Geist der Verzückung – Bellevue Bar in Bern

Das erste, was ins Auge fällt, ist die silberne Art-Nouveau-Skulptur auf der Bar. Es ist die vergrößerte Version der berühmtesten Kühlerfigur der Welt, der Spirit of Ecstasy, die seit 1911 die Motorhaube des Rolls Royce ziert. Modell für den „Geist der Verzückung“ stand Eleanor Thornton, Sekretärin des britischen Barons Montagu of Beaulieu. Urs Bührer, Direktor des Bellevue Palace, erwarb die Skulptur vor ein paar Jahren in einer Galerie in Ascona. Ihr Alter ist nicht bekannt, man nimmt jedoch an, dass sie aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammt. Somit wäre sie jünger als die Bar auf der sie steht, denn diese stammt aus dem Jahr 1913, als der Bellevue Palace eröffnet wurde.

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Ihren legendären Ruhm erlangte die Bellevue Bar während des Zweiten Weltkrieges als sie Hotspot von Diplomaten, Botschafter, Militärattachés, Geheimdienstleute, Spione, Doppelagenten und Journalisten war. In Bern befand sich das Hauptquartier des US-Militärgeheimdienstes gegen Nazideutschland, und der legendäre „Meisterspion von Bern“ und spätere CIA-Direktor Allen Dulles war seit 1942 hier stationiert. Ihm und anderen einheimischen und ausländischen Agenten diente die Bar als wichtige Informationsquelle. „Im Dunstkreis von Verschwörungen, Verrat und Verführung verflochten sich die einzigartige Atmosphäre und die Geschichte der Hotelbar zwischen Wahrheit und Erfindung zum Mythos“, schreibt Martin Fröhlich in seinem Buch „Das Hotel Bellevue Palace in Bern“.

Bellevuebar

Geheimagenten gehören zwar längst nicht mehr zu den Stammgästen der Bar, die fast immer noch so aussieht wie damals, aber noch immer ist sie beliebter Treffpunkt für Politiker, Diplomaten und Journalisten. Der letzte Spion, den man dort sah, war vermutlich George Smiley alias Alec Guiness im Jahr 1981 als Szenen aus John le Carrés Spionagethriller „Smileys People“ im Bellevue Palace gedreht wurden.

Adresse Bellevue Palace, Kochergasse 3-5, 3005 Bern, Tel. +41 (0)31/3204545, www.bellevue-palace.ch. Öffnungszeiten: Mo-So 10-24 Uhr. ÖPNV Bus 12 bis Haltestelle Zytglogge.

Tipp: Kaffeetischen oder Aperitif auf der Terrasse im Bellevue Palace mit grandioser Sicht auf die Aare und das Alpenmassiv mit  Eiger, Mönch und Jungfrau (April bis Oktober 12-22 Uhr).

Terrasse Bellevue Bar

Der Text stammt aus meinem Buch „111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss„.

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Die Nachtgänge von Friedrich Dürrenmatt

Seine ersten 14. Lebensjahre verbrachte Friedrich Dürenmatt in Konolfingen, am Tor zum Emmental. Rund um seinen Geburtsort führt ein Literaturweg zu den Orten seiner Kindheit.

„Ich hätte den bösen Wald nie betreten dürfen“, steht auf Tafel 7 am Emmentaler Literaturweg. Es ist ein Satz aus der Ballade von Midas. Als Kind ging der Schriftsteller oft durch diesen Wald. Immer dann, wenn er seinen Vater, den Pfarrer, zu seinen Predigten in Nachbardörfer oder zu Sterbenden in einsam gelegenen Bauernhäusern begleitete. Auf dem Nachhauseweg, als es im Wald stockdunkel war, erzählte ihm sein Vater oft von den griechischen Sagen, ihren Helden und Ungeheuern. Nachtgänge mit Vater, nannte Dürrenmatt diese Wanderungen.

Geburts- und Elternhaus von Dürenmatt in Konolfingen.
Geburts- und Elternhaus von Dürenmatt in Konolfingen.

Tafel 7 ist Teil des im April 2008 eingeweihten Emmentaler Literaturwegs, der dem berühmten Sohn Konolfingens gewidmet ist. Der Weg führt hin zu Orten, an die sich Dürrenmatt in seinem späteren Prosawerk erinnert. 15 am Weg aufgestellte Tafeln geben anhand von Zitaten Einblicke in das Werk des Schriftstellers. Er beginnt am Kreuzplatz im Zentrum des kleinen Städtchens mit Tafel 1, auf der Dürrenmatts spezieller Dorfplan von Konolfingen verewigt ist. Vorbei an seinem Elternhaus, dem Pfarrhaus am Kirchweg, dem Friedhof, dem Schulhaus und der Ebene mit dem sauren Klee geht es hinauf in den Wald zum Predigweg und zum Aussichtspunkt Rütteli, der einen herrlichen Blick auf die Alpen und das Aaretal freigibt. Hier befindet sich Tafel 10 mit Dürenmatts Schweizerpsalm. Auf dem Rückweg Richtung Stalden befindet sich die letzte Tafel (15) mit Dürenmatts Federzeichnung „Die beiden Tiere“.Aussicht Häutligen

Die meisten Texte auf den Tafeln stammen aus dem Spätwerk „Labyrinth, Stoffe I–III“. 1935 zog die Familie Dürrenmatt nach Bern: „Mit vierzehn Jahren musste ich das Dorf verlassen, mein Vater nahm eine Stelle in der Stadt an. Aus dem Übersichtlichen, aus den vertrauten Schleichwegen in den Kornfeldern, Tennen und Wäldern, verirrte ich mich ins Unübersichtliche, aus dem es keinen Weg nach außen mehr gab. Das Labyrinth wurde Wirklichkeit“, ist auf Tafel 5 zu lesen.Frühling_2

INFO

Adresse Kreuzplatz, CH-3510 Konolfingen. Anreise: Ab Bern Bahnhof S2 bis Bahnhof Konolfingen (Fahrtzeit ca. 20 Minuten). Die Wanderzeit beträgt etwa 2,5 Stunden, der Weg ist von A bis Z ausgeschildert.

