Mexiko-Stadt – Über 2000 Jahre Geschichte an einem Tag

Schon am Morgen herrscht geschäftiges Treiben auf der Plaza de la Constitución, dem zweitgrößten Platz der Welt, den die Einheimischen Zócalo nennen. Straßenhändler breiten ihre kunterbunten Waren vor sich auf dem Boden aus, Tortillabäckerinnen brutzeln an kleinen Ständen leckere Maisfladen, Studenten bereiten eine Kundgebung vor, die wenig später stattfinden soll, und zwei Straßenmusiker trällern fröhlich „Ay yai yai yai, canta y no llores.“ Ich kenne das Lied und singe in Gedanken mit. ZocaloAuf dem Platz sollte 1840 eigentlich ein Denkmal zum Gedenken an die Unabhängigkeit gegen Spanien errichtet werden. Weiter als bis zum Sockel schritten die Arbeiten jedoch nicht voran und so kam der Platz zu seinem Spitznamen. Um den Zócalo reihen sich Regierungsgebäude, darunter der Nationalpalast, seit Jahrhunderten Sitz der Regierung, der Stadtpalast und die Kathedrale. Im 15. Jahrhundert, als Mexiko-Stadt noch Tenochtitlán hieß und Hauptstadt der Azteken war, stand hier der monumentale Aztekenpalast „Templo Mayor“. Templo MayorIch wandere zur Nordostecke des Zócalo zu den Ruinen des Tempels, den die Spanier nach der Eroberung 1521 dem Erdboden gleichmachten. Vor mir breitet sich eine gigantische Ausgrabungsstätte aus mit labyrinthartigen Wegen zwischen freigelegten Treppen, Mauern und Überbauungen. Einen Spaziergang durch das Labyrinth verschiebe ich auf einen anderen Tag, denn heute will ich unbedingt zum Frida-Kahlo-Haus im Künstlerviertel Coyoacán. Taxi Mexiko StadtIch winke mir auf der Straße ein Taxi heran. Taxifahren ist in Mexiko spottbillig. Für die Fahrt, die 15 Minuten dauert, zahle ich umgerechnet gerade mal 1,50 Euro. Das blaue Haus inmitten einer grünen Gartenoase, in dem Frida und Diego Rivera lebten, war zu ihren Lebzeiten beliebter Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen.Kahlo Haus 4 Seit ihrem Tod 1954 hat sich in den Räumen kaum etwas verändert. An den Wänden hängen ihre Gemälde, in Regalen und Schränken stehen bunte Kunstwerke aus Keramik. Im Atelier der Malerin befindet sich ihr Rollstuhl vor einer Staffel mit einem unvollendeten Bild.Atelier KaloIm Schlafzimmer steht ein Himmelbett, auf dem Kissen liegt in ein grünes Tuch eingehüllt Fridas Totenmaske. Am Bettende steht ein altmexikanischer Steintopf mit ihrer Asche. Totenmaske Frida KahloVon mexikanische Freunden habe ich erfahren, dass sich im Gebäude des Erziehungsministeriums (Secretaría de Educación Pública) in der Calle Republica de Argentina rund um den Innenhof auf drei Stockwerken Wandmalereien von Diego Rivera befinden. Der Zugang ist öffentlich und kostenlos.Erziehungsministerium Vor dem Gebäude stehen vier bewaffnete Polizisten und ich frage sicherheitshalber, ob ich eintreten darf. Sie nicken mir freundlich zu, und lassen mich durch das Tor. Was ich an den Wänden des Innenhofes sehe, ist gigantisch. So viel Diego auf einmal und gleich auf mehreren Stockwerken – ich kann mich an den monumentalen Gemälden kaum satt sehen. Der Innenhof war einer der Schauplätze des Films „Frida“ – hier trifft die junge Malerin zum ersten Mal auf Rivera. Rivera Erziehungsministerium

Nächstes Ziel ist die Ruinenstadt Teotihuacán. Es ist halb eins, mein Magen knurrt. Ich kaufe an einem Stand ein paar Tortillas, die ich unterwegs auf dem Weg zur Metro-Station am Zócalo esse. DSC_2771

