März 18

Kurztrip nach Kopenhagen

Mit ihrer halben Million Einwohnern ist die Hauptstadt des ältesten Königreichs der Welt die Kleine unter den großen Metropolen. Überschaubar, zu klein, um sich zu verlaufen und geprägt von dänischer „Hygge“, südlichem Flair, altem Fachwerk und moderner Architektur, viel Grün und zahlreichen Radfahrern. – immerhin durchzieht ein Netz von 300 Kilometern Radwegen die Stadt.

Wohin zuerst? Auf den Rathausturm!

Fast 300 Stufen sind es bis zur Aussichtsplattform des 106 Meter hohen Turmes. Keuchend komme ich oben an, aber der Blick über Kopenhagen ist die Strapaze des Aufstiegs wert. Der imposante Backsteinbau aus dem späten 19. Jahrhundert steht auf einem der lebhaftesten Orte der Stadt, dem knapp 30.000 Quadratmeter großen Rådhuspladsen.

(Rådhuspladsen, nahe Hauptbahnhof, Turmbesteigung: Mo-Fr 8-17 Uhr, Sa 10-13 Uhr)

Ny Carlsberg Glyptotek

Ny Carlsberg 2

Bierbrauer Carl Jacobsen (Carlsberg Bier) ließ das Gebäude mit dem schmucken Glasdom in den Jahren 1892-1897 für seine umfangreiche Skulpturensammlung bauen. Ich laufe durch Räume mit römischen, griechischen und ägyptischen Skulpturen (3000 v. Chr. bis 500 n. Chr.), stoße auf zahlreiche Arbeiten von Auguste Rodin sowie zu meiner Freude in der Gemäldeabteilung auf Werke von Cézanne, Gauguin, Manet, Monet und Courbet sowie eine der größten Sammlungen dänischer Kunstwerke. Unter der Kuppel des Glasdoms, wo sich ein kleiner Garten mit subtropischen Pflanzen und einem plätschernden Brunnen befindet, lasse ich mich auf einer der Bänke nieder und fühle mich in dieser Idylle plötzlich wie in einer anderen Welt.

Ny Carlsberg

(Dantes Plads 7, Di-So 11-18 Uhr, Do bis 22 Uhr, Eintritt: 95 DKK, unter 27 J. 50 DKK. Tipp: Dienstags ist der Eintritt in die Dauerausstellung frei!)

Christiansborg

Das gewaltige Schloss ist die dritte Version des ursprünglich 1736 von König Christian V. erbauten Königsschlosses. Christiansborg I brannte 1794 ab, ebenso Christiansborg II 90 Jahre später, woraufhin die Königsfamilie nach Amalienborg zog. Christiansborg III, das in den Jahren 1907-28 entstand, ist heute Sitz des dänischen Parlaments. Kommen Staatsoberhäupter nach Kopenhagen, werden diese von Königin Margrethe in den Repräsentationsräumen des Schlosses empfangen, die man bei Schlossführungen besichtigen kann. Die nächste Führung beginnt erst um 13 Uhr, deshalb schaue ich mir das Gebäude nur von außen an.

(Prins Jørgens Gård 1, zu Fuß ca. 10 Min. von der Ny Carlsberg Glyptotek, Führungen finden täglich zwischen 10 und 17 Uhr statt, Eintritt: 150 DKK)

Nyhavn – Sehen und gesehen werden

 

Der Hafen, der im 17. Jahrhundert im Zuge der Stadterweiterung ausgehoben wurde, ist mit seinen bunten Giebelhäusern touristisches Aushängeschild, Kneipen- und Restaurantmeile und neben der kleinen Meerjungfrau das beliebteste Fotomotiv Kopenhagens. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, aber es ist eiskalt. Trotzdem sind sämtliche Außentische der Kneipen und Restaurants bis auf den letzten Platz besetzt. Nach ein paar Minuten des Suchens finde ich ein italienisches Restaurant, wo noch ein einziger Tisch frei ist. Ich lasse mich nieder, höre einem Straßenmusiker zu, der einen Tango spielt und beobachte die vorbeiziehenden Menschen aus aller Welt.