Tipp Sonntagsbrunch (10-14 Uhr) auf Schloss Hünigen in Konolfingen.

Schloss Hünigen
Schloss Hünigen

Emmentaler Mords- und Spukgeschichtenweg

Wandern mit Krimi- und Gruselgeschichten am Ohr

Mit seiner mystischen Landschaft aus Hügeln, dunklen Tannenwäldern, schattigen Schluchten, windgepeitschten Höhen und abgelegenen Höfen liefert das Emmental Kriminalautoren aus der Region immer wieder neuen Stoff. Ganz besonders an grauen trüben Tagen, bei Nebel, Nieselwetter und Rabengeschrei oder an Stellen, an denen die Emme einem rauschenden Wildbach ähnelt, ist die Kulisse für Mord- und Spukgeschichten perfekt. Dank eines Themenweges kann man die Kurzkrimis und Gruselgeschichten seit Juni 2012 nun auch am Schauplatz des Grauens per Smartphone zum Festnetztarif auditiv erleben.

Auf ausgeschilderten Wanderwegen zwischen Escholzmatt und Burgdorf sowie Eggiwil und Wasen wurden an verschiedenen Aussichtspunkten insgesamt zwanzig Ruhebänke zu Hörbänken umfunktioniert oder neu aufgestellt. Auf jeder Bank befindet sich eine Hinweistafel mit dem Titel der Geschichte und ihrem Code, einer Telefonnummer, sowie einer Anleitung. Die skurrilen, schauderhaften und kriminellen Geschichten, die aus dem Buch „Mordsgeschichten aus dem Emmental“ stammen sind zwischen 15 und 65 Minuten lang.

Jeder Standort hat seinen eigenen spannenden Kurzkrimi wie zum Beispiel über einen Pfarrer und einen Dorfarzt, die mehr Dreck am Stecken haben, als manch einer glaubt, einen ruhelosen Frauenmörder, eine verhängnisvolle Internet-Affäre oder einen Kommissar mit untrüglichem Bauchgefühl. Es geht in den Erzählungen aber nicht nur um Verbrechen, Mord und Totschlag, sondern auch um Spuk und ruhelose Geister.DSC_6884

Ich stehe vor einer Bank am Ortseingang Lützelflüh. Dort, wo eine Holzbrücke die Emme überquert. Der Tag ist trüb und grau, über den Bergen hängt Nebel. Düster liegt die Brücke vor mir und außer dem Rauschen der Emme ist nichts zu hören. „Das richtige Szenario für einen Krimi“, denke ich. Ich wähle die Telefonnummer, gebe den Code der Geschichte „Im Netz gefangen“ ein und höre gleich darauf zwei schrille markerschütternde Schreie, gefolgt von dem Satz „Grüessech. Viel Vergnüege off’m Ämmitaler Mords- und Spukg’schichte’wäg“. Während ich der Erzählung folge, laufe ich auf die Brücke und schaue in den reißenden Strom der Emme, die aufgrund der Regenfälle der vergangenen paar Tage Hochwasser hat. Die Geschichte ist ungemein spannend und für diese Umgebung perfekt ausgewählt. Wäre es nicht so kalt und ungemütlich, würde ich zur nächsten Bank weiter wandern und mir noch eine Geschichte anhören. So aber marschiere ich im Nieselregen zum Bahnhof und setze mich in den warmen Zug zurück nach Bern.DSC_6879INFO

Der Mords- und Spukgeschichtenweg kann das ganze Jahr über begangen werden. Je nach Witterung kann es jedoch passieren, dass einzelne Abschnitte wegen Schnee oder Hochwasser der Emme vorübergehend geschlossen werden.

Adresse Wo man den Mords- und Spukgeschichtenweg betreten möchte, entscheidet man selbst. Alle Etappen lassen sich zu Fuß bewältigen. Auf www.emmental.ch/mord gibt es eine Detailkarte mit allen Hörbänken, die sich alle in der Nähe von Bus- oder Bahnhaltestellen befinden.

111 Erker, eine Spitzengeschichte und ein verärgerter Abt

St. Gallens Altstadt ist ein Schmuckstück mit 111 prunkvoll verzierten Erkern, die Weltgewandtheit, Macht und Einfluss demonstrieren. Heerscharen griechischer Götter bevölkern Giebel und Torbögen. Spannende Geschichten und kuriose Details werden in bunten Bildern erzählt. Älter als die Erker ist die Textilbranche, deren Produkte noch heute über die Laufstege der großen Modemetropolen gehen.

„Wenn Sie mich noch nicht entdeckt haben, ich bin hier oben, direkt über Ihnen, auf dem Brunnen“, ruft mir der heilige Gallus ins Ohr. Ich schaue nach oben, aber da steht keiner. „Wenn Sie kurz warten wollen, steige ich zu Ihnen herab“, schlägt er vor. Zu mir herabsteigen? Das meint er nicht ernst, der Wandermönch, der im Jahr 612 mit dem Bau seiner Einsiedlerzelle den Grundstein für die Stadt und den Kanton St. Gallen legte. „Ist das hier nicht der Gallus-Brunnen?“ frage ich eine Passantin. Nein, das ist er nicht, erfahre ich. „Der Gallus-Brunnen steht dort drüben“. Dabei bin ich doch den Anweisungen des Audioguides gefolgt – glaube ich zumindest.