Ich bin noch nie mit der U-Bahn in Mexiko-Stadt gefahren und wundere mich über die niedrigen Ticketpreise – ich zahle umgerechnet nicht einmal 10 Cents. Mit der Linea 2 fahre ich bis Hidalgo, von dort mit der 3 bis nach La Raza und weiter mit der 5 zum Busbahnhof Central del Norte. Von hier fahren Busse in alle Richtungen des Landes. Auf dem riesigen Bahnhof herrscht Hektik. An den Schaltern stehen lange Schlangen, Kinder quengeln, Mütter schimpfen, Reisende drängen sich zwischen den Schlangen auf der Suche nach dem richtigen Schalter durch, und ich werde mehrmals angerempelt. Am Ende der Halle finde ich den Schalter der „Autobuses Teotihuacán“. Busse fahren im 30-Minuten-Takt. Zum Glück ist die Schlange kurz – ich muss nicht lange warten und sitze schon 20 Minuten später im Bus auf bequemen Polstersitzen. Die Fahrt in die 50 Kilometer entfernte Ruinenstadt dauert eine Stunde. SonnenpyramideDie Pyramiden aus dem 4. Jh. liegen wie aus einem Hochglanzreisemagazin vor mir. Besiedelt wurde der Ort 1500 v. Chr. Als die Azteken im 14. Jahrhundert auf die Ruinenstadt stießen, hielten sie diese für einen mystischen Ort und nannten sie Teotihuacán – „wo der Mensch zu Gott wird.“ Mittelpunkt ist die Sonnenpyramide, die drittgrößte Pyramide der Welt. Bis hinauf bis zur Spitze sind es 250 steile Stufen. Bei über 40 Grad Hitze und in falschen Schuhen kommt es mir nach 50 Stufen vor, als lägen noch 500 vor mir. Hätte ich anstelle meiner Ballerinas doch nur Sportschuhe angezogen! Immer wieder komme ich ins Rutschen und muss mich an den Stufen festhalten. Wie die Azteken damals wohl in ihren selbst gemachten Sandalen hinauf kamen? Sonnenpyramide 2Als ich oben ankomme, bin ich einem Hitzschlag nahe. Wie bin ich nur auf die Idee gekommen, am Nachmittag, nach Teotihuacán zu fahren? Ich hätte es auf den nächsten Morgen verschieben sollen! Blick auf die MondpyramideDer Blick über die Mondpyramide und die weite Landschaft ist aber so spektakulär, dass ich die Strapazen des Aufstiegs sofort vergesse. Hinunter gehe ich seitwärts, um nicht auszurutschen. Der Bus nach Mexiko-Stadt ist gerade abgefahren. Unschlüssig stehe ich herum – in der Hitze warten oder ein Taxi nehmen? Die Bequemlichkeit siegt und ich marschiere zum Taxistand hinüber.

Mexikaner essen sehr spät zu Abend. Gegen 21 Uhr bin ich mit Freunden in der legendären „La Opera Bar“ verabredet, wo der Freiheitskämpfer Pancho Villa 1910 während der Mexikanischen Revolution mit seinem Gewehr ein Loch in die Decke schoss. Das Loch, das nie gestopft und verputzt wurde, ist die Sensation im Restaurant, auf die der Kellner mich freudig hinweist.Marichi

Während wir essen kommen Mariachi-Sänger mit Gitarre, Geige und Trompete ins Restaurant und spielen „Ay yai yai yai, canta y no llores“ – der Tag endet mit dem Lied, mit dem er begonnen hat.

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Día de Muertos – Feiern mit den Toten

Während des farbenprächtigen Volksfestes zu Ehren der Toten, isst, trinkt und tanzt man zusammen mit den Geistern der Verstorbenen auf den Friedhöfen. Der bedeutendste Feiertag Mexikos wurde 2008 in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes“ der UNESCO aufgenommen und zählt seitdem zum Kulturerbe der Menschheit.

Bewappnet mit Leitern, riesigen Blumensträußen und Taschen voller Speisen strömen die Massen die hügelige Straße zum Friedhof hinauf. Dia de muertosAuf der einen Seite der engen Straße wurde zur Feier des Tages Buden aufgestellt, in denen gekocht, gebrutzelt und gebacken wird. Tortillas, Enchiladas, Tacos, Tostadas, gegrillte Maiskolben, Salsa Macha, scharf gewürzte Suppen und Eintöpfe, schwarze Bohnen. Wer für das Picknick das Leibgericht des Verstorbenen nicht von zu Hause mitgebracht hat, deckt sich an den Ständen ein. GuanajuatoAuf der anderen Seite der Straße sitzen alte Frauen auf Hockern und verkaufen die leuchtend orangefarbenen Cempasúchil, auch Flor de Muertos (Blume der Toten) genannt. Der starke Duft der Blumen und die Gerüche der scharfen Chili-Gewürze vermischen sich und liegen schwer in der Luft.

