Amsterdam – Beliebtes Ziel für Jugendreisen

Amsterdam zieht das ganze Jahr über Besucher aus aller Welt an. Doch was fällt euch zuerst ein, wenn ihr an diese tolle Stadt denkt? Da sind vor allem die vielen Grachten, Hausboote, Fahrräder in allen Variationen, das multikulturelle Leben und die Lebenslust der Bewohner, auf die ihr überall stoßt. Nicht zu vergessen natürlich auch die fantastische Kunstszene.

Die Innenstadt von Amsterdam ist gerade deswegen so interessant, weil sich hier Geschäfte, Läden, Coffeeshops, Restaurants und Kneipen aneinanderreihen und ihr auf eurem Weg das Gesuchte fast immer sofort im Blick habt. Im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten ist Amsterdam mit nur 800.000 Einwohnern nicht sehr groß. Das Zentrum ist überschaubar und die Entfernungen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind klein und können zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt werden. Radverleihe gibt es an jeder Ecke.

Grachten Amsterdam

Amsterdam – vom „Schmuddel-Image“ zur internationalen Ausgehmetropole

Amsterdam lebt von seiner Geselligkeit, die ihr überall in der Stadt findet. Die Stadt ist vor allem Treffpunkt von Architekten, Kultur- und Kunstliebhabern, Modebegeisterten und natürlich auch von Gourmets und Genießern aus ganz Europa. Neben den zahlreichen alten Grachtenbrücken, die beliebtes Fotomotiv sind, sollten vor allem ein Besuch des Anne Frank Hauses, des Tulpen- oder des Wohnbootmuseums auf dem Programm stehen.Amsterdam Grachten

Am Abend öffnen über 1000 Bars, Kneipen und Diskotheken ihre Pforten bis zum frühen Morgen, so dass ihr hier die Nacht durchfeiern könnt. Nicht umsonst ist Amsterdam ein beliebtes Ziel für Jugendliche.

Kneipen sind in Amsterdam immer gut besucht.
Kneipen sind in Amsterdam immer gut besucht.
Amsterdam
Lunch-Break auf der Straße.

Für den kleinen Hunger zwischendurch könnt ihr euch aus einem der vielen Imbissautomaten in der Stadt einfach eine typische holländische Frikandel, Krokette oder eine andere leckere Kleinigkeit ziehen ohne lange an einer Imbisstheke anzustehen.

Seid ihr Kunstliebhaber? Dann seid ihr in Amsterdam genau richtig. Ein absolutes Muss ist das Museumsviertel (Museumplein), wo die drei größten Kunstmuseen der Stadt liegen: Rijksmuseum (Reichsmuseum), Van-Gogh-Museum und Stedelijk Museum (Städtisches Museum für zeitgenössische Kunst). Hier seht ihr berühmte Gemälde wie Rembrandts Nachtwache, Van Goghs Sonnenblumen, aber auch Werke von Mondriaan, Vermeer, Chagall und Picasso.

Verschnaufpause im Museumsviertel.
Verschnaufpause im Museumsviertel.

Shoppingtour in Amsterdam

Im Zentrum, das nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt liegt, reihen sich zahlreiche kleine und größere Geschäfte aneinander. Beliebteste Einkaufsmeile ist die Kalverstraat, wo es neben den bekannten Ladenketten wie H&M, Esprit und Zara vor allem sehr viele ausgefallene Schuh- und Kleiderläden gibt. Viele Geschäfte in der Kalverstraat und am Nieuwendijk haben sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Einkaufsmeile in Amsterdam.
Einkaufsmeile in Amsterdam.

Auch Schnäppchenjäger kommen in Amsterdam auf den vielen Straßen- und Flohmärkten voll auf ihre Kosten. Einer der besten Flohmärkte ist der Waterlooplein, wo man neben Vintage-Kleidern und Sonnenbrillen sehr viele Kuriositäten findet. Der Markt ist von Montag bis Samstag geöffnet. Wenn ihr eine Shoppingtour nach Amsterdam macht, solltet ihr nicht nur genügend Geld, sondern auch einen großen Rucksack oder Koffer für eure Einkäufe mitnehmen.

