Januar 26

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Korbschlittenpartie von Monte nach Funchal

Von allen Verkehrsmitteln der Welt ist der Korbschlitten auf Madeira eines der einzigartigsten. Hemingway beschrieb die steile, fünf Kilometer lange Rutschpartie vom hochgelegenen Villenvorort Monte hinunter nach Funchal als eines der aufregendsten Erlebnisse seines Lebens.

Als ich die endlos lange Schlange an der Korbschlittenstation sehe bin ich froh, dass wir mit dem Taxi und nicht mit der Seilbahn hinauf nach Monte gefahren sind. So müssen wir heute nur einmal eine Stunde lang anstehen, denn die Warteschlange an der Seilbahnstation in Funchal war um einiges länger. Skeptisch schaue ich zu, wie sich die Korbschlitten langsam in Bewegung setzen und dann immer schneller werdend die Straße hinunter rasen. Sicherheitsgurte gibt es nicht und keine Stange, an der man sich festhalten kann. Ich blicke auf die steil abfallenden engen Straßen, die an beiden Seiten teilweise von Mauern umgeben sind. Mit dem Schlitten im Schnee einen Abhang hinunter zu rasen ist eine Sache, beim Überschlag landet man zumindest weich, aber im Korbschlitten auf glattem Asphalt, fast fünf Kilometer, teils kurvenreich, steil bergab, ist eine andere Sache.Korbschlitten

„Don’t worry“, sagt ein Engländer neben uns, als er meine skeptischen Blicke sieht. „Die Carreiros sind geübt darin zu schieben, zu lenken, zu ziehen und rechtzeitig zu bremsen, damit der Schlitten sicher unten ankommt“. Die Carreiros sind die weiß gekleideten Korbschlittenfahrer in den kreisrunden Strohhüten und Lederstiefeln mit Gummisohlen und starkem Profil. Als wir an der Reihe sind, ist mir trotzdem ein wenig mulmig. Mit beachtlicher Geschwindigkeit rast der mit Metallkufen bestückte Schlitten der Hauptstadt entgegen, so schnell, dass ich die Umgebung kaum registriere. Tatsächlich ein Erlebnis ohnegleichen. Am liebsten möchte ich gleich wieder nach Monte hoch und noch einmal mit dem Schlitten hinunter rasen.

Noch ist die Straße gerade, aber innerhalb von Sekunden geht es steil bergab.

Noch ist die Straße gerade, aber innerhalb von Sekunden geht es steil bergab.

Erfunden wurde der Korbschlitten im 19. Jahrhundert von einem britischen Geschäftsmann in Monte, den seine müden Beine erfinderisch machten. Der Weg hinunter nach Funchal in sein Handelskontor auf den engen, steilen Pflasterwegen war äußerst mühsam. Straßen gab es damals noch nicht auf Madeira, und für Pferd und Wagen waren die Wege aufgrund ihrer fast erdrückenden Enge und der Steilhanglage ungeeignet. Alte Menschen, Kranke und wohlhabende Reisende trug man in Hängematten oder Sänften von Monte in die Stadt hinunter. Der Korbschlitten oder „Carro de Cesto do Monte“, wie ihn die Einheimischen nennen, war deshalb als Transportmittel eine große Erleichterung. Wenn auch die Rutschpartie auf den gepflasterten Wegen viel länger dauerte als heute auf dem glatten Asphalt.

INFO

Die Korbschlittenstation liegt direkt unterhalb der Kirche „Nossa Senhora do Monte“. Die Fahrt kostet für zwei Personen 30 Euro. Günstige Reisen nach Madeira gibt es bei Neckermann Reisen.Korbschlitten

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