Stufen deshalb mit solcher Leichtigkeit erklimmt?

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Am Fuße der Sonnenpyramide preisen Straßenverkäufer ihre Waren an.

INFO

Teotihuacán liegt 53 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt. Ab dem Busbahnhof Central del Norte fahren ca. alle 15 Minuten Busse dorthin (Richtung Los Pirámides). Der letzte Bus fährt um 18 Uhr von Teotihuacán nach Mexiko-Stadt zurück. Von der Bushaltestelle in Teotihuacán ist es noch ein kleiner Fußmarsch bis zu den Pyramiden.

Tipp: Viele Hotels arrangieren Privattouren mit Fahrer und Tourguide, die umgerechnet etwa 50 Euro kosten und wesentlich bequemer sind.

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Um UNESCO Welterbestätten zu besuchen, muss man übrigens nicht weit reisen, denn das UNESCO Welterbe Deutschland ist nicht weit.

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UNESCO Welterbe Deutschland.