Buntes Treiben auf dem Friedhof - auch die hoch gelegenen Urnengräber werden geschmückt.
Buntes Treiben auf dem Friedhof – auch die hoch gelegenen Urnengräber werden geschmückt.

Am Eingang zum Friedhof steht ein Junge, der für ein paar Pesos aus einem Brunnen Wasser in große Konservendosen füllt. Vasen für die Cempasúchil. An der Wand, in denen sich die Urnengräber befinden, lehnen Leitern. Schließlich soll auch das höchst liegende Grab mit Blumen und bunten Totenschädeln geschmückt werden. Gegenüber der Wand springt ein junger Priester in weißem Gewand mit einem Weihrauchfass zwischen den Gräbern umher und segnet die Verstorbenen. Am Dia de los muertos werden die Gräber bunt geschmückt.An einem Grab steht eine Gruppe junger Männer, die auf Gitarren spielen und die Lieblingslieder des Verstorbenen singen. Als ich später wieder vorbeikomme, sitzen sie um das Grab herum, essen und trinken und stoßen mit einem Glas Tequila auf den Verstorbenen an. Dia de los muertosAn vielen Gräbern steht noch das Essen, das Familienangehörige am Vorabend für die Verstorbenen vorbeigebracht haben. Die großen Gräber sind üppig geschmückt Mit Blumen, Früchten und Süßigkeiten. An den ärmeren Gräbern stehen Coladosen, an einem Grab liegt eine Packung Toast. Der Día de los Muertos ist keine Trauerveranstaltung, sondern ein farbenprächtiges Fest zu Ehren der Toten und der wichtigste Feiertag in Mexiko.Dia de los muertos

Dia de los muertosNach altem Glauben kehren in der Nacht vom 1. auf den 2. November die Toten aus dem Jenseits zurück, um ihre Familien zu besuchen. Diese schmücken am Abend des 1. November die Gräber mit Kerzen, Speisen und Fotos der Verstorbenen. Dia de MuertosViele legen die leuchtend orangefarbene Cempasúchil vom Grab bis zum Haus der Familie aus, damit sich die Toten in der Dunkelheit nicht verlaufen.

Gabentisch für eine Verstorbene im Museo del Pueblo.
Gabentisch für eine Verstorbene.

Empfangen werden sie mit blumengeschmückten Gabentischen, die mit dem Pan de Muertos, dem Totenbrot, und wichtigen Utensilien aus ihrem ehemaligen irdischen Dasein gedeckt sind. Auf einigen Tischen befinden sich eine Schüssel Wasser, Seife und Handtuch, sodass sich die Heimkehrer vor dem Essen frisch machen können. Dia de muertosNicht nur in Privathäusern, sondern auch an vielen öffentlichen Plätzen und in Museen werden Gabentische errichtet. Am Eingang des Museo del Pueblo in Guanajuato führt ein Weg voller Cempasúchil-Blüten zu einem reich gedeckten Altar, auf dem auch die Schuhe der Verstorbenen stehen.

Altar für Diego Rivera

Auf der Plaza de la Paz in Guanajuato wird jährlich ein Altar für Diego Rivera errichtet. Der Maler wurde 1886 in der zentralmexikanischen Stadt geboren. Am Morgen des 2. November verwandeln sich die Straßen vieler Städte in Blütenteppiche.

Totenköpfe aus Schokolade.
Totenköpfe aus Schokolade.

Die Vorbereitungen für den Día de Muertos beginnen bereits Mitte Oktober. An jeder Straßenecke und auf Plätzen findet man Stände, an denen bunte Totenköpfe aus Zuckerguss und Schokolade verkauft werden. In Restaurants werden die Wände mit bunten Skeletten aus Pappmaché und anderen skurrilen Todessymbolen dekoriert.Dia de los muertos

Eine wichtige Rolle spielt die Skelettskulptur „La Catrina“. Seit Diego Rivera sie in seinem Gemälde „Sonntagsträumerei in der Alameda“ dargestellt hat, ist sie für den Día de los Muertos zum Symbol geworden. „La Catrina“ aus Gips oder Pappmaché lehnt an diesen Tagen übergroß an vielen Türen zu Restaurants, Läden und Museen. Dia de los muertosKellnerinnen verkleiden sich und treten als Catrina auf. Am Abend des 31. Oktober gibt es in vielen Städten Catrina-Umzüge.