Amsterdam

Botels, preiswerte Unterkünfte in Amsterdam

Eine gute Alternative zu Hotels, und zudem preiswert, sind die sogenannten Botels. Das sind Schiffe, die nur noch vor Anker liegen und die Kabinen für Übernachtungen zur Verfügung stellen. Die Botels liegen hinter dem Bahnhof im Hafen, nicht weit von der Innenstadt entfernt und zu Fuß gut erreichbar.Amsterdam

Multikulturelle Metropole Amsterdam

Die Stadt ist sehr weltoffen, das werdet ihr bei eurem ersten Besuch sofort spüren. Hier leben die Niederländer gemeinsam und friedlich mit Einwanderern aus über 140 Nationen zusammen. Und das spiegelt sich auch im Stadtbild von Amsterdam wider, wo neben den typischen Amsterdamer Coffeeshops und Kneipen zahlreiche asiatische, afrikanische und arabische Restaurants und türkische Imbisse liegen. Doch gerade dieses multikulturelle Leben macht die Stadt so interessant und liebenswert.

Multikulturelles Amsterdam.
Multikulturelles Amsterdam.

Grachten Amsterdam

 

Morgens am Dam, der zentrale Platz Amsterdams.
Morgens am Dam, der zentrale Platz Amsterdams.

Scheveninger Winterwellen

Scheveningen, ein Stadtteil Den Haags, liegt sechs Kilometer vom Zentrum entfernt. Ursprünglich ein kleines Fischerdorf, ist es heute das größte Seebad der Niederlande – und ein geschichtsträchtiges dazu. Wer sich dem Rauschen des Meeres und dem Tosen des Windes hingibt hört die Geschichten, die das Meer erzählt.

Seebrücke ScheveningenZaghaft bahnt sich die Sonne ihren Weg durch die dichte Wolkendecke und taucht das Meer in ein hellrotes Licht. Der Sturm der letzten Nacht ist noch nicht ganz abgeklungen. Tosend brechen sich die Wellen an den weißen Pfählen der alten Seebrücke, die vor der Kulisse geballter Wolken am menschenleeren Strand fast gespenstisch wirkt.

Seebrücke ScheveningenDer Wind peitscht die schäumende Gischt über den nassen Sand. Die Flut hat massenweise Muschelschalen angespült und eine kleine Sandbank hinterlassen, auf der sich eine Schar Möwen tummelt. Laut kreischend zanken sie sich um ein paar Krebse.

Möwen in Scheveningen

Auf der gegenüberliegenden Seite thront das Kurhaus gigantisch über dem Strand. Der mittlere Teil des pompösen dreiflügeligen Gebäudes wird von einer Kuppel gekrönt, die neben der Seebrücke das Wahrzeichen Scheveningens ist. Ende des 19. Jahrhunderts war das Kurhaus ein Hotspot des europäischen Adels. Zu den berühmtesten Gäste zählte Kaiserin Elizabeth („Sissi“) von Österreich. Sie liebte das Meer, das für sie Freiheit bedeutete. In einem ihrer Gedichte schrieb sie: „Mich bindet nicht Ort und nicht Stelle, ich fliege von Welle zu Welle.“ Die Dauerreisende, die täglich lange Gewaltmärsche unternahm um ihre extrem schlanke Figur zu halten, soll während ihres Aufenthalts von Scheveningen zum Strand ins über 30 Kilometer entfernte Zandvoort marschiert sein. Ob die für ihre Waghalsigkeit bekannte Kaiserin wohl auch einen Bungee-Sprung vom 60 Meter hohen Aussichtsturm der Seebrücke gewagt hätte?

Leuchtturm Scheveningen

Der Wind wird plötzlich so stark, dass ich das Gefühl habe, jeden Moment abzuheben. Ich lasse mich treiben, der Wind entscheidet die Richtung. Ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit überfällt mich. Die Luft schmeckt salzig. Warum liegt dieser intensive salzige Geschmack nur bei sturmgepeitschter See in der Luft?

FischersfrauDer Wind trägt mich zu einer Frau, die unbeweglich auf einem Sockel steht und mit sorgenvoller Miene aufs Meer hinausschaut. Ihr langer, schwerer Rock weht landeinwärts. Ihre Haare sind unter einem Tuch verborgen, das über der Stirn zusammengeknotet ist.

