August 06

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Tuk-Tuk-Safari durch Lissabon

Tuk-Tuk-Safari durch Lissabon

Die dreirädrigen motorisierten Rischkas flitzen durch die engsten Gassen, fegen über Plätze und manövrieren sich geschickt an Marktständen und Straßencafés in autofreien Zonen vorbei. Als Fußgänger ist man ständig am ausweichen. Als ich 2010 zum letzten Mal in Lissabon war, gab es diese praktischen Gefährte noch nicht. Mittlerweile tummeln sich über 400 davon in der Stadt. Sehr zum Ärger der Taxifahrer. Seit ich das erste Mal in ein Lissabonner Tuk-Tuk gestiegen bin, bin ich süchtig. So billig das Taxi und so einzigartig die Fahrt in der historischen Tram auch ist, die frische Brise während der Fahrt bleibt mir verwehrt, das Taxi bleibt oft im Stau stecken, während das Tuk-Tuk laut hupend auf den Gehweg ausweicht und ich zudem nach allen Seiten hin fotografieren kann. Spontan buche ich deshalb bei Tania, die mich am Tag zuvor vom Zentrum zurück ins Hotel gefahren hatte, für den nächsten Morgen eine dreistündige Stadtrundfahrt.

Tania

Tania

Holprig und rasant geht es durch enge kopfsteingepflasterte Gassen hinauf zur über 1000 Jahre alten Festungsanlage Castelo de São Jorge.

Castelo de Sao Jorge

Castelo de Sao Jorge

„Das Castelo ist der beste Einstieg in die Stadt, denn von der Burg aus hast du ein grandioses Rundumpanorama über Lissabon und den Tejo“, erklärt Tania. Sie hat nicht zu wenig versprochen.

Blick vom Castelo auf die Unterstadt und den Tejo.

Blick vom Castelo auf die Unterstadt und den Tejo.

Auf dem Weg hinunter in die Baixa (Unterstadt) stoppt sie an der Aussichtsterrasse Miradouro de Santa Luzia, von der man einen einmaligen Blick über das Dächermeer von Alfama hat.

Lissabon

„Du warst noch nie in Alfama?“ sagt Tania erstaunt, wendet das Tuk-Tuk und fährt in den ältesten Stadtteil Lissabons, ein Wirrwarr aus winzigen Gassen, kleinen Plätzen und steilen Treppen.

Aussichtsterrasse

Aussichtsterrasse Miradouro de Santa Luzia.

Sie rast durch die Gassen und über die Plätze, als wäre weiß Gott wer hinter ihr her und erzählt mir dabei ihre Geschichte. Als studierte Mathematikerin hat sie zehn Jahre lang als Marketing Consultant bei einer großen Firma gearbeitet und gut verdient. Bis sie Anfang des Jahres keine Lust mehr dazu hatte und den lang gehegten Traum eines eigenen Boutique-Hotels verwirklichen wollte. Sie bekam von ihren Eltern, die Land im Norden Portugals besitzen, 80.000 Quadratmeter mit einem 300 Jahre alten Farmhaus. Aus dem Land möchte sie eine Biofarm mit Blaubeeren machen, aus dem Farmhaus ein kleines Hotel. Die Renovierung ist bereits in vollem Gang. Da sie gegenüber den Behörden allerdings Erfahrung im Tourismus vorweisen muss, fährt sie seit Mai 2015 Tuk-Tuk.

Selbst neben der historischen Tram klappt das Überholmanöver.

Selbst neben der historischen Tram klappt das Überholmanöver.

„Ich liebe diesen Job, auch wenn er ziemlich anstrengend ist – besonders das Bergauffahren geht ganz schön in die Arme“, sagt sie lachend. „Beim Herumkutschieren der Touristen erfahre ich sehr viel über deren Länder und kann meine Fremdsprachen Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch anwenden“.

Der Lissabonner Triumphbogen.

Der Lissabonner Triumphbogen.

Wir haben Alfama verlassen und fahren durch den prächtigenTriumphbogen „Arco da Rua Augusta“ zur Praça do Comércio, den Handelsplatz. Die sonnengelben Gebäude rings um den Platz sind in der Form eines Hufeisens angeordnet, das sich zum Tejo hin öffnet. Im 18. und 19. Jahrhundert war der Platz Knotenpunkt des Handels, heute dient er diversen Veranstaltungen.

Praca do Comercio.

Praca do Comercio.

In der Mitte des Platzes thront hoch auf seinem Ross König José I. „Er hat 1755 das große Beben am Allerheiligentag überlebt, weil er zur Morgenandacht in Belém weilte“, erklärt Tania und fügt hinzu „dahin fahren wir jetzt, dort es gibt drei Orte, die du unbedingt sehen musst“.