La Catrina in einem Kleid aus Zeitungen.
La Catrina in einem Kleid aus Zeitungen.

Die Stufen zur Universität von Guanajuato werden am Dia de muertos den verstorbenen Bergarbeitern gewidmet.

Die Stufen zur Universität von Guanajuato werden am Dia de Muertos den verstorbenen Bergarbeitern gewidmet.Dia de Muertos

„Wir haben bis in die frühen Morgenstunden am Grab meines Onkels gefeiert, Anekdoten erzählt, viel gelacht und getanzt“, erzählt Raoul, der neben uns am einem Tortilla-Stand steht. „Wir sind gegen 4 nach Hause gegangen, haben kurz geschlafen und sind nun mit anderen Verwandten am Grab meines Onkels zum Brunch verabredet. Wir freuen uns jedes Jahr auf den Día de Muertos!“

¡Hasta el próximo año! ruft er uns nach, als er mit einem Berg voller Tortillas Richtung Grab verschwindet.

INFO

Preisgünstige Flüge nach Mexiko City sowie Hotels gibt es beim Onlineportal lastminute.de, dem mehrmaligen Testsieger bei Stiftung Warentest.

Gymnasiasten in Guanajuato bemalen am Dia de Muertos die Strassen des historischen Zentrums.
Gymnasiasten in Guanajuato bemalen am Dia de Muertos die Strassen des historischen Zentrums.

Dia de Muertos

Dia de Muertos

Kleiner Altar in einem Restaurant.
Kleiner Altar in einem Restaurant.

 

Labyrinth von Guanajuato

Guanajuato, die alte Silberstadt in Zentralmexiko, ist ein Labyrinth aus kopfsteingepflasterten engen und verwinkelten Gassen und Straßen, von denen keine geradeaus führt. Und in denen es dieselben Hausnummern gleich mehrmals gibt. Jeder Bewohner, der neu in ein Haus einzieht, darf sich seine Hausnummer selbst aussuchen. Steht beispielsweise eine 12 auf dem Haus, darf er die Nummer abnehmen und nach Belieben seine Lieblingszahl anbringen. So kommt es, dass man in vielen Straßen mehrmals die Hausnummer 1 auf beiden Seiten der Straße sieht, daneben die Nummer 42, die sich ein paar Häuser weiter nochmals befindet. Eine Bilderreise.

Guanajuato

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Gasse

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Guanajuato

Guanajuato

Guanajuato

Guanajuato

Guanajuato

Guanajuato

Die Mumien von Guanajuato

Der fast heitere Umgang der Mexikaner mit dem Tod wirkt auf westliche Kulturen etwas befremdlich. Einen Einblick in den Totenkult gibt das „Museo de las Momias in Guanajuato, wo 119 mumifizierte menschliche Körper stehend, liegend und sitzend ausgestellt sind.

Der bärtige Herr in der Glasvitrine trägt einen Anzug und darüber einen Mantel. Sein rechtes Auge ist zusammengekniffen, wo das linke war, klafft ein schwarzes Loch.  Er sieht aus, als wäre er noch gar nicht so lange tot. Der 1861 an Cholera verstorbene französische Arzt Remigio Leroy, der erste „Bewohner“ des Museums, gilt mehr oder weniger als Begründer des Museums.

Mumien in Guanajuato

Gefunden wurden die ersten Mumien 1865, als der benachbarte Friedhof Panteón Municipal de Santa Paula erweitert wurde. Der mineralhaltige Boden hatte eine Verwesung verhindert und die Toten mumifiziert.

Mumien von Guanajuato.Die Mumien tragen Anzüge, Stiefel, Röcke, Kopfbedeckungen, manche sind nackt oder nur mit Schuhen bekleidet. Sie stehen in verschiedensten Posen in Glasvitrinen an die Wand gelehnt und sitzen oder liegen in einem Sarg. Babys liegen in Windeln und Spitzenkleidchen in Vitrinen.