„Für alle, die hinausgefahren und niemals wiedergekehrt sind“, höre ich jemand sagen. Ich blicke in die Richtung der Stimme. Eine ältere Frau steht mit ihrem Golden Retriever neben mir und deutet mit ihrem Finger auf die Inschrift, die am Sockel angebracht ist.

„Es ist die Statue der Fischersfrau, die zum Gedenken an all die Fischer, die nicht mehr von ihrer Fahrt aufs Meer zurückkamen, errichtet wurde“, erklärt sie. „Auch mein Urgroßvater wurde von der See verschluckt. Meine Urgroßmutter ist tagelang zum Strand gelaufen, stand da wie die Statue und hoffte entgegen aller Hoffnung, dass er doch noch zurückkehren würde. Aber er kam nicht mehr zurück“, sagt sie und legt einen Strauß Blumen zu Füßen der Fischersfrau. „Heute jährt sich sein Todestag zum 92. Mal. Da er an Land kein Grab hat, kommt jedes Jahr jemand aus meiner Familie zur Statue um seiner zu gedenken. Als Kind kam ich oft hierher um mir die Geschichten anzuhören, die das Meer erzählt“.

Scheveningen Strand

„Ob mir das Meer auch eine Geschichte erzählt?“ frage ich die Frau. „Natürlich“, antwortet sie. „Richte deinen Blick auf den Horizont und konzentriere dich auf die unendliche Weite des Meeres. Gib dich dem Rauschen der Wellen hin. Lass dir vom Wind den Kopf frei pusten. Hör gut hin und du wirst eine Geschichte hören“, sagt sie lächelnd und verschwindet mit ihrem Hund Richtung Strand.

Strand in Scheveningen

Ich setze mich auf eine Bank und richte meine Augen auf die Weite zwischen den dicken weißen Wolken und den Wellen. Ich konzentriere mich auf das Rauschen des Meeres. Solange, bis ich nichts anderes mehr wahrnehme und warte, dass das Meer auch mir eine Geschichte erzählt. Ich schließe meine Augen. Das Monumentalgemälde Panorama Mesdag kommt mir in den Sinn. Plötzlich wird es lebendig. Ich sehe den Strand vor mir, wie er um 1880 ausgesehen hat. Fischkutter werden entladen, der Fang wird auf Pferdekarren verladen, Frauen und Kinder schauen zu. Am Horizont kämpfen Boote gegen gigantische Wellen an. Ein Boot kentert und wird von den Wogen überspült.

Strand in Scheveningen.

Der Wind wird stärker, das Brechen der Wellen lauter. Das Meer erzählt von der Allerheiligenflut im Jahr 1570 als halb Scheveningen in den Wellen verschwand. Es erzählt von dem 20 Meter langen Wal, der hier 1598 strandete. Es erzählt vom 30. November 1813 als Willem Frederik, Prinz von Oranien-Nassau, am Strand von Scheveningen anlegte. Nach 18 Jahren französischer Besatzung markierte seine Rückkehr aus dem englischen Exil den Beginn der Unabhängigkeit des Landes. Als Willem I. wurde er zwei Jahre später zum ersten König der Niederlande gekrönt. Ich sehe die rastlose Sissi, wie sie in ihrem langen Kleid und dem eng geschnürten Korsett am Strand entlang wandert. Das Meer erzählt tatsächlich Geschichten. Man muss nur genau hinhören.

Muscheln

INFO

Allgemeine Informationen: www.denhaag.com und www.scheveningendenhaag.com

Hotel: Carlton Beach Hotel, direkt am Strand von Scheveningen. Zimmer und Restaurant mit Blick aufs Meer.

Die Reise wurde vom Niederländischen Büro für Tourismus unterstützt.

Leuchtturm Scheveningen

Deutschland liebt Holland.

Den Haag, das größte Dorf der Welt

Den Haag ist das politische Herz der Niederlande und Welthauptstadt für Frieden und Gerechtigkeit. Hier sitzen Regierung und Internationaler Gerichtshof, hier residiert der König. Trotzdem hat die Stadt, die amtlich eigentlich „S-Gravenhage“ heißt und immerhin eine halbe Million Einwohner zählt, offiziell nie das Stadtrecht erhalten.

Warten auf Königs.
Warten auf Königs.