Kopenhagen

Vom Nyhavn ist es nur ein kurzer Spaziergang zum Amalienborger Schlossplatz, wo sich die vier fast identischen Paläste Schack, Moltke, Brockdorff und Levetzauum den Platz gruppieren. Die Königsfamilie residiert im südöstlich gelegenen Palais Schack. Frederik, der Thronfolger und seine Familie, haben im Palais Brockdorff ihre offizielle Referenz. Margrethe II nutzt ihr Palais nur als Winterresidenz, ansonsten wohnt sie auf Schloss Fredensburg, außerhalb der Stadt, und im Sommer auf Schloss Gravenstein bei Sønderburg. Die Flagge ist nicht gehisst – Margrethe II und Henrik weilen derzeit wohl auf Schloss Fredensborg. Ist die Königin da, findet täglich um 12 Uhr eine Wachablösung statt. Dazu verlässt die königliche Leibgarde um 11.30 Uhr die Kaserne am weiter westlich gelegenen Schloss Rosenborg, um nach Amalienborg zu marschieren, wo die Ablösung stattfindet.

Kopenhagen 2

Mit dem Rad kommt man in Kopenhagen überall schnell hin

Kleine Meerjungfrau

Klein ist sie, im wahrsten Sinne des Wortes. Fast übersehe ich die nur 1,25 Meter große Statue, die auf einem Findling an der Uferpromenade Langelinie thront. Der Bildhauer Edvard Eriksen schuf die Bronzeskulptur 1913 im Auftrag des Kunstmäzens Carl Jacobsen (der auch die Ny Carlsberg Glyptotek erbauen ließ). In der Meerjungfrau wurden gleich drei Frauen verewigt: „Jeanne d’Arc“, wie sie der französische Bildhauer Henri Michel Chapu schuf (die Skulptur steht in der Ny Carlsberg Glyptotek), Primaballerina Ellen Price, nach deren Vorbild der Kopf gestaltet wurde und Eline Eriksen, die Frau des Künstlers, die als Aktmodell diente.

(Von Amalienborg ist es über die Amaliegade nicht weit zur Langelinie. Ansonsten fährt Bus Br. 26 ab Kongens Nytorv zum Søndre Frihavn, von wo aus es noch 200 m Fußmarsch sind)

Nationalgalerie (Statens Museum for Kunst)

 

Gerade war der Himmel noch blau, jetzt ist er grau und es regnet in Strömen. Ich habe keinen Schirm dabei und flüchte rennend zu einem Taxi auf der gegenüberliegenden Straßenseite, das mich zur Nationalgalerie fährt.

Nationalgalerie Kopenhagen

Dänemarks größtes Kunstmuseum bietet auf zwei Etagen einen Überblick über 700 Jahre Kunst – von der frühen Renaissance bis zur Gegenwart. Zu den Exponaten zählen Werke von Tizian, Rembrandt, Rubens, Nolde, Munch, Matisse, Picasso, Modigliani und sogar ein Gemälde von Diego Rivera ist dabei. Mich zieht es, wie immer in Kunstmuseen, zu den Impressionisten und Expressionisten. Hier könnte ich Stunden verweilen! Als ich das Museum nach fast zwei Stunden verlasse, ist der Himmel wieder strahlend blau.

(Sølvgade 48-50, Di-So 11-17 Uhr, Mi bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei, lediglich für Sonderausstellungen muss bezahlt werden)

Strøget – die längste Fußgängerzone Europas

Die fast zwei Kilometer lange Fußgängerzone sucht man auf dem Stadtplan vergeblich, denn Strøget steht lediglich für Einkaufsmeile. Sie besteht aus mehreren aufeinanderfolgenden Straßen und schlängelt sich vom Rådhuspladsen über die Frederigsberggade, Nygade Vimmelskaftet, den Amager Torv und die Østergade bis zum Kongens Nytorv. Bei ihrer Eröffnung 1962 war Strøget die erste Fußgängerzone Europas – bis heute soll sie die längste sein. Im ersten Teil der Strøget dominieren Souvenirläden und Fastfoodketten, aber je weiter ich mich vom Rådhuspladsen entferne, finde ich Läden mit dänischem Design, internationalen Designern, Galerien, Juweliere und dazwischen jede Menge Cafés. In der Østergade 52 befindet sich das Edelkaufhaus Illum, das 1891 eröffnet wurde und gerne als „Harrod’s“ des Nordens bezeichnet wird. Auch wenn ich nichts kaufe, schlendere ich immer wieder gerne durch die vier Etagen und gönne mir auf der Dachterrasse einen Espesso.