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Mosteiro dos Jerónimos

Rasant lenkt sie das Tuk-Tuk an einem Verkehrsstau vorbei am Tejo entlang nach Belém. Erste Sehenswürdigkeit und Prunkstück des Stadtviertels ist das monumentale Hieronymuskloster (Mosteiro dos Jerónimos) aus dem 16. Jahrhundert, dessen Bau hundert Jahre gedauert hat. Bis zum frühen 18. Jahrhundert wurden im Kloster Mitglieder der portugiesischen Königsfamilie begraben, zudem befinden sich hier die Sarkophage des berühmten Seefahrers Vasco da Gama, der den Seeweg um das Kap der guten Hoffnung nach Indien entdeckte sowie der Dichter Fernando Pessoa und Luís de Camões.

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Höhepunkt ist der doppelstöckige Kreuzgang, der mit seinen prunkvollen Verzierungen als einer der schönsten der Welt gilt. Im Kloster drängen sich amerikanische und asiatische Reisegruppen, so dass ich auf eine genauere Besichtigung keine Lust habe.

Denkmal der Entdeckungen.

Denkmal der Entdeckungen.

Das nächste „Must see“ ist das gigantische Padrão dos Descobrimentos (Denkmal der Entdeckungen) auf der gegenüberliegenden Seite des Klosters, das 50 Meter in die Höhe ragt und sich wie ein Schiffsbug in den Tejo hinein schiebt. Auf dem „Bug“ stehen 33 steinerne Seefahrer, Schriftsteller und Forscher aus dem Zeitalter der Entdeckungen (15.-18. Jah.), allen voran Prinz Heinrich, der Seefahrer, Initiator der portugiesischen Entdeckungsreisen. Das riesige Mosaik auf dem Boden vor dem Denkmal zeigt eine Weltkarte mit den ehemaligen portugiesischen Kolonien.

Torre de Belém.

Torre de Belém.

Nicht weit vom Denkmal steht der Torre de Belém im Wasser. Über einen Steg gelangen wir ins Innere des alten Wehrturms, der als solcher eigentlich nie benutzt wurde, wie ich von Tania erfahre. Wir steigen die engen Treppen zur Aussichtsplattform hinauf und haben auf 35 Metern Höhe eine herrliche Sicht auf die umliegenden Stadtviertel und die Segelboote auf dem Tejo.

Segelboote auf dem Tejo.

Segelboote auf dem Tejo.

Wir fahren zurück ins Zentrum, in den mondänen Stadtteil Chiado, zum über 100 Jahre alten Kaffeehaus Café a Brasileira in der Rua Garrett. Parkplatzsuche ist kein Problem, das Tuk-Tuk passt in jede Lücke. „Früher trafen sich hier alle berühmten Künstler und Literaten des Landes“, erklärt Tania, als wir das Café betreten. Es erinnert mich an die alten Kaffeehäuser in Wien und Paris.

Brasileira

Die Tische sind alle besetzt. An der Bar stehen Einheimische und trinken eilig einen Espresso. Wir gesellen uns zu ihnen. „Nur Touristen sitzen an den Tischen“, sagt Tania. „Der Espresso im Stehen ist billiger“. Vor dem Café sitzt der Schriftsteller Fernando Pessoa in Bronze verewigt an einem Tisch. Eine Gruppe Japaner lässt sich mit ihm fotografieren. Ob sie wissen, wer er war?

Livraria Bertrand - ein langer Gang voller Bücher.

Livraria Bertrand – ein langer Gang voller Bücher.

Gegenüber des Cafés befindet sich die älteste Buchhandlung der Welt, die Livraria Bertrand, die 1732 eröffnet wurde und sämtliche Krisen des Landes, einschließlich Erdbeben, Stadtbrände und Wirtschaftskrisen überlebt hat. Tania empfiehlt mir das Buch „Lissabon – Was der Tourist sehen sollte“ von Pessoa. „Das wurde zwar 1925 geschrieben, ist aber heute noch genauso aktuell und du erfährst so viel über die Stadt. Es ist eines meiner Lieblingsbücher“, sagt sie. Ich habe Glück, das Buch ist in mehreren Sprachen auf Lager, auch auf Deutsch.

Aus dem Tuk-Tuk kann man von allen Seiten fotografieren.

Aus dem Tuk-Tuk kann man von allen Seiten fotografieren.