Eine aufgeregte Menschenmenge presst sich gegen das hellblaue Gitter vor dem Noordeinde-Palast, dem Amtssitz des Königs. „What’s going on?“ fragt ein amerikanisches Touristenpaar und gesellt sich zu den Wartenden. Falls gleich etwas passiert, möchten sie das keinesfalls versäumen und bringen auf alle Fälle schon mal ihre Kamera in Stellung. Und passieren wird garantiert etwas. Warum sonst stehen auf dem gegenüberliegenden Platz Pressefotografen und Kameraleute vom Fernsehen? Ob sich Willem-Alexander und Maxima wohl gleich zeigen? Ich gehe auf einen der Fotografen zu und frage, was es mit der Menschenmenge auf sich hat. „Das belgische Königspaar ist zu Besuch und wird in etwa eineinhalb Stunden den Palast verlassen“, antwortet er. Die Amerikaner wussten nicht, dass Belgien einen König samt Königin hat und wollen diese natürlich sehen. „That’s so exciting!“ rufen sie. Ich finde das belgische Königspaar nun nicht so „exciting“ und gehe weiter.

Noordeinde, die königliche Straße.
Noordeinde, die königliche Straße.

Der Palast liegt inmitten der luxuriösen Einkaufsstraße Noordeinde, die voller Galerien, Kunstläden und Modeboutiquen ist. Die meisten Galerien haben sich hier erst in den 1980er Jahren angesammelt, nach der Krönung der mittlerweile abgedankten Königin Beatrix, die als große Kunstliebhaberin gilt. Wie schön es doch wäre, für ein paar Tage in dieser Straße zu wohnen! Erst später erfahre ich, dass man mitten im Zentrum auch Ferienwohnungen mieten kann, die jedem 5-Sterne Hotel Konkurrenz  machen. Übrigens, nicht nur in Den Haag, auch im Rest der Niederlande kann man Städtetrips und Urlaub in einem Ferienhaus oder einer Ferienwohnung von HouseTrip buchen.

Lola Bikes & Coffee.
Lola Bikes & Coffee.

Ich bin unterwegs zu „Lola Bikes & Coffee“. Das Café, das als beste Kaffeebar der Niederlande ausgezeichnet wurde, ist Fahrradshop mit Reparaturwerkstatt und Café zugleich. Der Besitzer liebt Fahrräder und Kaffee und kam so auf die Idee mit dem Laden. Die Atmosphäre ist trotz der mit Fahrrädern dekorierten Wände gemütlich. Es duftet nach Espresso und frisch gebackenem Kuchen. An den Tischen sitzen Studenten und diskutieren. Ein älterer Mann, der wie ein Bohemien aus vergangenen Tagen aussieht, sitzt in einem bequemen Sessel am Fenster und ist in seine Zeitung vertieft.

Lola BikesIch gehe mit meinem Cappuccino in den Wintergarten, der sich im hinteren Teil des Ladens befindet. Der Kaffee ist tatsächlich so gut, dass dies nicht mein einziger Besuch bei Lola Bikes bleibt.

Binnenhof
Binnenhof
Remco Dörr
Remco Dörr

Vor dem Binnenhof treffe ich Stadtführer und Kunsthistoriker Remco Dörr. In den Gebäuden rings um den großen rechteckigen Innenhof befinden sich Regierungsgebäude und Parlament, das sich hier seit 1446 versammelt. Das älteste Gebäude, der Rittersaal, stammt aus dem 13. Jahrhundert. „Unter der Woche kann man hier durchaus dem einen oder anderen Minister auf dem Fahrrad begegnen“ sagt Remco. An diesem Morgen sind allerdings nur japanische Touristen unterwegs, die auf den Brunnen im Zentrum des Binnenhofs klettern und sich für das obligatorische Facebook-Foto in Pose stellen.

Rittersaal im Binnenhof.
Rittersaal im Binnenhof.

Versteckt hinter Dagelijske Groenmarkt, Vlamingstraat, Venestraat und Nieuwstraat liegt der Haagsche Bluf. Was auf den ersten Blick wie prächtige historische Gebäude aussieht, ist in Wirklichkeit nur Bluff. „Die Fassaden sind Replikate abgerissener Häuser“, erklärt Remco und lacht „wir Haagener bluffen gern!“

Alles nur Bluff!
Alles nur Bluff!