Baby-Mumie

Auch ein mumifizierter Fötus ist dabei – er ist die kleinste Mumie der Welt. Er war im Bauch einer Schwangeren, die an Cholera verstarb. Seine Mutter steht neben ihm.

Mumifizierter Fötus.
Mumifizierter Fötus.
Mutter des Fötus.
Mutter des Fötus.

Einigen Mumien steht das Grauen ins Gesicht geschrieben, andere sehen aus, als würden sie schreien. „Damals kam es vor, dass Sterbende und Scheintode begraben wurden“, erklärt der Tour-Guide. Wie groß muss der Horror gewesen sein, als sie in einem Sarg aufwachten!

Mumien von Guanajuato

La China famosa.
La China famosa.

Die Mumien sprechen uns auf Schildern direkt an. Wie „La China famosa“, die mit verschränkten Armen in ihrem Sarg liegt. „Man nennt mich das China-Mädchen. Vielleicht wegen meiner Kleidung und den asiatischen Gesichtszügen. Ich bin übrigens die Einzige, die hier in ihrem Originalsarg liegt, obwohl ich eine der Ältesten in der Kollektion bin. Ich kenne Dr. Leroy und andere wichtige Personen in diesen Räumen seit langer Zeit“.

Dr. Remigio Leroy.
Dr. Remigio Leroy – die erste Mumie, die 1865 gefunden wurde.

Übrigens, Regisseur Werner Herzog verwendete Bilder der Mumien in seinem Horrorfilm „Nosferatu – Phantom der Nacht“, um den Gruselfaktor zu  verstärken.

Mumien von Guanajuato

INFO

Adresse: Museo de las Momias, Explanada del Panteón Municipal, Guanajuato.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9-18 Uhr, Freitag bis Sonntag 9-18.30 Uhr.

Eintritt: 55 Pesos (ca. 3 Euro), Studenten 36 Pesos (ca. 2 Euro). Stand: Januar 2014.

Museo de las Momias

La China Famosa

Museo de las Momias

Die dunkelhäutige Jungfrau von Guadalupe

Mühsam robbt ein junger Mann mit einem Baby auf dem Arm auf Knien über den kopfsteingepflasterten Platz. Die heiße Mittagssonne scheint erbarmungslos auf ihn herab. Sein Blick ist zur Tepeyac-Kapelle gerichtet, die auf einem Hügel über der alten Basilika thront. Schweißtropfen rinnen ihm von der Stirn. Sein weißes T-Shirt klebt nass an seinem Körper. Eine Frau geht langsam neben ihm her, den Blick starr auf das Baby in seinen Armen gerichtet. „Er will der Heiligen Jungfrau für die Geburt seines Sohnes danken“, erklärt César, unser Tourguide.

Basilica de Guadalupe
Die alte Basilika. Auf dem Hügel im Hintergrund steht die Tepeyac-Kapelle.

Nuestra Señora de Guadalupe, die Jungfrau von Guadalupe ist die Schutzpatronin von Mexiko und ihr Gnadenbild das bedeutendste Marienheiligtum des Landes.

Ins Gebet versunken sitzen Gläubige auf den Bänken und murmeln Gebete in verschiedenen Sprachen vor sich hin. Pilger rutschen auf Knien über den Fußboden zum blumengeschmückten Hauptaltar. Nonnen und Priester laufen geschäftig durch die Gänge, vorbei an Greisen, die im Rollstuhl in ihre Gebete versunken sind. Ein Mann legt rote Rosen für die Jungfrau nieder und bittet dabei um den Erhalt seines Arbeitsplatzes. Kinder langweilen sich und quengeln, ein Hund schnüffelt am Boden und Touristengruppen mit Kameras fotografieren sich gegenseitig, die Betenden und jeden Winkel der Basilika.

Basilica de Guadalupe

Vier Förderbänder führen Gläubige und Touristen unter dem Original-Bildnis der Heiligen Jungfrau vorbei. Kameras werden gezückt, aber das Band ist schnell, es bleibt kaum Zeit die Kamera zu fokussieren. Das „Deposite aqui sus milagros“ (Ihre Wunder hier) steht auf einer Metallbox. „Hier könnt Ihr eure Wünsche an die Heilige Jungfrau abschicken“, sagt César.

Heilige Jungfrau von Guadalupe
Bildnis der Jungfrau von Guadalupe.