Dinner im Quartier Latin

Urten

Auf Reisen bin ich immer auf der Suche nach guten veganen und vegetarischen Restaurants. In Kopenhagen wurde mir das kleine Restaurant „Urten“ im Univiertel Quartier Latin empfohlen. Auf der Karte stehen leckere Drei-Gänge-Menüs mit italienischen, französischen und nordischen Einflüssen. Ich kann mich nicht entscheiden und bitte die Kellnerin, mir einfach das zu bringen, was ihrer Meinung nach am besten schmeckt. Wir scheinen den gleichen Geschmack zu haben, denn was sie bringt, ist super lecker. Einschließlich dem hausgemachten Brot, veganen Wein und Dessert.

(Larsbjörnsstræde 18/im Gebäude der Atlas-Bar, Mo-Sa 12-22 Uhr)

Nightcap in schwindelerregender Höhe

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Copyright: Marriott/AC Hotels

Das Panorama der gigantischen Sky Bar im 23. Stock des Bella Sky Hotels auf das Lichtermeer Kopenhagens ist spektakulär. Egal, wo man sitzt, die Aussicht ist garantiert. Ich entscheide mich gegen einen Platz an der verglasten Wand, denn ich bin alles andere als schwindelfrei.

(Center Boulevard 5, Mo-Mi 12-24 Uhr, Do-Sa 12-1 Uhr, So/Feiertage 12-23 Uhr. So kommt man hin: Metro M1 ab Kongens Nytorv bis Station Bella Center, Fahrzeit 8 Minuten)

Tipp: Rungstedlund – Karen Blixen Museet

Wer viel Zeit mitbringt und sich für Literatur begeistert, sollte sich unbedingt das Eltern- und Wohnhaus von Karen Blixen in Rungsted Kyst anschauen. Seit ihre Autobiografie „Jenseits von Afrika“ mit Meryl Streep und Robert Redford verfilmt wurde, pilgern Fans aus aller Welt zu dem alten Herrenhaus Rungstedlund am Øresund, das seit 1991 ein Museum ist. Die Ausstellung widmet sich dem Leben der Schriftstellerin in Dänemark und Afrika und zeigt ihre Wohnräume, die seit Blixens Tod 1962 unverändert sind. Karen Blixen ist in ihrem Park hinter dem Haus unter einer großen Buche begraben. Rungstedlund ist für mich ein Muss bei jedem Kopenhagen-Besuch, denn jedes Mal erlebe ich den Ort anders.

Blixen Museum

Rungsted Strandvej 111, Rungsted Kyst, Mai-Sept Di-So 10-17 Uhr, Okt-April 13-16 Uhr, Sa/So 11-16 Uhr, Eintritt 75 DKK. So kommt man hin: Zug ab Kopenhagen Hauptbahnhof bis Station Rungsted Kyst, Fahrzeit 30 Min., dann ca. 700 m Fußweg. Tipp: Die Tickets für öffentliche Verkehrsmittel in Dänemark sind nicht gerade billig, deshalb lohnt sich ein 24 Stunden Ticket für 7 Zonen zu 130 DKK, das auch für die Fahrt nach Rungsted Kyst gilt.

Hoteltipp: AC Hotel Bella Sky

Die Türme des futuristischen Gebäudes neigen sich in entgegengesetzte Richtungen, und es scheint, als würde es nur vom Sky Walk, der die beiden silbrig weiß glitzernden Türme im 23. Stock miteinander verbindet, zusammengehalten. Das mit über 800 Zimmern größte Designhotel Nordeuropas, in dessen Foyer an einer Wand 5000 Pflanzen wachsen, liegt zwischen Flughafen und Stadtzentrum im Stadtteil Ørestad. Die Metrostation ist in Sichtweite und nur vier Minuten zu Fuß entfernt – bis ins Stadtzentrum am Kongen Nytorv sind es acht Minuten Fahrt. Die Zimmer in modernem skandinavischen Design verfügen über eine verglaste Wand, die vor allem in den oberen Stockwerken einen atemberaubenden Blick auf die Skyline Kopenhagens freigeben. Der gesamte 17. Stock ist übrigens für allein reisende Frauen reserviert.

(Center Boulevard 5, zwischen Flughafen und Hotel verkehrt ein Shuttle-Bus)

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Copyright: Marriott/AC Hotels

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