Gallusbrunnen.
Gallusbrunnen.

Bildquelle Gallusbrunnen: Zoover.

Zweiter Versuch. „Psst, leise“, flüstert mir der Heilige zu, als ich die Kathedrale betrete. Der helle Innenraum soll mit malachitgrünem und lehmgelbem Stuckgeschnörkel verziert sein. „Bodenseebarock“, sagt die Stimme auf dem Audioguide, die sich mit Gallus abwechselt. Ich sehe allerdings kein Malachitgrün, sondern nur blau verzierte Decken. Auch die Kuppel, die nun beschrieben wird, sehe ich nicht. „Ist das tatsächlich die Kathedrale?“, frage ich mich. Nein, das ist die Laurenzenkirche, finde ich wenig später heraus. Es ist hoffnungslos. Ich komme mit dem Audioguide nicht klar und bringe ihn ins Tourist Office zurück. Am nächsten Morgen nehme ich an einer Stadtführung teil.St. Gallen

Die Führung beginnt mit den berühmten Erkern der Altstadt. Gleich 111 gibt es, wobei keiner dem anderen gleicht. Im Mittelalter galt der Vorbau am Haus als Statussymbol. Textilkaufleute und reiche Bürger ließen sich Erker an ihre Häuser bauen, um damit anzugeben. Je pompöser die Verzierungen, desto wohlhabender galt der Bewohner des Hauses. Die exotischen Motive sollten ihre auf Reisen erworbene Weltkenntnis zeigen. Schadenfreude spielte dabei natürlich auch eine Rolle, denn die Fratzen auf den Erkern, die ihre Zunge herausstrecken, sollten den Nachbarn und Geschäftskonkurrenten in non-verbaler Kommunikation vermitteln: „Ich bin ein weit Gereister. Ich bin reich. Ätsch, ich habe mehr erreicht als du!“

Die Botschaft an den Nachbarn: "Ätsch, ich bin reicher als du!" Selbst die Engel haben einen schadenfreudigen Ausdruck im Gesicht.
Die Botschaft an den Nachbarn: „Ätsch, ich bin reicher als du!“ Selbst die Engel haben einen schadenfreudigen Ausdruck im Gesicht.

Einer der schönsten ist der zweigeschossige Erker am Haus zum Pelikan aus dem Jahr 1708 in der Schmiedgasse 15. Der goldene Pelikan thront auf dem Dach des Erkers. Beim Blick hinauf erkennt man auf den äußeren vier Brüstungsfeldern die vier Kontinente Europa, Afrika, Asien und Amerika. Australien fehlt, denn zu Beginn des 18. Jahrhunderts war es noch nicht entdeckt. Die vier Erdteile symbolisieren die Menschheit.

Europa und Asien zwischen zwei Fratzen.
Europa und Asien zwischen zwei Fratzen.

Europa ist durch eine reich gekleidete, gekrönte Frau dargestellt, die ein Zepter in der rechten Hand hält und auf einer Pferdekutsche thront. Ein knapp bekleideter Indianer mit Federschmuck und einem Papagei in der Hand symbolisiert Amerika. Er sitzt in einem Wagen, der von zwei Hunden gezogen wird. Asien wird von einer üppig bekleideten Frau mit Turban und Rauchgefäß repräsentiert, vor deren Wagen zwei Kamele gespannt sind. Für Afrika steht ein spärlich bekleideter Mann, der in der linken Hand einen Sonnenschirm hält und sich mit der rechten auf einen Köcher mit Pfeilen stützt. Sein Wagen wird von zwei Löwen gezogen. Zwischen Europa und Asien sind zwei Fratzen angebracht, die ihre Zunge herausstrecken. „Ätsch, ich war schon auf allen vier Kontinenten unterwegs“, lautete wohl die Botschaft des Erbauers.

Die Spisergasse mit dem Kamelerker.
Die Spisergasse mit dem Kamelerker.

Die erkerreichste Gasse der Stadt ist die spätgotische Spiser-Gasse. An Nummer 22 befindet sich der monumental geschnitzte Kamelerker aus dem Jahr 1720. Von Kamelen fehlt hier jedoch jede Spur und der Vorbau wirkt an dem Haus wie ein Fremdkörper. „Ursprünglich war er an einem Kaufhaus in der Marktgasse angebracht, das 1919 jedoch abgerissen wurde“, erklärt die Stadtführerin. Vor dem Abriss wurde der Erker entfernt, zerlegt und eingelagert. Da wo der erste Teil des Erkers zu Ende ist, befand sich früher ein großes Zwischenstück, das einen Kameltreiber mit zwei Kamelen am Zügel zeigte. Weil man in der Altstadt für diesen monumentalen Erker aber keinen Platz fand, wurde das Zwischenstück im Historischen Museum untergebracht und die restlichen zwei Drittel 1986 an Haus Nummer 22 angebracht.

Teil des Kamelerkers.
Teil des Kamelerkers.

Durch das viele Hinaufschauen zu den Erkern vergesse ich meine Umwelt, stolpere über irgendwelche Gegenstände, haue mir den Knöchel an, trete einem Mann auf die Füße, remple unabsichtlich Leute an und bin einer Genickstarre nahe. „Hier liegen die Sehenswürdigkeiten so hoch, dass eine Stadtbesichtigung auf Stelzen nicht schlecht wäre“, meint jemand aus der Gruppe.

