Mexiko-Stadt – Über 2000 Jahre Geschichte an einem Tag

Schon am Morgen herrscht geschäftiges Treiben auf der Plaza de la Constitución, dem zweitgrößten Platz der Welt, den die Einheimischen Zócalo nennen. Straßenhändler breiten ihre kunterbunten Waren vor sich auf dem Boden aus, Tortillabäckerinnen brutzeln an kleinen Ständen leckere Maisfladen, Studenten bereiten eine Kundgebung vor, die wenig später stattfinden soll, und zwei Straßenmusiker trällern fröhlich „Ay yai yai yai, canta y no llores.“ Ich kenne das Lied und singe in Gedanken mit. ZocaloAuf dem Platz sollte 1840 eigentlich ein Denkmal zum Gedenken an die Unabhängigkeit gegen Spanien errichtet werden. Weiter als bis zum Sockel schritten die Arbeiten jedoch nicht voran und so kam der Platz zu seinem Spitznamen. Um den Zócalo reihen sich Regierungsgebäude, darunter der Nationalpalast, seit Jahrhunderten Sitz der Regierung, der Stadtpalast und die Kathedrale. Im 15. Jahrhundert, als Mexiko-Stadt noch Tenochtitlán hieß und Hauptstadt der Azteken war, stand hier der monumentale Aztekenpalast „Templo Mayor“. Templo MayorIch wandere zur Nordostecke des Zócalo zu den Ruinen des Tempels, den die Spanier nach der Eroberung 1521 dem Erdboden gleichmachten. Vor mir breitet sich eine gigantische Ausgrabungsstätte aus mit labyrinthartigen Wegen zwischen freigelegten Treppen, Mauern und Überbauungen. Einen Spaziergang durch das Labyrinth verschiebe ich auf einen anderen Tag, denn heute will ich unbedingt zum Frida-Kahlo-Haus im Künstlerviertel Coyoacán. Taxi Mexiko StadtIch winke mir auf der Straße ein Taxi heran. Taxifahren ist in Mexiko spottbillig. Für die Fahrt, die 15 Minuten dauert, zahle ich umgerechnet gerade mal 1,50 Euro. Das blaue Haus inmitten einer grünen Gartenoase, in dem Frida und Diego Rivera lebten, war zu ihren Lebzeiten beliebter Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen.Kahlo Haus 4 Seit ihrem Tod 1954 hat sich in den Räumen kaum etwas verändert. An den Wänden hängen ihre Gemälde, in Regalen und Schränken stehen bunte Kunstwerke aus Keramik. Im Atelier der Malerin befindet sich ihr Rollstuhl vor einer Staffel mit einem unvollendeten Bild.Atelier KaloIm Schlafzimmer steht ein Himmelbett, auf dem Kissen liegt in ein grünes Tuch eingehüllt Fridas Totenmaske. Am Bettende steht ein altmexikanischer Steintopf mit ihrer Asche. Totenmaske Frida KahloVon mexikanische Freunden habe ich erfahren, dass sich im Gebäude des Erziehungsministeriums (Secretaría de Educación Pública) in der Calle Republica de Argentina rund um den Innenhof auf drei Stockwerken Wandmalereien von Diego Rivera befinden. Der Zugang ist öffentlich und kostenlos.Erziehungsministerium Vor dem Gebäude stehen vier bewaffnete Polizisten und ich frage sicherheitshalber, ob ich eintreten darf. Sie nicken mir freundlich zu, und lassen mich durch das Tor. Was ich an den Wänden des Innenhofes sehe, ist gigantisch. So viel Diego auf einmal und gleich auf mehreren Stockwerken – ich kann mich an den monumentalen Gemälden kaum satt sehen. Der Innenhof war einer der Schauplätze des Films „Frida“ – hier trifft die junge Malerin zum ersten Mal auf Rivera. Rivera Erziehungsministerium

Nächstes Ziel ist die Ruinenstadt Teotihuacán. Es ist halb eins, mein Magen knurrt. Ich kaufe an einem Stand ein paar Tortillas, die ich unterwegs auf dem Weg zur Metro-Station am Zócalo esse. DSC_2771

Ich bin noch nie mit der U-Bahn in Mexiko-Stadt gefahren und wundere mich über die niedrigen Ticketpreise – ich zahle umgerechnet nicht einmal 10 Cents. Mit der Linea 2 fahre ich bis Hidalgo, von dort mit der 3 bis nach La Raza und weiter mit der 5 zum Busbahnhof Central del Norte. Von hier fahren Busse in alle Richtungen des Landes. Auf dem riesigen Bahnhof herrscht Hektik. An den Schaltern stehen lange Schlangen, Kinder quengeln, Mütter schimpfen, Reisende drängen sich zwischen den Schlangen auf der Suche nach dem richtigen Schalter durch, und ich werde mehrmals angerempelt. Am Ende der Halle finde ich den Schalter der „Autobuses Teotihuacán“. Busse fahren im 30-Minuten-Takt. Zum Glück ist die Schlange kurz – ich muss nicht lange warten und sitze schon 20 Minuten später im Bus auf bequemen Polstersitzen. Die Fahrt in die 50 Kilometer entfernte Ruinenstadt dauert eine Stunde. SonnenpyramideDie Pyramiden aus dem 4. Jh. liegen wie aus einem Hochglanzreisemagazin vor mir. Besiedelt wurde der Ort 1500 v. Chr. Als die Azteken im 14. Jahrhundert auf die Ruinenstadt stießen, hielten sie diese für einen mystischen Ort und nannten sie Teotihuacán – „wo der Mensch zu Gott wird.“ Mittelpunkt ist die Sonnenpyramide, die drittgrößte Pyramide der Welt. Bis hinauf bis zur Spitze sind es 250 steile Stufen. Bei über 40 Grad Hitze und in falschen Schuhen kommt es mir nach 50 Stufen vor, als lägen noch 500 vor mir. Hätte ich anstelle meiner Ballerinas doch nur Sportschuhe angezogen! Immer wieder komme ich ins Rutschen und muss mich an den Stufen festhalten. Wie die Azteken damals wohl in ihren selbst gemachten Sandalen hinauf kamen? Sonnenpyramide 2Als ich oben ankomme, bin ich einem Hitzschlag nahe. Wie bin ich nur auf die Idee gekommen, am Nachmittag, nach Teotihuacán zu fahren? Ich hätte es auf den nächsten Morgen verschieben sollen! Blick auf die MondpyramideDer Blick über die Mondpyramide und die weite Landschaft ist aber so spektakulär, dass ich die Strapazen des Aufstiegs sofort vergesse. Hinunter gehe ich seitwärts, um nicht auszurutschen. Der Bus nach Mexiko-Stadt ist gerade abgefahren. Unschlüssig stehe ich herum – in der Hitze warten oder ein Taxi nehmen? Die Bequemlichkeit siegt und ich marschiere zum Taxistand hinüber.

Mexikaner essen sehr spät zu Abend. Gegen 21 Uhr bin ich mit Freunden in der legendären „La Opera Bar“ verabredet, wo der Freiheitskämpfer Pancho Villa 1910 während der Mexikanischen Revolution mit seinem Gewehr ein Loch in die Decke schoss. Das Loch, das nie gestopft und verputzt wurde, ist die Sensation im Restaurant, auf die der Kellner mich freudig hinweist.Marichi

Während wir essen kommen Mariachi-Sänger mit Gitarre, Geige und Trompete ins Restaurant und spielen „Ay yai yai yai, canta y no llores“ – der Tag endet mit dem Lied, mit dem er begonnen hat.

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