Nicht weit davon befindet sich die De Haagsche Passage, ein Glaskuppelbau im venezianischen Stil. Die 1885 eröffnete Passage ist das älteste Einkaufszentrum der Niederlande und schon um 10 Uhr morgens gut besucht. Gegenüber in der Gravenstraat steht das knapp 120 Jahre alte Luxuskaufhaus Maison de Bonneterie, das allein wegen seinen wunderschönen Interieurs einen Besuch wert ist. „Hier kauft die Königsfamilie ein“, sagt Remco. Aber nur nach Ladenschluss, habe ich irgendwo gelesen. „Nein, man kann dem einen oder anderen Mitglied des Königshauses schon mal beim Einkaufen begegnen – und nicht nur im Maison de Bonneterie“, hält Remco dagegen.

Rusthof
Rusthof

Versteckt hinter unscheinbaren Türen zwischen Wohn- und Geschäftshäusern liegen die „Hofjes“, Hinterhöfe mit viel Natur. Die Hofjes sind wohlhabenden und adligen Haagener Bürgern zu verdanken, die damit seit dem Mittelalter Wohnraum für ihre Bediensteten schufen. Einer der bekanntesten Hofjes ist der Rusthof in der Parkstraat 41. Die Philanthropin Elisabeth Groen van Pinsterer-van der Hoop ließ dort 1831 das erste Backsteinhäuschen für eine ihrer Bediensteten errichten als diese aufgrund ihres Alters nicht mehr arbeiten konnte. Jedes Jahr kam zum Geburtstag der Stifterin ein weiteres Haus dazu. Bis heute dürfen hier nur alleinstehende Frauen ab 55 Jahren wohnen. „Herrenbesuche sind tabu. Die Pforte zur Straße wird um 18 Uhr geschlossen“, so Remco. „Hat eine alleinstehende Frau über 55 denn keine Lust abends mal ins Kino, Theater, Konzert oder einfach mal mit Freundinnen essen zu gehen?“ frage ich. Remco lacht und zuckt mit den Schultern.

Lange Voorhout
Lange Voorhout

Mitten im historischen Zentrum liegt der Boulevardplatz Lange Voorhout, was übersetzt „für Holz“ bedeutet. Der von Linden gesäumte Platz wurde im 15. Jahrhundert angelegt und diente als Vorbild für die Straße Unter den Linden in Berlin. Rings um den 500 Meter langen Voorhout stehen einstige Adelspaläste, in denen heute viele der über 100 Botschaften der Stadt untergebracht sind. Bevor es das Automobil gab, nutzten die Palastbewohner den Boulevard als Flaniermeile und ließen sich, um gesehen zu werden, in ihren Kutschen um den Platz herum fahren.

Hotel des Indes.
Hotel des Indes.

In einem der schönsten Paläste befindet sich das Hotel des Indes, wo gekrönte Häupter, Politiker und andere Berühmtheiten seit 1881 absteigen. In einem der Zimmer ist 1931 die berühmte russische Ballerina Anna Pawlowa an Lungenentzündung gestorben.

Im rechten Winkel zum Hotel steht das Palais Escher, der ehemalige Winterpalast von Königin Emma, Urgroßmutter von Beatrix. Dort hat einst Napoleon auf der Durchreise übernachtet. „Offiziell hat Den Haag bis heute kein Stadtrecht erhalten, wir sind eigentlich ein Dorf. Als Kaiser war es unter Napoleons Würde, in einem Dorf zu übernachten“, erklärt Remco. „Deshalb hat er Den Haag für 12 Stunden das Stadtrecht verliehen. In unserer Geschichte waren wir nur ganze 12 Stunden eine Stadt!“ Seit 2002 ist im Palais das Escher-Museum untergebracht mit den Werken des niederländischen Künstlers und Grafikers M.C. Escher, der durch die Darstellung unmöglicher Figuren bekannt wurde.

Mata Hari hat in der Nieuwe Uitleg 16 gewohnt.
Mata Hari hat in der Nieuwe Uitleg 16 gewohnt.