Wir gehen zur erkerärmeren Multergasse, aber auch hier befindet sich die Hauptsehenswürdigkeit ein paar Meter über dem Boden. Die Multergasse gilt als Jugendstilgasse St. Gallens. Hier bauten die Textilbarone Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Geschäftshäuser. Zu jener Zeit wurden 50 Prozent der Weltstickerei in St. Gallen produziert. An der Ecke zur Neugasse steht das 1903 erbaute Haus zur Waage. Über den Fenstern des zweiten Obergeschosses befinden sich fünf Köpfe, von denen jeder einen Kontinent verkörpert.

Haus zur Waage: Europa blickt nach Amerika.
Haus zur Waage: Europa blickt nach Amerika.

Afrika, Asien, Amerika und Australien blicken auf die Multergasse, der Kopf, der Europa symbolisiert, befindet sich auf der Seite der Neugasse. Er blickt Richtung Westen, nach Amerika – hin zu den guten Kunden aus den USA. Neben dem europäischen Kopf befindet sich linke eine Eule, die Athene, die Göttin der Weisheit symbolisiert, die auch als Erfinderin der Textilkunst gilt. Rechts ist der Fuchs, der Schlauheit symbolisiert.

Dank der Textilkunst befand sich St. Gallen damals auf dem Weg zu einer Weltstadt und wurde zeitweise als Vorort New Yorks bezeichnet. Diese Zeiten sind längst vorbei, dafür verarbeiten Chanel, Dior, Armani und andere große Designer die weltberühmten Spitzen und Stickereien in ihren Kreationen. Michelle Obama trug zur Amtseinführung ihres Mannes 2009 St. Galler Stickerei, Camilla trug sie bei ihrer Hochzeit mit Prinz Charles.

Michelle Obama trägt St. Galler Stickerei.
Michelle Obama trägt St. Galler Spitze.

Schlau wähnten sich das katholische Kloster und die reformierte Stadt St. Gallen, als sie sich im 16. Jahrhundert auf Grenzen innerhalb der Stadt festlegten. Dabei wurde das Kloster samt seinem Gebiet aus dem übrigen Stadtgebiet ausgeschieden und zwischen Stadt und Abtei 1567 eine Trennmauer, die sogenannte Schiedmauer, errichtet, die den Stiftsbezirk zur ummauerten klösterlichen Enklave inmitten der Stadtrepublik St. Gallen machte.

Überreste der Schiedmauer, die einst den Stiftsbezirk von der Stadt trennte.
Überreste der Schiedmauer, die einst den Stiftsbezirk von der Stadt trennte.

Nun gab es ein Problem. Hier war die Stadtmauer, dort die Schiedmauer und nur ein Tor, aus dem der Abt hinaus konnte. Er musste durch die reformierte Stadt marschieren, um wieder in sein Kloster zu gelangen. Darüber ärgerte er sich und verlangte von der Stadt sein eigenes Tor. Dieses wurde als Karlstor 1570 errichtet. Das Tor mit dem monumentalen Sandsteinrelief ist das einzige der acht Stadttore, das noch erhalten ist.

Sandsteinrelief auf dem Karlstor.
Sandsteinrelief auf dem Karlstor.

INFO

Allgemeine Informationen: St. Gallen-Bodensee Tourismus

Übernachtung: Hotel Einstein, mitten in der Altstadt, Berneggstr. 2, Radisson Blu, St. Jakob Str. 55.

Anreise: Mit dem Zug bis Zürich, ab Zürich 1 Stunde bis St. Gallen.

Tipp: St. Galler Festspiele Mitte Juni bis Anfang Juli. Während der Festspiele werden Klosterhof und Kathedrale zur Kulisse für Opernraritäten.

Die Autorin war auf Einladung von St. Gallen-Bodensee Tourismus in St. Gallen.

Festspielbühne St. Gallen
Festspielbühne St. Gallen

Oberwaid – Oase für Körper, Geist und Seele

Das Kurhaus und Medical Center in St. Gallen gleicht einem Luxushotel mit allem Drum und Dran. Mit einem neuen Gesundheits- und Wellnesskonzept bietet das Haus dreitägige Kuren zum Kennenlernen an.

Sanft dringen die Töne des zeitlosen Klassikers „The very thought of you“ durch das modern gestaltete Atrium, das sich über vier Etagen erstreckt. Das Glasdach gibt einen Blick auf den strahlend blauen Himmel frei. Außer dem Mann am Klavier befinden sich nur wenige Gäste in der Lobby. Die meisten sitzen an diesem sonnigen Nachmittag bei Tee und Kaffee auf der Terrasse, die an den hauseigenen Park grenzt.

Die riesigen Leuchtkugeln im Atrium spiegeln sich bei Dunkelheit im Glas um ein Mehrfaches wider.
Riesige Leuchtkugeln, spiegeln sich bei Dunkelheit im Glas um ein Mehrfaches wider.
Lobby in der Oberwaid.
Park Oberwaid
Von der Hotellobby blickt man direkt in den Park mit Blumen und altem Baumbestand.

