Mai 11

Unterwegs in Cannes

Hotellegende Cesar Ritz sagte einmal, es gäbe nur drei Erfolgsfaktoren für ein Hotel: Location, Location und nochmals Location. In dieser Beziehung ist das Carlton schwer zu schlagen. Das große Belle-Epoque-Hotel mit der wunderschönen Zuckerbäckerfassade liegt direkt am Boulevard de la Croisette mit Blick auf die Promenade, den Strand, prachtvolle Yachten und den Mont Chevalier mit der Altstadt Le Suquet.

CannesBlick von meinem Hotelzimmer im Carlton auf die Bucht von Cannes

Fünf Stockwerke unter mir erwacht langsam das Leben auf der palmengesäumten Croisette. Die ersten Jogger sind unterwegs, Hunde werden Gassi geführt, und an dem noch gähnend leeren Strand öffnen Hotelangestellte die Sonnenschirme.

 

Carlton Strand

Als ich das Hotel verlasse ist es noch nicht einmal 9 Uhr, aber die Sonne brennt schon heiß vom strahlend blauen Himmel, als ich die Promenade entlang schlendere. In der Bucht schaukeln eindrucksvolle Yachten, eine prachtvoller als die andere. Ich verlasse die Flaniermeile und überquere den Boulevard dort, wo die Statue von Lord Brougham über einem Brunnen thront.

Lord Brougham

„Hätte man 1834 den ehemaligen Schatzkanzler Lord Henry Brougham und seine Frau Mary wegen einer Quarantäneverordnung gegen die aus Südfrankreich drohende Cholera von der Weiterreise nach Italien nicht abgehalten, wären sie nicht in Cannes hängengeblieben und hätten den Ort zu dem gemacht, was er heute ist“, sagt ein Tourguide zu einer Gruppe britischer Touristen, die sich um das Denkmal scharen. Der Lord und seine Frau verliebten sich in den kleinen Fischerort und ließen sich im Jahr darauf eine Villa im italienischen Stil errichten, und es dauerte nicht lange, bis der englische Adel und Geldadel dem Trendsetter folgte. Noch bevor das Jahrhundert zu Ende war, wimmelte es in Cannes von Grand Hotels und prachtvollen Villen, und die Einwohnerzahl des ehemals unbedeutenden kleinen Städtchens war von 4000 auf 20.000 geschnellt. Henry Brougham gilt als der Gründer von Cannes. Heute hat die Stadt knapp 74.000 Einwohner.

Le Suquet

Über die Rue du Mont Chevalier marschiere ich in das Altstadviertel Le Suquet hinauf. Das kleine Sträßchen ist ganz schön steil, und ich bin außer Atem, als ich auf dem Hügel ankomme. Von der Aussichtsterrasse hinter der Kirche Notre-Dame de l’Espérance habe ich einen herrlichen Blick über die Bucht und die gegenüberliegenden Iles de Lérins. Übertroffen wird die Aussicht allerdings von der Plattform des 22 m hohen mittelalterlichen Wachturms Tour du Suquet, der mir eine traumhafte Sicht über die Dächer von Cannes, den Hafen und das Mittelmeer beschert. Direkt am Hafen liegt das Palais des Festivals et des Congrès, wo im Mai die Filmfestspiele stattfinden.

Blick über CannesDer Hafen mit dem Festivalgebäude

Mein nächstes Ziel ist der Marché Forville in der gleichnamigen Straße. In der Markthalle aus dem Jahr 1870 am Rande der Altstadt bieten rund 80 Händler Obst, Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte, Bioprodukte und allerlei Leckereien an. Mich zieht es zum Socca-Bäcker und seinen leckeren Fladen hin.

Socca Cannes

Das einstige Arme-Leute-Essen, das ursprünglich aus Genua stammt und nur aus den drei Zutaten Kichererbsenmehl, Wasser und Olivenöl besteht, wird heiß vom Blech gegessen und schmeckt super lecker. Der Weg zum Markt lohnt sich allein wegen der Socca-Fladen!

