April 25

Genf – die Welt in einer Nuss

Hört man Genf, denkt man automatisch an Finanzen und Politik: UNO, WHO, WTO und zahlreiche andere internationale Organisationen, die sich hier niedergelassen haben. Dabei hat die größte Stadt der französischen Schweiz weitaus mehr zu bieten. Sie ist bunt, multikulturell und unglaublich vielseitig. Sie ist die Welt in einer Nuss, wie ein altes Sprichwort sagt.

Mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern die Stunde schießt die berühmte Fontäne „Jet d’Eau“ 500 Liter Seewasser pro Sekunde in den strahlend blauen Himmel über dem Genfer See. Der gigantische Wasserstrahl erreicht dabei eine Höhe von über 140 Metern. Die schneebedeckten Gipfel des Mont Blanc, die im Hintergrund emporragen, wirken gegen die nahe Fontäne fast winzig.

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Dieses Bild war wohl das letzte, das die österreichische Kaiserin Sisi sah, bevor sie am 10. September 1898 an der Seepromenade Quai du Mont-Blanc einem Attentat zum Opfer fiel. Mit der sehr schlanken Sisi-Statue an der Promenade wurde der Kaiserin zu ihrem 100. Todestag ein Denkmal gesetzt.

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Wer das Postkartenmotiv mit der Fontäne und den Berggipfeln ausführlich genießen möchte, lässt sich auf der Terrasse des legendären Hotels Beau-Rivage auf einen Tee oder Kaffee nieder, der dort übrigens nicht mehr kostet als in jedem anderen Genfer Café. Sisi, die mit 42 Koffern in der Suite 119/120 logierte, verbrachte den letzten Nachmittag ihres Lebens auf der Terrasse und trank Tee, heißt es. In einer Vitrine im ersten Stock sind ihr Hut und Accessoires ausgestellt, die sie am Tag des Attentats trug.

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Der Tomatensaft im Beau Rivage schmeckt einzigartig gut

Ein paar junge Chinesen fotografieren die Statute von allen Seiten. Ob sie wissen, wer Sisi war? Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht das Monument Brunswick. Es ist das monumentale Mausoleum Herzog Karls II. von Braunschweig. „Der zu Lebzeiten als Exzentriker bekannte Welfe wurde wegen Prunksucht und Regierungsunfähigkeit 1830 aus Braunschweig verjagt und starb 1873 im Genfer Exil. Sein Vermögen vermachte er der Stadt unter der Bedingung, dass man ihm ein Mausoleum mit Reiterstandbild errichtet“, erklärt ein Tourguide einer Gruppe Touristen. Das Grabmal, das Teil eines Palastes sein könnte, besteht aus einem dreistöckigen Baldachin aus Marmor, dessen Eingang von zwei Löwen bewacht wird. Der Sarkophag des Herzogs liegt im dritten Stock des Mausoleums. Das Reiterstandbild auf der Spitze des Baldachins musste wenige Jahre nach dem Bau entfernt werden, da es zu schwer war und herunterzufallen drohte. Heute befindet es sich am nördlichen Ende der Plattform vor dem Beau Rivage.

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Vom Quai du Mont-Blanc dringt babylonisches Sprachengewirr herüber. Menschen aus 190 Nationen leben und arbeiten in Genf in einer der über hundert internationalen Organisationen, was der Stadt mit ihren knapp 200.000 Einwohnern eine kosmopolitische Atmosphäre verleiht. In den Straßen sieht man die bunten Landestrachten Afrikas und der arabischen Staaten, ganz besonders wenn UNO-Delegationen in der Stadt sind – jährlich finden fast 8000 Konferenzen statt.

An der „Mouette“-Station herrscht Hochbetrieb. Die kleinen gelben Boote der Genfer Verkehrsbetriebe fahren vom Quai du Mont-Blanc hinüber zum anderen Seeufer, dem Rive Gauche. Von der Mouette-Station sind es nur wenige Meter zur Place de la Fusterie am Fuße der Altstadt.

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Dominiert wird der Platz an der belebten Rue de la Confédération vom Temple de la Fusterie, im 17. Jahrhundert Zufluchtsort protestantischer Flüchtlinge aus Frankreich. Zu den verwinkelten Gassen der Altstadt gibt es diverse Zugänge. Einer davon ist der Weg, der links vom Confédération Centre hinauf führt.