Ich bin auf dem Weg zu meinem Personal Training im ersten Untergeschoss. Da das Gebäude in Hanglage liegt, verfügen alle Teile der Spa-Anlagen in den Untergeschossen sowie auch die Fitness- und Gymnastikräume über Tageslicht. Frau Schumacher, die Physiotherapeutin, empfängt mich herzlich und weist mir eine Matte zu. Im Sitzen besprechen wir kurz mein Rückenproblem (Schmerzen im Bereich L5/S1) und schon geht es mit den Übungen los. Nach einer dreiviertel Stunde kenne ich vier neue Übungen zur Bauchkraft, drei zur Mobilisation und drei zum Dehnen. Frau Schumacher skizziert jede Übung auf einem Blatt, das sie mir nach einem Abschlussgespräch überreicht.

Nach dem Personal Training mache ich einen Spaziergang durch den weitläufigen Park, wandere hinauf zur Mariengrotte, die noch aus den Tagen der alten Oberwaid stammt und genieße die Ruhe und den Blick auf den Bodensee und die Berge.

Die Mariengrotte im Park der Oberwaid ist in einen Erdwall hineingebaut und von Bäumen und Sträuchern umgeben.
Die Mariengrotte im Park ist in einen Erdwall hineingebaut und von Bäumen und Sträuchern umgeben.

Das Kurhaus hat eine lange Geschichte. Mitte des 19. Jahrhunderts gründete der mecklenburgische Apotheker, Heilpraktiker und Pionier der vegetarischen Ernährung Theodor Hahn die Kuranstalt Untere Waid, eine Heilanstalt für Wasser, Diät und Bewegung. Er verkaufte das Grundstück ein paar Jahre später und gründete auf der angrenzenden Oberen Waid das Kurhaus Oberwaid. 1931 übernahmen die Ordensschwestern aus Baldegg das Kurhaus und führten es bis Ende 2008. Das Grundstück wurde anschließend verkauft, das alte Gebäude abgerissen und die neue Oberwaid entstand in zweijähriger Bauzeit. Große Tafeln im Eingangsbereich informieren über die Geschichte der alten Oberwaid.Geschichte der Oberwaid

Das im November 2012 eröffnete Kurhaus hat die Form des Taukreuzes, das mit seinen drei Armen für Offenheit und Harmonie von Körper, Geist und Seele steht.Das Gebäude der Oberwaid hat die Form des Taukreuzes.

Die Kur in der Oberwaid richtet sich gezielt an Men­schen mit Stress, Überlastung, chro­nischer Erschöpfung, Übergewicht, Herz-­Kreislauf­-Problemen, Diabetes, chronischen Rückenschmerzen, Allergien und Magenkrankhei­ten. Sie ruht auf den drei Säulen der Gesund­heit, die sich schon seit Jahrhunderten bewähren: Bewegung, Ernährung und geistige Motivation. Im Durchschnitt bleiben die Kurgäste zwei bis drei Wochen. Die Oberwaid bietet jedoch auch Dreitagespakete an.

Tau-Spa-Suite in der Oberwaid.
Tau-Spa-Suite. Copyright: Oberwaid Kurhaus&Medical Center.

Lohnt sich eine Dreitageskur überhaupt? „Um eine Idee zu bekommen auf jeden Fall“, sagt Dr. Dorethee Riescher, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Leiterin des Medical Center. „Die drei Tage sind allerdings kein Erholungsaufenthalt, sondern relativ eng mit Terminen bestückt um ein gründliches Check-up zu machen, so dass wir dem Gast sagen können, wo es Probleme im Gesundheitszustand gibt und wo man angreifen müsste. Zur Dreitageskur kommen vor allem Menschen, die allgemein fitter werden wollen. Im Fokus stehen Ernährung und Herz-Kreislauf-Probleme mit Bluthochdruck“. Neben den Dreitageskuren bietet die Oberwaid zudem relativ günstig die 3-Tages-Starterpakete Leichter Leben, Stressfreier Leben und Aktiver Leben an (siehe INFO unten).

Außenbad in der Oberwaid.
Außenbad. Copyright: Oberwaid Kurhaus&Medical Center.

In der Küche werden die neuesten Erkenntnisse der Ernährungswissenschaften nach dem Konzept der Smart Cuisine umgesetzt. Verwendet werden nach Möglichkeit Produkte aus der nahen Umgebung. Gäste können in den beiden Restaurants Parkblick und Seeblick, die übrigens auch für die Öffentlichkeit zugängig sind, zwischen 3- bis 5-Gänge Menüs wählen. Besondere Wünsche werden berücksichtigt. Ich bin Vegetarierin mit Ei- und Weizenallergie und eigentlich zu 90 Prozent Veganerin. Kein Problem. Der Küchenchef stellt mir ein leckeres Menü zusammen. Neben mir am Tisch sitzt eine ältere Dame, mit der ich ins Gespräch komme. Sie ist für zwei Wochen hier um abzunehmen. Auf ihrem Teller hat sie das „Leichter-Leben-Menü“. „Es hat nur 500 Kalorien, ist abwechslungsreich und macht wunderbar statt“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mit so wenigen Kalorien tatsächlich satt werde!“

Hamam. Copyright: Oberwaid Kurhaus&Medical Center.

Am nächsten Vormittag steht „bewusste Auszeit“ auf dem Programm – Zeit, für eine Massage. Ich bitte den Masseur, sich vor allem auf meine Schultern zu konzentrieren, da diese vom ständigen Sitzen und Schreiben sowie Schleppen von schwerer Kameraausrüstung und Gepäck ständig verspannt sind. Nach knapp einer Stunde Massage im Schulter- und Nackenbereich fühle ich mich wie auf Wolken – sämtliche Verspannungen sind verschwunden. „Sie sollten jetzt noch in den Hamam gehen, das verstärkt die Wirkung der Massage“, rät mir der Masseur. Ich entscheide mich dagegen, denn das Wetter ist schön und ich möchte unbedingt ins Stadtzentrum von St. Gallen fahren.

