Zentrum Paul Klee in Bern

November 12, 2013

Schweiz

Paul Klee

„Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen“ sagte Paul Klee. Er selbst hat seine Striche meisterhaft spazieren geführt. In der Ausstellung „Paul Klee – Leben und Werk“, die noch bis zum 30. März 2014 in Bern stattfindet, sind rund 200 Werke des Künstlers ausgestellt. Darunter viele Zeichnungen, Aquarelle, und Skizzenbücher aus seiner frühen Jugend.

Paul Klee: Muttertier 1937

Paul Klee: Muttertier 1937

Das 2005 eröffnete hypermoderne Gebäude aus drei gewellten Stahl- und Glashügeln befindet sich im Osten der Stadt. Entworfen hat es der italienische Architekt Renzo Piano, der auch das Weltstadthaus in Köln, den New York Times Tower in Manhattan sowie The Shard in London, das derzeit höchste Gebäude der EU, konzipiert hat.

Zentrum Paul Klee

Im Zentrum Paul Klee lagern rund 4.000 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Drucke und Skulpturen des Schweizer Künstlers. Die 1.750 Quadratmeter große Ausstellungsfläche ist allerdings zu klein, um sie alle auf einmal zu präsentieren. Aus diesem Grund veranstaltet das Zentrum regelmäßig Ausstellungen mit einer Auswahl von 150 bis 200 Werken mit diversen thematischen Schwerpunkten. Wie derzeit Leben und Werk Paul Klees.

Paul Klee: Brocard-Katze sich leckend, 1905 (Hinterglasmalerei)

Paul Klee: Brocard-Katze sich leckend, 1905 (Hinterglasmalerei)

Mit einem Audioguide bewappnet tauche ich zunächst in die frühe Jugend des 1879 in der Nähe von Bern geborenen Künstlers ein. In einem Schaukasten sind einige seiner zehn Skizzenbücher aus den Jahren 1892 bis 1898 ausgestellt, von denen alle bis auf das fünfte Heft erhalten sind. Es ist erstaunlich, wie perfekt die Zeichnungen des dreizehnjährigen Klees sind. Als Vorlagen für seine Landschafts- und Städteskizzen dienten ihm Kalenderblätter und Reproduktionen aus Zeitschriften. Für den jungen Klee waren es rein zeichnerische Übungen, ohne tieferen Sinn, erklärt der Audioguide. Sie sollten ihm ein gewisses Geschick in der Handhabung mit der Feder und spitzem Bleistift beibringen. Klee hielt die verschiedensten Schweizer Ansichten mit akribischer Genauigkeit in seinen Skizzenbüchern fest. Er bezeichnete, datierte und signierte sie. Sehenswürdigkeiten in Bern oder aus der Gegend des Thuner Sees skizzierte er vor Ort und notierte auch explizit „nach der Natur gezeichnet“.

Paul Klee: Gartenscene, 1905 (Hinterglasmalerei)

Trotz seiner Begabung wurde Klee 1898 an der Kunstakademie München abgewiesen. Wegen mangelnder Übung im figürlichen Zeichnen. So besuchte er bis 1900 die private Zeichenschule des Malers Heinrich Knirr. Dieser war der Erste, der Klees großes Talent erkannte. Erste Erfolge konnte Klee allerdings erst verzeichnen als er sich 1911 dem Künstlerkollektiv „Der Blaue Reiter“ um Wassily Kandinsky und Franz Marc anschloss. Bis dahin hatte sich Klee, der ein begnadeter Koch gewesen sein soll, als Hausmann betätigt und sich um seinen Sohn Felix gekümmert. Seine Frau, die Pianistin Lily Stumpf, verdiente derweil das Geld für die Familie als Klavierlehrerin.

Paul Klee in seinem Atelier, Bauhaus Weimar, 1924

Paul Klee in seinem Atelier, Bauhaus Weimar, 1924

1920 erhielt Klee eine Stelle am Bauhaus, wo er bis 1930 unterrichtete – zunächst in Weimar, ab 1925 in Dessau. 1930 folgte er einem Ruf an die Kunstakademie Düsseldorf. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kehrte er Ende 1933 nach Bern zurück.

Paul Klee: Statuette, 1908 (Hinterglasmalerei)

Paul Klee: Statuette, 1908 (Hinterglasmalerei)

Ab 1935 ging es mit Klees Gesundheit bergab. An was er litt, fanden die Ärzte erst 1938 heraus. Sklerodermie, eine seltene Autoimmunkrankheit, in deren Verlauf sich Bindegewebe, Haut und innere Organe verhärten. Die Krankheit entwickelte sich schubweise, Produktions- und Erholungsphasen wechselten sich ab. So vollendete Klee 1936 nur 25 Werke, im Jahr 1939 jedoch mehr als 1.300. In seinen letzten Jahren zeichnete Klee Engel, die zu seinen bekanntesten und beliebtesten Werken zählen. Auf unverwechselbare Weise verbinden sie Humor und tiefsinnige Assoziationen in einer meisterlich reduzierten Bildsprache. Seine Engel sind nur selten anmutige androgyne Menschenwesen mit Flügeln und religiöser Bedeutung. Er stellt sie grotesk als hässlich oder unfertig dar. Sie zeigen Gefühle, Schwächen und Unzulänglichkeiten. Klee bezeichnete sie in seinen Titeln als altklug, vergesslich und zweifelnd. Etwa 80 Engelszeichnungen schuf Klee in den Jahren 1938 bis zu seinem Tod 1940.

Paul Klee in seinem Atelier, Kistlerweg 6, Bern, 1939

Öffnungszeiten Zentrum Paul Klee:

Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr, montags geschlossen. Das Zentrum ist auch an Feiertagen (außer 24. und 25. Dezember sowie 25. November) geöffnet. Weitere Informationen auf der Website des ZPK.

Anfahrt: Ab dem Zytgloggeturm mit dem Bus Nr. 12.

Die Reise wurde von Bern Tourismus unterstützt.

Fotos: Copyright Zentrum Paul Klee. Foto des Zentrums: Cornelia Lohs.

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Über Cornelia Lohs

German journalist and travel writer. Locations: Heidelberg, Germany and Grand Rapids/Michigan.

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