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An der Rue Bémont führen Treppen zur Rue de la Tour-de-Boël, die wiederum direkt in die Grand-Rue mündet, der quirligen Hauptachse der Altstadt voller Antiquitätenläden, Boutiquen, Buchhandlungen, Cafés, Kunstgalerien und Standort der Parfümerie Théodora, wo die einzigartigen Düfte, Kreationen der berühmtesten Nasen Frankreichs und Italiens, darunter Jean-Claude Ellena, ein Fest für den Geruchssinn bieten. Man darf nach Herzenslust schnuppern – „Kaufzwang besteht nicht“, so Inhaberin Sophie Bianchi, die sich 1995 mit der Eröffnung der Parfümerie einen lange gehegten Traum erfüllt hat.

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Hausnummer 40 ist das Geburtshaus des Philosophen Jean-Jacques Rousseau – nein, er war kein Franzose, er war tatsächlich Schweizer! In der Parallelstraße Rue Jean-Calvin befand sich im 16. Jahrhundert das Pfarrhaus des Reformators Calvin, das 1706 durch ein repräsentativeres Gebäude ersetzt wurde. Eine Tafel weist darauf hin, dass hier einst das Originalhaus stand. Die Straßen und Gassen der Altstadt versprühen eine Melange aus französischem Laissez faire und eidgenössischer Beschaulichkeit. Fast fühlt man sich in den steingepflasterten, verschachtelten Gassen in vergangene Tage zurück versetzt . Man spürt, dass Genf einst zu Frankreich gehörte und heute unmittelbar an dessen Grenze liegt.

Die Stadt ist reich an Sakralbauten. Der berühmteste steht am höchsten Punkt der Altstadt: die Cathédrale Saint-Pierre aus dem 12. Jahrhundert, Wirkungsstätte Calvins. Steigt man die 157 Stufen zur Turmspitze hinauf, wird man mit einem herrlichen Blick über die Stadt und den See belohnt.

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Nur wenige Minuten Fußweg sind es zum Reformationsdenkmal im Parc des Bastions am Fuße der Altstadt. Entlang einer gigantischen Wand, die auf 100 Metern Länge die 450 Jahre lange Geschichte des Protestantismus erzählt, stehen zahlreiche Skulpturen, darunter die der Reformatoren Calvin, Farel, Bèze und Knox sowie die des Vaters des amerikanischen Baptismus, Roger Williams und des Politikers Oliver Cromwell.

Von einer komplett anderen Perspektive erlebt man Genf vom Wasser aus, wo sich die volle Schönheit der Stadt entfaltet. Eingerahmt von den Höhenzügen des Schweizer Jura und den Gipfeln der Savoyer Alpen, ist ihre malerische Lage kaum zu überbieten. Am Mont-Blanc Pier legen mehrmals täglich Schiffe zu Rundfahrten ab.

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Die Raddampfer fahren nahe an der gewaltigen Wasserfontäne vorbei, passieren zahlreiche Segler und schlossähnliche Villen, Monumente und den Ariana-Park, in dem sich das „Palais des Nations“ der UNO befindet. An einem der Hänge über dem See lugt zwischen zwischen Bäumen die Villa Diodati hervor, in welcher der englische Dichter Lord Byron eine zeitlang lebte, wo seine Freundin Mary Shelley 1816 den Entwurf ihres Romans „Frankenstein“ verfasste und der Poet selbst sein dramatisches Manfred-Gedicht, das Tschaikowsky später zu einer Sinfonie verarbeitete. Das schönste Gebäude, an dem das Schiff vorbeifährt, ist die Villa Bartholoni im Park La Perle du Lac, die 1830 als Sommerresidenz für zwei Pariser Bankiers errichtet wurde und heute das Museum der Geschichte der Wissenschaften beherbergt. Sitzt man auf dem Oberdeck, kann man sich an so viel Schönheit und Idylle gar nicht statt sehen.

INFO

Beim Einchecken gibt es in allen Hotels gratis die Geneva Transport Card, mit der man kostenlos alle öffentlichen Verkehrsmittel in Genf inkl. Mouette benutzen kann.

Interessant für ein Mädels-Wochenende in Genf: Geneva Tourism hat mit dem kostenlosen Geneva Girls’ Guide einen 120-seitigen Reiseführer mit Insidertipps speziell für Frauen zusammengestellt, der sich in acht Rubriken unterteilt: Shopping, Beauty/Wellness, Aktivitäten, Restaurants, Ausgehen, Brunch, Tee & Kaffee, Leckereien sowie das perfekte Wochenende.

Weitere Informationen: www.geneva-tourism.ch

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