Mein Zimmer in der Oberwaid.
Mein lichtdurchflutetes Zimmer in der Oberwaid.

Als ich am letzten Abend auf meinem geräumigen Balkon sitze, die letzten beiden Tage Revue passieren lasse und auf den Bodensee hinunter blicke kann ich verstehen, warum es viele Schriftsteller und Künstler im frühen 20. Jahrhundert immer wieder in Schweizer Sanatorien zog.

Blick vom Balkon meines Zimmers in der Oberwaid auf den Bodensee.
Blick vom Balkon meines Zimmers in der Oberwaid auf den Bodensee.
Gleich hinter dem Park der Oberwaid gibt es herrliche Spazierwege.
Gleich hinter dem Park der Oberwaid gibt es herrliche Spazierwege.
Umgebung der Oberwaid.
Die malerische Umgebung der Oberwaid.

OberwaidINFO

Allgemeine Informationen: http://www.oberwaid.ch

Kur zum Kennenlernen für zwei Personen: 3 Tage mit Basis-Check-up, medizinischer Beratung, Wellness, Fitness inkl. Halbpension umgerechnet ca. 685 Euro (für 1 Person 450 Euro).

Allgemeine Informationen zu St. Gallen: st.gallen-bodensee.de

Die Autorin nahm auf Einladung vom Oberwaid Kurhaus&Medical Center an einer 2-Tages-Kur teil. Vermittelt wurde die Einladung von gesundheitsreise.de.

Wochenende in Bern – Entschleunigung garantiert!

In Bern regiert der Charme der Langsamkeit. Die Berner sprechen nicht nur langsamer als die übrigen Schweizer, sie sind auch viel gelassener. Hast und Hektik begegnen einem in der Schweizer Hauptstadt nicht. Die Berner genießen ihr Dasein und nehmen sich Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Wo sonst hätte Einstein unsere Vorstellungen von Raum und Zeit auf den Kopf stellen sollen wenn nicht im gemächlichen Bern?

Kramgasse
Kramgasse

In Bern geht alles einen Tick langsamer. Das ist wissenschaftlich bestätigt. Zumindest stellt das der britische Psychologie-Professor Richard Wiseman in seinem Buch „Quirkology – Die wissenschaftliche Erforschung unseres Alltags“ fest. Wiseman hat in einer Studie die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit in weltweit 32 verschiedenen Städten gemessen. Dabei wurde ermittelt, wie viel Zeit Passanten benötigen, um zu Fuß eine Strecke von 18,29 Metern zurückzulegen. Bern landete auf dem drittletzten Platz, vor Bahrain und Malawi. Sprachwissenschaftler der Universität Bern fanden heraus, dass die Berner deutlich langsamer sprechen als der Rest der Schweizer.

Bern
Café in der Gerechtigkeitsgasse

„Berner sind nicht langsam, sondern in Bern wird entschleunigt, das ist ein Unterschied“, sagt Bern Tourismus-Direktor Markus Lergier und Verkehrsplaner Hugo Staub bekräftigt: „Wenn man sich die Langsamkeit leisten kann und dennoch rechtzeitig ans Ziel kommt, dann ist das doch Lebensqualität pur!“

Berner Münster
Blick aufs Berner Münster

„Da ist auf jeden Fall etwas Wahres dran, meint Andy Keller, Chefredakteur des in Bern beheimateten Globetrotter-Magazins und fügt hinzu: „Ich stamme ja ursprünglich aus Zürich und kann gut vergleichen. Zürich, das ist Weltoffenheit, Internationalität, Urbanität, Tempo, Geschäftigkeit etc. Bern ist eher behäbig, viel ruhiger als Zürich, ländlicher, kleiner. Man muss sehen, dass der Kanton Bern eigentlich ein Landwirtschaftskanton ist mit vielen Bauern. Heute noch kommen die Bauern jeden Samstag auf den Markt und verkaufen Ihre Waren, Früchte, Gemüse etc. vor dem Bundeshaus. Nur 15 Minuten von der Stadt gibt es uralte Bauernhäuser, zum Beispiel Emmental, und du fühlst dich um 200 Jahre zurückversetzt. Mach im Sommer eine Wanderung auf den Napf mit wunderbarer Aussicht aufs Emmental und die halbe Schweiz. Du kannst oben übernachten. Das ist die Schweiz wie zur Zeit des Dichters Jeremias Gotthelf. Der Berner Dialekt hat auch zum Mythos der Langsamkeit beigetragen. Hier spricht man viel langsamer als in Zürich. Die Berner sind insgesamt einfach gemütlicher und wohl auch gelassener“.

ZytgloggeNicht so der Hahn am Zytgloggeturm. Er hat es eilig. Flügelschlagend kräht er bereits vier Minuten vor der vollen Stunde, woraufhin sich ein Zug grimmig aussehender Bären in Bewegung setzt und seine Runde dreht. Ein rot gekleideter Narr nutzt seine Narrenfreiheit und schellt an zwei Glocken. Der Hahn kräht ein zweites Mal als die Bären im Turm verschwinden. Chronos, der Gott der Zeit, dreht seine Sanduhr und hebt das Zepter zum Kommando des Stundenschlags. Das ist das Zeichen für den goldenen Ritter Hans von Thann, der nun zum Takt des schwingenden Zepters mit einem Hammer an die große Glocke schlägt. Um sicherzugehen, dass die Anzahl der Schläge auch stimmt, zählt Chronos mit. Mit jedem Schlag öffnet er seinen Mund. Als der letzte Glockenschlag verstummt kräht der Hahn zum dritten Mal und verkündet die neue Stunde. Damals tickten sämtliche Uhren in Bern nach dieser Zeitangabe. Unter der riesigen Turmuhr befindet sich eine astronomische Uhr, die den Tag, Monat, Tierkreis und die Mondphasen angibt.