Ein Priester deutet grimmig auf meinen Hut und sagt in schroffem Ton, ich solle ihn absetzen, denn er würde die Jungfrau beleidigen. „Wenn es um unsere Jungfrau geht, verstehen wir keinen Spaß!“ meint César. Als wir die Basilika verlassen stehen wir vor einem Priester, der Segnungen im Akkord erteilt. Er taucht seinen Palmwedel in ein Wasserbecken und segnet damit jeden im Namen der Jungfrau, ob er nun darum bittet oder nicht. Ich bin nicht katholisch und bitte nicht darum, aber ehe ich mich versehe trifft mich das kühle Nass im Vorbeigehen ins Gesicht. „Schaden kann der Segen keinesfalls. Ob nun katholisch oder nicht“, sagt César.

Basilica de Guadalupe
Hauptaltar der Basilica de Guadalupe.

Dort, wo die Tepeyac-Kapelle thront, ist im Jahr 1531 die Heilige Jungfrau Maria dem Indio Juan Diego erschienen und zwar in der Gestalt und mit der Hautfarbe der Indios. Sie forderte ihn auf, den Bischof zum Bau einer Kapelle auf dem Hügel zu bitten. Der Bischof glaubte Juan Diego zunächst nicht, aber als sich die Erscheinung wiederholte, verlangte er nach einem Beweis. Am 12. Dezember 1531 führte die Jungfrau Juan Diego zu einem Rosenstrauch auf dem Hügel, der bis dahin kahl gewesen war. Er legte die Rosen in seinen Umhang. Als er diesen vor dem Bischof ausbreitete, waren die Rosen verschwunden, stattdessen erschien darauf das Bildnis der dunkelhäutigen Jungfrau im Strahlenkranz. Bischof Juan de Zumárraga erkannte darin das Bildnis der Jungfrau von Guadalupe, die in seinem Heimatland Spanien verehrt wurde und ließ die Kapelle auf dem Hügel bauen.  Das Original-Bildnis aus dem Umhang ist noch heute zu sehen (siehe Foto weiter oben). Die Kapelle wurde 1709 durch den Bau der Basilica de Nuestra Señora de Guadalupe ersetzt, die bald zum wichtigsten Wallfahrtsort im Mittelamerika wurde. 1754 erklärte Papst Benedikt die Jungfrau von Guadalupe zur Patronin von Mexiko, 150 Jahre wurde sie von Papst Pius X zur Schutzpatronin Lateinamerikas erklärt.

Basilica de Guadalupe
Die neue Basilika.

Als die Basilika für den Massenandrang zu klein geworden war und sie zudem zu versinken drohte, wurde auf dem Platz links neben ihr 1976 eine größere Basilika eingeweiht, die 20.000 Menschen Platz bietet und heute die größte Kirche Lateinamerikas ist.

„Wenn am 12. Dezember das Pilgerfest in Guadalupe stattfindet, ist halb Mexiko auf den Beinen“, erzählt César. Es ist ein Großereignis mit fast 10 Millionen Menschen, ein riesiges Spektakel mit Tänzen und Gesängen der indigenen Völker zu Ehren der Heiligen Jungfrau. „Schließlich war es einer von uns, dem sie 1531 erschienen ist. Und auf dem Bildnis ist sie zudem so dunkelhäutig wie wir“, sagt ein Straßenhändler, der auf dem Platz vor der Basilika Devotionalien verkauft. „Ob indigener oder spanischer Abstammung, wir sind nicht katholisch, wir sind Guadalupeños. Wir glauben in erster Linie an die Jungfrau von Guadalupe!“ fügt er hinzu und drückt mir ein Heiligenbildchen für die Reise in die Hand.

Basilica de Guadalupe
Portal der Basilika.

INFO

Der Wallfahrtsort Villa de Guadalupe liegt fünf Kilometer außerhalb des Zentrums von Mexiko-Stadt. Vom historischen Zentrum erreicht man den Ort mit der U-Bahn Linie 3. Die Basilika befindet sich auf der Plaza de las Americas und ist täglich von 6-21 Uhr geöffnet.