Tania manövriert das Tuk-Tuk durch gefühlte tausend kleine Gassen hinauf nach Amoreiras. Das ständige Auf und Ab sowie die holprigen kopfsteingepflasterten Straßen, die mich ganz schön hin und her schütteln, geben mir mitunter das Gefühl, in einer Achterbahn zu sitzen. Unterwegs erzählt sie mir alles Wissenswerte über die Gebäude, an denen wir vorbeituckern sowie über die Schriftsteller und Maler, die irgendwann einmal in dieser oder jener Gasse gewohnt haben. Sie die Stadt und ihre Geschichte in- und auswendig. „Wenn andere noch schlafen, bin ich bereits zu Fuß unterwegs, um die Stadt zu erkunden. Das habe ich schon gemacht, als ich noch studiert habe. Und ich finde immer wieder Gebäude du Gassen, die ich noch nicht kenne. Außerdem ist es herrlich, wenn man am frühen Morgen Lissabon ganz für sich alleine hat“, sagt sie. Ich weiß, was sie meint. In den Metropolen der Welt bin ich auch gerne schon morgens um 7 unterwegs.

Einer der typischen Lissabonner Kioske.

Einer der typischen Lissabonner Kioske in Amoreiras.

Sie parkt das Tuk-Tuk am Praça das Amoreiras, wo ein Museum liegt, das der Malerin Maria Helena Vieira da Silva gewidmet ist. Ich habe nie von ihr gehört. „Sie ist die portugiesische Frida Kahlo“, erklärt Tania. Leider ist das Museum heute geschlossen. Wir gehen zu Fuß zum festungsähnlichen Wasser-Reservoir Mãe d`Água das Amoreiras aus dem Jahr 1746. „An den Mauern siehst du die ältesten Azulejos (Kachelmosaike) von Lissabon“, erklärt sie.

Die ältesten Kacheln Lissabons.

Die ältesten Kachelmosaike Lissabons.

Kaum ein Mensch ist hier unterwegs, von Touristen ganz zu schweigen. Durch den ruhigen Amoreiras-Park spazieren wir zum Tuk-Tuk zurück und fahren teils auf der breiten Avenida da Liberdade, teils durch Gassen zum Largo do Carmo im Bairro Alto. Hier oben an dem idyllischen Platz steht die Ruine eines ehemaligen Carmeliter-Klosters, gleich daneben ist Endstation des berühmten Fahrstuhls Elevador de Santa Justa.

Largo do Carmo Platz.

Largo do Carmo Platz.

Tania deutet auf ein Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes (Rua da Trindade). „In diesem Haus hat Pessoa eine zeitlang gelebt“. Der Dichter steht in Draht verewigt auf dem Balkon und schaut über den Platz.

Fernando Pessoa.

Fernando Pessoa.

Letzter Stopp ist das Kulturhaus Casa Alentejo in der Rua das Portas de Santo Antão 58 in der Baixa. Von außen sieht es unscheinbar aus, aber sobald man durch die Tür tritt, befindet man sich in einem lichtdurchfluteten arabischen Innenhof. Tania kennt alle Räume in den oberen Stockwerken – auch diejenigen, die Touristen normalerweise verschlossen bleiben.

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Die drei Stunden sind im Nu vergangen. Ich habe viel, aber längst nicht alles gesehen – das ist in drei Stunden unmöglich zu schaffen. Ich bezahle 120 Euro – die Tour war jeden Cent wert!

INFO: Eine Tuk-Tuk-Fahrt von A nach B kostet 15 Euro, eine Stadtrundfahrt pro Stunde 40 Euro.

Tipp fürs Abendessen: „In Bocca Al Lupo“

Hier darf man den Pizzabäckern über die Schultern schauen.

Hier darf man den Pizzabäckern über die Schultern schauen.

Als Veganerin bin ich immer auf der Suche nach besonderen Restaurants. In einem Reiseführer habe ich „In Bocca Al Lupo“ entdeckt. Das ist italienisch und bedeutet „Hals- und Beinbruch“ – ein etwas seltsamer Name für ein Restaurant. Die Gourmet-Pizzeria und Trattoria serviert ausschließlich Produkte aus biologischem Anbau und hat zudem eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten auf der Karte. Vorspeise, Pizza und Nachtisch schmecken hervorragend – das Restaurant liegt etwas abseits im Bairro Alto, ist aber ein echter Geheimtipp!

Adresse: Rua Manuel Bernardes 5a, Mi-So 19.30-23.30 Uhr, Mo und Di geschlossen.

Die Inhaberinnen des In Boca al Lupo.

Die Inhaberinnen des In Boca al Lupo.

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Elevador de Santa Justa bei Nacht.

Die Autorin war privat in Lissabon.

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