Uhrwerk Zytglogge
Uhrwerk im Zytgloggeturm

Meine Stadtführerin hat einen Schlüssel für den Turm und so habe ich die Gelegenheit, mir den Mechanismus des Monumentaluhrwerks, das der Waffenschlosser Kaspar Brunner zwischen 1527 und 1530 errichtete, aus der Nähe anzusehen. Die Ausmaße des Uhrwerks sind gewaltig. Räder, Hebel, Draht- und Seilzüge greifen harmonisch ineinander und es ist erstaunlich, dass nach fast 500 Jahren noch alles einwandfrei läuft. Ich steige weiter hinauf in den Turm von wo ich einen spektakulären Panoramablick über die Gassen und Dächer der Altstadt habe. Der Himmel ist klar und gibt einen Blick auf die Berner Alpen Eiger, Mönch und Jungfrau frei.

Bern
Blick vom Zytgloggeturm auf die Alpen

Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel in der Aare. Goethe hat sie einst nach einem Spaziergang die schönste Stadt der Schweiz genannt. Seit 1983 gehört sie zum UNESCO-Welterbe. Das historische Zentrum beginnt an der Heiliggeistkirche am Bahnhofplatz, wo mit der Spitalgasse eine der längsten Einkaufspromenaden Europas ihren Anfang nimmt. Auf sechs Kilometern stehen Häuser und Paläste mit Arkaden, unter denen sich Läden, Boutiquen, Confiserien, Restaurants, Cafés, Lebensmittelgeschäfte und Einkaufszentren befinden.

Bern
Dächer der Berner Altstadt

Ein Einkaufsbummel bei Regen ist Dank der Lauben kein Problem. Man bleibt trocken. Unter den Arkaden geht es geschäftig zu, jedoch ohne eine Spur von Hektik und Stress. Einheimische und Touristen sind zum Einkaufen unterwegs. Keiner hastet, keiner drängelt. Die Gelassenheit der Berner scheint auf die Touristen abzufärben. Auch ich schalte einen Gang herunter und bewege mich viel langsamer vorwärts als sonst.

Bern
Laubengang in der Gerechtigkeitsgasse

Die Arkadengänge werden nur unterbrochen, wenn die eine Gasse in eine andere mündet. So führt die Spitalgasse in die Marktgasse, die am Zytgloggeturm endet. Ich durchschreite das Tor und bin in der Kramgasse, wo der Zähringerbrunnen steht, einer der elf Figurenbrunnen der Stadt, die zwischen 1542 und 1549 geschaffen wurden. Der Brunnen soll an Herzog Berchtold V. von Zähringen erinnern, den Gründer Berns. Der Legende nach wollte der Herzog die Stadt nach dem ersten von ihm erlegten Tier benennen. Es war ein Bär, den er 1191 in dem neu gegründeten Ort erlegte. Aus Bär wurde Bärn und schließlich Bern. Das Standbild auf dem Brunnen zeigt einen aufrecht stehenden Bären mit Spangenhelm. In der rechten Pranke hält er ein rotes Banner mit einem goldenen Löwen, das Berner Zähringerwappen.

Zähringerbrunnen
Zähringerbrunnen

Der originellste und meistfotografierte Figurenbrunnen ist jedoch der Kindlifresserbrunnen am Kornhausplatz. Die Figur des Kindlifressers ist von acht gefangenen Kindern umgeben. Einige hängen an einem Riemen, andere stecken in einem Sack, eines stopft er sich gerade in seinen Schlund. „Wenn unsere Kinder nicht brav sind, drohen wir ihnen mit dem Kindlifresser“ höre ich eine Bernerin hinter mir sagen.

Kindlifresser
Kindlifresserbrunnen

In der Kramgasse 49 befindet sich das Einstein-Haus, wo Albert Einstein in den Jahren 1903 bis 1905 wohnte. Damals war er Beamter beim Schweizer Patentamt. Er selbst nannte seine Stelle „technischer Experte dritter Klasse“. In einem Brief an einen Freund schrieb er: „Mir geht es gut. Ich bin eidgenössischer Tintenscheißer mit ordentlichem Gehalt. Daneben reite ich auf meinem alten mathematisch-physikalischen Steckenpferd und fege auf der Geige – beides in engen Grenzen, welche mir mein zweijähriger Bubi für derlei überflüssige Dinge gesteckt hat“.

Einstein-Haus

In diesen „engen Grenzen“ verfasste er die erste Abhandlung über die Relativitätstheorie. Heute befindet sich in seiner ehemaligen Wohnung im 2. Stock ein kleines Museum, das Bilder, Dokumente und Möbel aus seiner Berner Zeit zeigt. Einen umfangreicheren Einblick in sein Leben und seine wissenschaftliche Arbeit gewährt das Einstein-Museum im Historischen Museum am Helvetiaplatz.

Einstein-Museum am Helvetiaplatz
Einstein-Museum am Helvetiaplatz

Die Kramgasse und ihre Verlängerung, die Gerechtigkeitsgasse, waren im Mittelalter die Hauptachse der Stadt. Sie dienten als Marktplatz und Gerichtsort. Im Zentrum der Straße steht der Gerechtigkeitsbrunnen aus dem Jahr 1543. Auf der Brunnensäule steht Justitia mit verbundenen Augen, in der einen Hand das erhobene Richtschwert, in der anderen die Waage. Zu ihren Füßen sitzen untertänig Papst, Kaiser, Sultan und König mit ehrfürchtig geschlossenen Augen.