Socca

In der parallel verlaufenden schmalen Fußgängerzone Rue Meynardier reiht sich ein Laden an den anderen, in der Rue St. Antoine, der „Fressgass“ von Cannes, ein Restaurant ans andere.

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Es geht langsam auf Mittag zu, die Außentische sind bereits gedeckt. Ein Kellner steht gelangweilt in der Tür eines kleinen Bistrots und wedelt mir mit der Speisekarte zu. „Je regrette“, aber nach dem großen Socca-Fladen steht mir der Sinn nicht nach Mittagessen. Jetzt ist erst einmal ein kleiner Ausflug angesagt.

DSC_5784Unterwegs zur Ile St. Marguerite

Ich laufe zum Hafen hinunter und nehme ich die Fähre zu der kleinen Insel St. Marguerite, die in Sichtweite von Cannes liegt. Die Fahrt dauert nur 15 Minuten. Ob ich es schaffe, die nur 3 km lange und 900 m breite Insel in zwei bis drei Stunden zu umrunden? Mit mir sind ein paar Amerikaner auf dem Boot, die nur ein Ziel haben: das Fort Royal aus dem 16. Jh., einst Staatsgefängnis, dessen berühmtester Insasse elf Jahre lang der Mann mit der eisernen Maske war. Seit Leonardo di Caprio 1998 den legendären Gefangenen im gleichnamigen Film spielte, strömen seine Landsmänner zum Fort hinauf. Mehr als die berühmte Zelle schauen sie sich allerdings nicht an – weit würden sie mit Flip-Flops an den Füßen sowieso nicht kommen.

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Von der Terrasse des Forts bietet sich mir ein grandioser Blick auf Cannes – überfüllte Strände an der Croisette, Ruhe und Idylle pur auf der Insel.

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Vom Fort aus folge ich einem ausgeschilderten Pfad durch Pinien- und Eukalyptuswälder. Unter dem Schatten der Bäume ist es angenehm kühl. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen und außer Vogelgezwitscher kein Laut zu vernehmen. Nur ein Steinwurf von Cannes entfernt, und doch habe ich auf den einsamen Waldwegen das Gefühl, auf der einsamsten Insel der Welt zu sein.

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Am Etang du Batéguier, dem idyllischsten Ort der Insel, befindet sich eine Vogelwarte. Auf dem Inselchen in dem kleinen Teich nisten zahlreiche Zugvögel.

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Ich verweile eine zeitlang auf einer Bank und gehe dann an der Küste entlang zum Bootsanleger zurück, wo sich vor der Fähre bereits eine Menschenschlange angesammelt hat.

Ile St. Marguerite

Vom Hafen aus laufe ich hinüber zum Palais des Festivals et des Congrès. Der Filmfestival-Palast, ist ein klotziger Bau, der irgendwie nicht ins Bild der Umgebung passt und so gar nicht von Glanz und Glamour zeugt. In Cannes wird das Gebäude auch „der Bunker“ (le bunker) genannt.

FestivalpalastCopyright: Cannes Tourisme

Vor dem Gebäude liegt die „Allée des Etoiles“ (das Pendant zum Hollywood Walk of Fame), auf der über 150 Filmstars ihre Handabdrücke in Betonplatten hinterlassen haben.

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Der ursprüngliche Festivalpalast „Palais Croisette“ stand dort, wo heute das Hotel Palais Stéphanie der Marriott-Gruppe steht. Von der Inselumrundung müde, lasse ich mich in einem der zahlreichen Strandrestaurants zu einem doppelten Espresso nieder, der die Lebensgeister weckt, die durch die Nachmittagshitze ermattet sind. Im Gegensatz zum Morgen ist nun fast jeder freie Meter Strand belegt.

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Die Autorin war auf Einladung von Côte d’Azur Tourisme in Cannes.

 

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