Hinter dem Palais Escher befindet sich die Nieuwe Uitleg. „In diesem Haus dort drüben hat die berühmteste Spionin der Welt gewohnt“, sagt Remco und zeigt auf Nummer 16. „Mata Hari hat in diesem unauffälligen Haus gewohnt?“ wundere ich mich.

Panorama Mesdag
Panorama Mesdag

Krönender Abschluss des Spaziergangs ist das Panorama Mesdag, wo auf einem überdimensionalen Rundbild der Fischerort Scheveningen gezeigt wird, bevor er zum mondänen Badeort avancierte. Hendrik Willem Mesdag malte das 120 Meter breite und 14 Meter hohe Bild zusammen mit seiner Frau Sientje und drei anderen Malern der Haager Schule im Jahre 1881 in nur vier Monaten. Wir betreten den zylinderförmigen Panorama-Saal über eine Treppe von der Mitte her.

Panorama Mesdag
Panorama Mesdag

Als ich auf der Plattform ankomme und mit einer Rundsicht von 360 Grad inmitten des größten Gemäldes der Niederlande stehe, erlebe ich eine Sinnestäuschung. Ich verliere jegliches Gefühl für Raum und Zeit und glaube mich tatsächlich im Scheveningen des 19. Jahrhunderts zu befinden. Es ist, als würde ich selbst auf den Dünen stehen und auf die Boote am Strand hinunterblicken. Alles scheint so real. Das Panorama Mesdag befindet sich in der Zeestraat. Wenn ich jetzt einfach geradeaus gehe und am Ende der Straße in den Scheveningseweg einbiege und weiter geradeaus marschiere, komme ich direkt zum Strand von Scheveningen. „Das dauert keine 20 Minuten“, sagt Remco. Den Haag ist eben doch ein Dorf – alle wichtigen Sehenswürdigkeiten sind ab dem Binnenhof in 10 bis 20 Minuten zu Fuß erreichbar. Noch schneller geht es mit dem Fiets, dem wichtigsten Fortbewegungsmittel der Haagener, dem Fahrrad.

Seebrücke in Scheveningen.
Seebrücke in Scheveningen.

INFO

Allgemeine Informationen: www.holland.com und www.denhaag.com

Touristeninformation Den Haag: Spui 68, im Gebäude der Zentralen Bibliothek. Öffnungszeiten: Mo 12-20 Uhr, Die-Fr 10-20 Uhr, Sa 10-17 Uhr, So 12-17 Uhr.

Lola Bikes & Coffee, Noordeinde 91. Öffnungszeiten: Mo-So 8-18 Uhr. http://www.lolabikesandcoffee.nl

Einkaufen: De Haagsche Passage (zwischen Spuistraat und Buitenhof), Maison de Bonneterie (Gravenstraat 2), wo auch Maxima und ihre Töchter ab und zu gesichtet werden. Viele Boutiquen und Läden gibt es in der Große Marktstraat, Nordeinde und Prinsestraat.

Bitte beachten: Die Geschäfte in Den Haag schließen um 18 Uhr, donnerstags um 21 Uhr.

Straßenbahn und Bus: Eine Tageskarte kostet 7,70 Euro (Stand Nov. 2013) und gilt für alle Busse und Straßenbahnen in Den Haag und den Vororten. Karten gibt es an Bahnhöfen, Kiosken und bei der Touristeninformation.

Bitte beachten: Die Karte muss bei jedem Ein- und Aussteigen über das pinkfarbene OV-Chipkaart-Logo des dafür vorgesehenen Smart Card Reader in Bus und Straßenbahn gezogen werden. Fahrzeiten der Straßenbahnen hier

Panorama Mesdag, Zeestraat 65, Öffnungszeiten: Mo-Sa 10-17 Uhr, Sonn- und Feiertage 12-17 Uhr. Am 25. Dez. und 1. Jan. geschlossen.

Fahrradverleih: Noordeinde 59. Öffnungszeiten: Täglich von 9-18 Uhr, samstags bis 19.30 Uhr. Preis 10 Euro pro Tag.

Hotels: Carlton Beach Hotel, direkt am Strand von Scheveningen. Mit Tram Nr. 9 zum Kurhaus oder Tram Nr. 1 bis Endstation (in Sichtweite des Hotels).

Die Reise wurde vom Niederländischen Büro für Tourismus unterstützt.