Guadalupe

Xochimilco – Fiesta Mexicana auf dem Wasser

Es ist Wochenende. Die Hauptstädter beladen ihre Autos mit riesigen Picknickkörben, fahren zu den Bootsanlegestellen nach Xochimilcho, mieten sich für wenige Pesos eine Trajinera, eine überdachte Art Gondel und lassen sich ein paar Stunden lang auf den Kanälen spazieren fahren. Reichen die Vorräte der Picknickkörbe und die Getränke nicht aus, gibt es Nachschub von schwimmenden Feinkostläden und Getränkehändlern.

Xochimilco

„Ich habe den besten Silberschmuck in ganz Mexiko“ ruft ein Schmuckverkäufer mit Bauchladen und springt mit Riesenschritten von einem Boot aufs nächste.  „Señorita, schauen Sie sich meine Tücher an“, höre ich eine Stimme vor mir. Eine Frau streckt mir von einem Ruderboot einen Stapel bunter Baumwolltücher entgegen. „Las bebidas, finalmente! Endlich kommen die Getränke“, rufen Teilnehmer einer Geburtstagsgesellschaft, als sich ein Boot mit Kühlboxen nähert.

XochimilcoRudernde Händler bieten ihre Waren feil: frisch gebackene Tortillas, Tacos, Luftballons, bunte Puppen, Souvenirs, frisch gepflückte Blumen, Gemüse, Obst, Käse und Getränke. Manche Boote sind schwimmende Tante-Emma-Läden.

Xochimilco

Es wird am Abend kühl und man hat keine Jacke dabei? Kein Problem. Ein rudernder Händler mit wärmenden Decken und Ponchos ist schnell zur Stelle. Auf den Trajineras, auf denen bis zu 25 Personen Platz haben, wird getanzt, gefeiert, geküsst, gegrillt, diskutiert, gestritten und gesungen.

Xochimilco

Familien mit Kindern, Großeltern, Tanten, Onkeln und Gruppen von Jugendlichen und Studenten sitzen auf langen Holzbänken und Holzstühlen an Tischen, während der Trajinero sie mit einer Stake durch Teile des 150 Kilometer lange Kanalsystems steuert.

XochimilcoAnders als sein venezianischer Kollege singt er dazu jedoch nicht. Das übernehmen die Mariachi-Gruppen, die mit Gitarren, Vihuelas, Geigen und Trompeten auf eigenen Booten unterwegs sind und Ständchen gegen Bezahlung bringen.

XochimilcoUnser Trajinero hält das Boot an als sich eine Mariachi-Gruppe nähert. Für 200 Pesos haben wir zwei Wünsche frei. Wenige Minuten später singen sie meine beiden mexikanischen „all time favorites“ „Perfidia“ und „Besame Mucho“. Beifall ertönt von allen Seiten, als sie sich verneigen und davon rudern.

Xochimilco

Die Kanäle sind mit Gerüchen der mexikanischen Küche erfüllt. Aus allen Richtungen tönt Musik: Reggae, Rock, Pop, Rap, Schlager und traditionelle mexikanische Volksmusik. An diesem Samstag scheint die halbe Hauptstadt auf den Kanälen unterwegs zu sein.

Xochimilco

Es kommt zu einem Bootsstau, nichts geht mehr. Ein Boot rammt das andere. Die Menschen nehmen es gelassen und feiern weiter. Schließlich stehen sie nicht im nervtötenden Feierabendverkehr auf der Avenida Insurgentes.

XochimilcoINFO

Xochimilco ist einer der 16 Stadtbezirke von Mexiko-Stadt, liegt 25 Kilometer südöstlich des Zentrums und ist Weltkulturerbe der UNESCO. Das Wort Xochimilco stammt aus dem Aztekischen und bedeutet „Ort, an dem die Blumen wachsen“. Heute wachsen die Blumen auf den fruchtbaren Chinampas, den Inseln auf den von den Azteken im 14. Jahrhundert künstlich angelegten Kanälen. Die Inseln werden schwimmende Gärten genannt.

XochimilcoDer Preis wird mit dem Trajinero an der Anlegestelle ausgemacht. Eine Stunde kostet umgerechnet maximal zwischen 7 und 8 Euro pro Person auf einem Privatboot. Auf dem Sammelboot kostet die Stunde pro Person ungefähr 1 Euro.

Xochimilco

Zum Embarcadero, der Anlegestelle in Xochimilco fährt man am besten mit dem Taxi. Taxifahren ist in Mexiko relativ billig. Ansonsten mit der Metro bis Tasquena und von dort aus weiter mit dem Tren Ligero nach Xochimilco.