Justitia

Die Gasse führt zur Nydeggbrücke. Auf der anderen Seite der Brücke liegt der Bärengraben. Seit 1513 halten die Berner ihr Wappentier in einem Graben. Dieser wurde 2009 um 6.000 Quadratmeter zum Bärenpark am Aareufer erweitert. Derzeit leben dort die drei Braunbären Björk, Finn und Ursina. Sie haben heute jedoch keine Lust sich zu zeigen, auch wenn ein paar italienische Touristen noch so sehr nach ihnen schreien: „Orsi, ma dove siete?“ (Bären, wo seid ihr nur?).

Bärenpark Bern

Ich laufe an der Aare entlang zum Schwellenmätteli, wo ein Riverside-Lunch auf mich wartet. Die riesige Terrasse des Restaurants erstreckt sich weit über das Wasser hinaus. Mein Tisch liegt direkt an einem kleinen Wasserfall. Hinter mir höre ich das Rauschen des Wassers, vor mir habe ich eine einzigartige Sicht auf die Kulisse der Altstadt, das Münster und das Bundeshaus. Ewig möchte ich hier verweilen. Die Terrasse ist gut besucht. Die Gäste genießen die letzten warmen Sonnenstrahlen des Herbstes. Von der Kellnerin erfahre ich, dass im November auf dem hinteren Teil der Terrasse eine Fondue-Hütte aufgestellt wird, in der an langen Holztischen bis zu 100 Personen Platz haben.

Schwellenmätteli
Terrasse des Schwellenmätteli

Nach dem Essen marschiere ich über die Kirchenfeldbrücke in die Altstadt zurück. Auf dem Bundesplatz war am Morgen Markt und die letzten Marktstände werden gerade abgebaut. Imposant ragt das Bundeshaus, Sitz der Schweizer Regierung, vor mir auf. Das Gebäude wurde zwischen 1852 und 1902 im Stil florentinischer Paläste des 15. Jahrhunderts errichtet.

Bundeshaus
Bundeshaus

Von der Bundesterrasse hinter dem Palast habe ich einen herrlichen Blick über die Aare und die Stadtbezirke auf der anderen Seite des Flusses.

Bern

Am Abend findet das Lichtspektakel „Rendez-vous Bundesplatz“ statt. Fröstelnd stehe ich mit mehreren hundert großen und kleinen Bernern auf dem Platz und schaue zu, wie sich nach Anbruch der Dunkelheit das Bundeshaus in ein Schloss der Legenden verwandelt.

Rendez-vous Bundesplatz
Copyright Rendez-Vous Bundesplatz

Der imaginäre König der Schweiz will seine Tochter Helvetia mit dem besten Armbrustschützen der Nation, Willhelm Tell, verheiraten. Doch diese ist in einen kleinen Uhrmacher verliebt. Im Laufe des Spektakels tauchen in mehr als einem Dutzend unterschiedlicher Szenarien Schweizer und Berner Legenden auf und die Fassade des Bundeshauses verwandelt sich in Paläste der verschiedensten Art in den herrlichsten Farben. Von dem Märchen verstehe ich allerdings nicht viel, denn es ist auf Berndeutsch.

Lötschberg Bern
Lötschberg

Durchfroren komme ich im Lötschberg, dem Schweizer Spezialitätenrestaurant in der Zeughausgasse, an. Das Ambiente ist eine Mischung zwischen urban und rustikal. An den Wänden sind stilvolle runde Regale mit Weinen angebracht. 218 verschiedene Schweizer Weine, wie mir die Kellnerin versichert. Das Publikum besteht vorwiegend aus Studenten und jungen Familien. Lediglich ein Mitvierziger sitzt mit einer Zeitung an einem Tisch in der Ecke. Auf der Speisekarte stehen Raclette, Fondue, Rösti und andere Käsespezialitäten. Bei einem Raclette „for one“ und einem Rotwein aus Graubünden lasse ich den Abend ausklingen.

Bern
Blick auf die Tram vom Zytgloggeturm

INFO

Allgemeine Informationen: Bern Tourismus

Anfahrt: Mit der Bahn ab mehreren deutschen Städten, z.B. ab Mannheim Dauer 3 Stunden 20 Minuten.

Übernachten: Best Western Hotel Bern (4*), in der Zeughausgasse (nahe Zytgloggeturm) oder Hotel Kreuz (3*), ebenfalls Zeughausgasse.

Essen:

Schwellenmätteli, Dalmaziquai 11, aktuelle Öffnungszeiten auf der Website des Restaurants.  Fondue-Hütte bis Ende Februar Mittwoch bis Samstag ab 18 Uhr.

Lötschberg, Zeughausgasse 16, Montag bis Samstag 9-0.30 Uhr, Sonntag 11-23 Uhr.

TibitsMein Tipp: Tibits, über 40 vegetarische und vegane Gerichte, frisch gepresste Säfte, Weine und leckere Desserts. Am Bahnhofplatz (gegenüber Heiliggeistkirche), Montag bis Donnerstag 6.45-23.30 Uhr, Freitag bis 24 Uhr, Samstag 8-24 Uhr, Sonntag 9-23 Uhr (Brunch 9-14 Uhr).

 

Die Reise wurde von Bern Tourismus unterstützt.

Aareufer Bern
Aareufer

Aareufer