Februar 09

Im Dorf der Karamojong

Die Karamojong sind ein halbnomadisches Hirtenvolk in der Karamoja-Region im Nordosten Ugandas, die zu den am wenigsten entwickelten Regionen des Landes gehört. Als ich vorletzte Woche im Rahmen einer Pressereise im Kidepo Nationalpark war, hatte meine Gruppe die Gelegenheit, ein Dorf der Karamojong zu besuchen.

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Die runden Strohdachhütten sehen mitten in der Savanne. Strom gibt es nicht. Auch kein fließendes Wasser. Die Menschen schlafen auf Kuhhäuten auf dem Boden. Wir betreten die Hütte des verstorbenen Königs, der hier mit mehreren Frauen und Kindern lebte. 120 Jahre war er alt, als er im letzten Jahr starb. Er hat vor seinem Tod zwar einen Nachfolger bestimmt, aber der wurde noch nicht „gekrönt“, da er sich erst als „Probekönig“ bewähren muss. Diesen oder nächsten Monat soll er den Thron besteigen bzw. die Hütte beziehen.

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Eine der Amtshandlungen des Königs besteht darin, Ehen zu genehmigen. Wenn ein junger Karamojong heiraten möchte, muss er zunächst den König darüber informieren, wen er heiraten möchte. Der Regent betreibt daraufhin Ahnenforschung um sicherzustellen, dass die beiden Heiratswilligen nicht um acht Ecken miteinander verwandt sind, denn Inzucht ist strikt verboten. Gibt der König grünes Licht, darf der junge Mann mit zwei Ziegen oder Kühen als Brautgabe bei den Eltern der Angebeteten um deren Hand anhalten. Karamojong-Männer dürfen mehrere Frauen heiraten – sofern sie mit genügend Vieh bei den Schwiegereltern in spe aufwarten können.

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Zwei Verwandte des verstorbenen Königs, die Englisch sprechen, führen uns durch das Dorf und erzählen humorvoll kleine Anekdoten aus dem Leben der Karamojong. Einer von ihnen hätte gerne eine Zweitfrau, muss aber noch auf die Ziegen sparen. „Früher, als wir noch genügend Rinder hatten, war es einfacher – viele Rinder, viele Frauen“, sagt er lachend. Wenn eine Karamojong-Frau jung zur Witwe wird, muss sie einen Verwandten ihres verstorbenen Mannes heiraten – ob sie diesen nun mag oder nicht. So will es der König.

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Hauptnahrungsmittel der Dorfbewohner ist Sorghum, eine Hirseart, die nur in Regenzeiten wächst. Die Frauen maischen sie ein und machen daraus Bier, das zu Hochzeiten und anderen Festivitäten getrunken wird. Gegessen wird im Dorf nur einmal am Tag und zwar am Abend.

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In der Schüssel befindet sich Sorghum fürs Abendessen. Ab und zu kommt ein Huhn vorbei und stibitzt einen Schnabel voll Brei aus der Schüssel.

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Während die Frauen am Nachmittag das Essen für den Abend zubereiten, halten einige Kinder Mittagsschlaf im Schatten der Hütten, andere tragen ihre neugeborenen Geschwisterchen spazieren oder spielen mit leeren Wasserkanistern, Gießkannen und Stöcken. Richtige Spielsachen kennen sie nicht.

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Als ich ein paar Kinder mit der Kamera einfange und ihnen die Fotos auf dem Display zeige, werden sie fast verrückt vor Freude. Sie zeigen auf die Bilder, lachen und rufen ihre Freunde herbei, damit ich auch sie fotografiere.

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Am späten Nachmittag kommen die Männer und Frauen, die auf den Feldern arbeiten, ins Dorf zurück. Singend ziehen sie ein, formieren sich im Kreis und tanzen für uns.

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Als wir uns verabschieden, winken uns die Dorfbewohner zu. Ein paar Kinder laufen dem Landrover hinterher und rufen uns etwas in Karamojong zu. Unterwegs treffen wir eine Dorfbewohnerin, die einen Wasserkanister auf dem Kopf trägt. Eine junge Frau mit Baby auf dem Rücken geht an ihr vorbei und spuckt ihr ins Gesicht. Eine besondere Form der Begrüßung oder Beleidigung? Die Ältere lächelt und geht ihres Weges.

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Die Autorin war auf Einladung von Brussels Airlines und Uganda Tourism in Uganda.